Thomas HitzlspergerKein Porträt eines schwulen Fußballers

Der erste offen homosexuelle deutsche Fußballstar? Nein! Das sollte es nicht sein, was vom ehemaligen Nationalspieler Thomas Hitzlsperger nun im Gedächtnis bleibt. von 

Thomas Hitzlsperger im Jahr 2009 in Stuttgart

Thomas Hitzlsperger im Jahr 2009 in Stuttgart  |  © Jörg Koopmann

Fast auf den Tag genau fünf Jahre ist es her. Thomas Hitzlsperger spielte als Kapitän für den VfB Stuttgart, wir saßen das erste Mal zusammen, nach dem Training, in einem Restaurant bei ihm um die Ecke. Er war zu jener Zeit bereits langjähriger Nationalspieler, Held der Bundesliga und Premier League, Deutscher Meister, Fußballer des Monats, zweiter bei der EM 2008 und dritter bei der WM 2006 im deutschen Sommermärchen, wirkte aber im ersten Moment erstaunlich zurückhaltend.

Danach gab er als Kolumnist regelmäßig Interviews für ZEIT ONLINE. Ich schrieb ein Porträt. Später, als er zu Lazio Rom, West Ham United und dem VfL Wolfsburg wechselte und wegen vieler Verletzungen keine Titel mehr feierte, glich seine Karriere mehr und mehr jener eines Pechvogels. Und nun, wenige Monate nach seinem Karriereende, soll dieser Text wieder ein Porträt werden, jetzt über den schwulen Hitzlsperger. Weil nun alle wissen wollen, wer er ist, der erste deutsche Fußballstar, der über seine Homosexualität redet.

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Nun, er ist immer noch derselbe. Thomas Hitzlsperger eben. Mit der Veröffentlichung seiner Sexualität hat das wenig zu tun.

Sein Interview über seine Homosexualität ist nur insofern charakteristisch für ihn, als dass er schon oft andere Wege ging als seine Kollegen. Sein Berufsleben begann mit einer ähnlich mutigen Entscheidung. Das war Ende der Neunziger. Sein Leben bestand aus Bauernhof, Training, Bauernhof, Training, Bauernhof, Punktspiel. Er wohnte mit seinen Eltern in einem bayerischen Dorf, spielte in den Jugendmannschaften des FC Bayern und lebte den Traum vieler fußballverrückter Jungen.

Wenn mal kein Training war und auch seine Brüder nicht mit ihm kicken wollten, schoss er oft allein hinter dem Bauernhof den Ball gegen die Wand. Manchmal so heftig, dass der Putz abbröckelte.

Er hätte damals beim großen FC Bayern bleiben können, wie der fast gleichaltrige Philipp Lahm. Aber mit 18 flog er unter einem Vorwand nach England. Er trat zum geheimen Probetraining für Aston Villa an und kam mit einem Vertragsangebot zurück. Wieder zu Hause, erzählte er seinen Eltern und dem FC Bayern von seinen Wechsel-Plänen. Sein Vater war dagegen. Uli Hoeneß schrie vor Entrüstung. Und Hitzlsperger zog wenig später nach Birmingham.

Er kann über diese knapp fünf Jahre in England stundenlang sprechen. Wenn man ihn danach fragt, mehrmals. Er gehört nicht zu denen, die von sich aus über sich erzählen.

In jener Zeit in Birmingham wurde aus einem Talent ein Fußballer und aus einem Jungen eine Persönlichkeit. Er schaffte den Sprung vom Nachwuchs-, zum Stamm-, zum Nationalspieler und Publikumsliebling. Wenn "Hitz the Hammer", so sein Spitzname, den Ball berührte, brüllten Tausende englische Fans: "Shoooot".

Leserkommentare
  1. Ich frage mich, ob es überhaupt ein wirkliches Problem diesbezüglich gibt. Die Sexualität auf dem Fußballplatz ist doch kaum von Bedeutung.

    Hauptsache, ein schönes Spiel :)

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    In der Sache haben sie recht. Es gibt kein Problem wegen der sexuellen Orientierung eines Fußballers. Bei den Frauen haben wir uns bereits daran gewöhnt, etwa bei der Hochzeit von Aby Wambach. Ich glaube, es gibt niemand, der daran zweifelt, dass Wambach, trotzdem sie lesbisch ist, eine der bestern Kickerinnen weltweit ist.

    Bei den Herren hat es leider etwas länger gedauert. Dies liegt natürlich auch daran, dass Fußballfans im Stadion oft nicht gerade als Freunde der Toleranz unterwegs sind. Schon so mancher Spieler musste sich mit Bananen bewerfen lassen, und die Bezeichnung eines Akteurs auf dem Platz als "schwul" kann sicher nicht als freundliche Anfeuerung missverstanden werden. Wer da zu seiner sexuellen Orientierung als aktiver Spieler stehen möchte, der muss wohl leider eine ganze Menge aushalten. Das dies nicht jeder will oder kann, das halte ich für sehr verständlich. Es ist aber problematisch, weil es die Spieler vor allem im gesellschaftlichen Leben, an dem bekanngte Fußballer auch teilhaben, zu einem Versteckspiel zwingt, dass unwürdig ist.

    Ich glaube das Problem ist, dass die homophoben Schreihälse auf der Tribüne einfach lauter sind als die große Mehrheit, der es am Arsch vorbeigeht ob jemand schwul ist oder nicht. Dadurch entsteht dann der Schein, dass es ein Problem gibt.

    • dacapo
    • 08. Januar 2014 19:42 Uhr

    Wenn das nicht der Fall wäre, wie Sie meinen, gäbe es schon mindestens zwanzig Offenbarungen.

    wäre es doch nur konsequent, dass sich auch die Leser und Schreiber der Zeit-Online outen, auf welche Partner sie stehen. Also bitte ergänzen Sie Ihren Namen oder Ihren Beitrag entweder mit HO oder HE. Ich bin gespannt...

    • Lassek
    • 09. Januar 2014 0:49 Uhr

    ...aber für die Fußball-Fans:

    "Ihr steht auf Schwänze - und nicht auf Buuuusen - ihr seid die Fans von Bayer Leverkuuuusen!!!!"

    Hätte sich ein aktiver Fußballer geoutet, hätten die homophoben Fans seines Vereins ein Loyalitätsproblem. Die normalen Fans ein Problem mit homphoben gegnerischen Fans. Die homophoben Fans des gegnerischen Vereins ein Problem mit der (Presse-)Öffentlichkeit. Und schließlich die normalen Fans des gegnerischen Vereins sowie der Verein selbst mit den homophoben Fans unter ihnen.

    Die Presse hat doch nur mit allergrößter Sehnsucht viel lieber auf irgendein Outing eines aktiven Spielers gewartet - ja sie versucht es mit aller Macht gradezu zu provozieren, um sich über diese zu erwartenden Geschehnisse im Stadion das Maul zereißen zu können und über die Primitivität, die Rückständigkeit, ja den Atavismus der Fußballkultur lästern zu können.

    Allein wenn man sich die Stadien"gesänge" anhört ist das ja auch gar nicht so abgwägig - "Brot und Spiele" in der Antike stand dem womöglich in nichts nach.

    Aber mit aller (Sprach)gewalt auf weitere Anlässe zu warten, um noch zielsicherer und noch eloquenter darauf rumhacken zu können, ist eigentlich fast genauso primitiv!

  2. der nicht nur als Fußballer aussergewöhnlich gut war, auch in seinen Interviews war er stets überzeugend.

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    der gute Herr Hitzelsperger ist ja nicht verstorben. ;-)

  3. ... „mittlerweile nervt es“, „gibt es nichts wichtigeres“. Ich kann die lästernden Kommentare schon lesen, obwohl sie noch nicht dastehen. Natürlich gibt es wichtigeres, zumindest für die heterosexuelle Mehrheit. Jedoch schüttelt es mich bei dem Gedanken, mich verstecken zu müssen, weil ich Hetero, Atheist und bayerischer Patriot bin. Insofern unterstütze ich das Beharren auf Outing und den Kampf gegen die Diskriminierung. „Es reicht“ überhaupt nicht, wenn es um Freiheit geht!

    Dass mir bei dem Gedanken, ich hätte Sex mit einem Mann, schlecht wird, ist für einen Hetero ja normal, und ändert nicht das Geringste an meiner Solidarität. Ich habe kein Recht, ihm reinzureden, und andersherum genauso wenig. Der Hitzlsperger fände ja meine Freundin wahrscheinlich auch ziemlich übel.

    By the way: Hitzlsperger – technisch limitiert, kampfstark, schussgewaltig, Kilometerfresser – entspricht nicht wirklich dem gängigen dummen Klischee des schwulen Fußballers.

    greetz, BG

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    • PerpMob
    • 08. Januar 2014 16:36 Uhr

    "Dass mir bei dem Gedanken, ich hätte Sex mit einem Mann, schlecht wird, ist für einen Hetero ja normal, und ändert nicht das Geringste an meiner Solidarität."

    Das ist nicht normal, sondern an der Grenze zur Hompphobie bzw. darüber hinaus. Ich sehe den guten Willen in Ihrem Post, gleichzeitig grenzen Sie sich als Heterosexueller von Homosexuellen ab. Glauben Sie, Sie unterstützen jemanden, wenn Sie sagen: "Was Du im Schlafzimmer machst, treibt mir die Kotze hoch!"? In dem Kontext von Solidarität zu sprechen ist ziemlich herablassend.

    @BlindGuardian (schade, dass Sie diese gute Band als Nickname missbrauchen): Sie scheinen ja öfter mal daran zu denken, mit einem Mann Sex zu haben ... Sonst könnten Sie Ihre Reaktion ja gar nicht. Haben Sie der Öffentlichkeit etwas mitzuteilen? Nur raus damit!

    Köstlich, wie bei der Gay-Gemeinde sofort der Beißreflex ausgelöst wird. Toleranz ist eben doch ein Fremdwort!

    P.S. Als A-Nationalspieler war er immer sympathisch, nach seinem Karriereende immer noch - das andere interessiert mich nicht die Bohne! Die Missionare bleiben trotzdem lästig weil nervig - zum Beispiel Rosa von ...

    Wirklich viel Ahnung vom Fußball bzw. Thomas Hitzlsperger scheinen Sie nicht zu haben.

    Mensch Leute, Sexualität ist ein Trieb!
    Es gibt Menschen die stehe darauf, wenn man beim Sex auf sie uriniert, das finde ich genau so eklig, wie die Vorstellung es mit einem Mann zu treiben. Das entspricht nicht meiner sexuellen Orientierung, nicht dem Trieb, mit dem ich geboren wurde.
    Irgendwo habe ich es schon mal geschrieben und auch der Kommentar von Lycopersicon (Nr. 56) geht auch in diese Richtung: Toleranz bedeutet nicht, dass ich alles Verstehen oder Akzeptieren muss und vor allem muss ich nicht alles Super finden, wie Lycopersicon so schön geschrieben hat.
    Kein Mensch findet alles super und Sorry, aber jeder der das von sich behauptet ist ein Heuchler!

    "Das ist nicht normal, sondern an der Grenze zur Hompphobie bzw. darüber hinaus."

    Es tut mir leid aber Sie können wirklich nicht verlangen dass jedem alles gefällt.
    Es gibt auch sexuelle Praktiken von Heterosexuellen die mich einfach nur anwidern. Auch widert mich die Vorstellung an mir hässliche Menschen beim Sex vorstellen zu müssen.
    Dass jemand solche Gefühle bei homosexuellen Praktiken hat sagt nichts über seine Gesinnung aus.

  4. 4. Unding

    "Und ist es nicht eh ein Unding, wenn ein Fußballer deshalb zum Objekt der öffentlichen Begierde wird, weil er Männer mag?"

    Hm. Der Satz wäre glaubwürdiger, wenn er nicht unter dem dritten, vierten Hitzlsperger-Artikel heute auf ZO stehen würde.

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  5. "Der erste offen homosexuelle deutsche Fußballstar? Nein! Das sollte es nicht sein, was vom ehemaligen Nationalspieler Thomas Hitzlsperger nun im Gedächtnis bleibt."

    Trotzdem ist das bereits der fünfte (!) Artikel über das Thema. Am selben Tag wohlgemerkt. Kann mich nicht daran erinnern, dass der Herr Hitzlsperger jemals zuvor meine Gehirnwindungen so frequentiert penetriert hat.

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    • Mike M.
    • 08. Januar 2014 19:07 Uhr

    .... wie viel Theater um die sexuelle Orientierung gemacht wird. Mich interessiert doch auch nicht ob Spieler X oder Y verheiratet ist.

    Der Vorwurf geht nicht an Hitzlsperger, sondern an die Presse. Ist es heute wirklich noch mutig und politisch, sich offen zu seiner Homosexualität zu bekennen? Ich habe da meine Zweifel. Eigentlich interessiert es doch genauso, wie die Ehe van der Vaart. Es um den Boulevard, wenn man ehrlich ist.

  6. war ein großartiger Spieler, ist intelligent und hat Charisma, mehr interessiert mich nicht. Wobei, was ist mit der Kolumne? Will er nicht doch noch mal?

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