Der frühere Fußballprofi Thomas Hitzlsperger hat sich als schwul geoutet – als erster ehemaliger Bundesliga-Spieler und Nationalspieler überhaupt. Aus Politik und Gesellschaft, von früheren Kollegen und aktiven Spielern, Trainern und Funktionären der Bundesliga und Premier League erhielt er dafür viel Zuspruch. Auch die Kommentatoren in der deutschen und internationalen Presselandschaft zollen dem 31-Järhigen Respekt für seinen Schritt an die Öffentlichkeit.

The Guardian
Laut einer YouGov-Umfrage von 2009 sind dumme zwei Prozent von Fußballfans der Meinung, dass es unter den rund 5.000 professionellen Fußballspielern in Englang keine homosexuellen Spieler gibt. Thomas Hitzlspergers Entscheidung zu offenbaren, dass er es 'vorzieht, mit Männern zusammenzuleben', dürfte sie keines Besseren belehren. (...) Die Verantwortung dafür haben aber nicht nur die Offiziellen. Es ist jeder einzelne Fan der übrigen 98 Prozent, die nicht zu blöd dafür sind, sich vorzustellen, dass es auch schwule Fußballer gibt."

Der Standard
"Homosexualität ist gerade im Fußball immer noch ein Tabu. (...) Spieler fürchten die Reaktionen von Kollegen, aktuellen und zukünftigen Vorgesetzten, Fans und Sponsoren. Das lässt sich nicht mit einem lapidar pseudo-uninteressierten 'Na und?' wegreden. (...) Es gibt Grund zur Hoffnung, dass es sich zum Besseren wendet. (...) Noch ist es aber nicht so weit. So zu tun, als wäre ein Fußballer-Coming-Out schon heute keine große Sache, entwertet die Courage, die ein Schritt wie jener von Hitzlsperger braucht."

Süddeutsche Zeitung
"Dass Hitzlsperger jetzt, knapp vier Monate nach seinem Karriereende, mit seiner Homosexualität an die Öffentlichkeit gegangen ist, erzählt weniger über ihn als Mensch als eben über diese Öffentlichkeit. Denn die geht nicht so souverän und selbstverständlich mit der Sexualität von Fußballprofis um, wie das bei anderen prominenten Persönlichkeiten der Fall ist. Homosexualität ist im Männerfußball noch immer ein Tabu."

Frankfurter Allgemeine Zeitung
"Man sollte sich nichts vormachen. In Deutschland gibt es kaum einen gesellschaftlichen Bereich, der dem Thema Homosexualität noch immer so verklebt und vergangen begegnet wie der Volkssport Fußball. (...) Auch wenn sich das Bild des rauhbeinigen Kickers zumindest an der Oberfläche allmählich ändert: Man achtet auf seine Frisur, auf schöne bunte Schuhe und Designerkleidung – und auch auf dem Platz ist mittlerweile Raum für das Feine und Filigrane. Aber Schwule und Fußball, das geht bisher gar nicht. Der Profifußball macht da keine Ausnahme, eher im Gegenteil."

tageszeitung taz
"Hitzlsperger wird wissen, dass mit seinem Outing das große Spekulieren, welcher prominente Spieler denn noch schwul sein könnte, einsetzen wird. Beinahe jedem Fußballfan fallen spontan eine Handvoll Spielernamen ein, zu deren Trägern es entsprechende Gerüchte gibt. Philipp Lahm, der Kapitän der deutschen Fußballnationalmannschaft, sah sich deshalb genötigt, den Satz 'Ich bin nicht schwul' an prominenter Stelle in seine Fußballerbiografie zu schreiben. Lahm kennt die Gerüchte über ihn nur zu gut. Ist er nun doch schwul? Hören wie auf zu spekulieren! Früher oder später wird sich der erste aktive Profi in Deutschland outen. Die Zeit ist reif – Thomas Hitzlsperger sei Dank."

Stuttgarter Zeitung
"Das Klima hat sich merklich verbessert, aber es ist wohl noch immer nicht so, dass einem aktiven Kicker zu einem Coming-out geraten wird. Thomas Hitzlsperger hat dies zumindest so empfunden, wie er sagte, und wartete sein Karriereende ab. Traurig, aber wahr. Die vielen Respektbezeugungen dürfen über eines nämlich nicht hinwegtäuschen: homophobe Einstellungen werden heute zwar kaum mehr in den Stadien oder außerhalb öffentlich ausgelebt, aber sie sind noch immer weit verbreitet – unterschwellig und hinter vorgehaltener Hand."

Allgemeine Zeitung Mainz
"Respekt und Sympathie strömen Thomas Hitzlsperger nun entgegen. Die meisten Absender meinen das gewiss ehrlich. Und doch ist da auch ein enormes Maß an Heuchelei und Verlogenheit unterwegs. (...) Im Männerfußball gibt es, alles in allem, Null Toleranz gegenüber Schwulen. (...) Das Phänomen 'Masse' tut ein Übriges. In einer Menge von 80.000 fühlt sich jeder einzelne so stark wie 80.000 zusammen. Das kann positiv berauschend sein, aber auch explosiv. In der Entwicklungsgeschichte des Homo sapiens ist noch viel Luft nach oben."

Stuttgarter Nachrichten
"Noch immer wird die Bundesliga gern vermarktet als geschützter Hort für schmerzfreie Kämpfernaturen und als Biotop der unverfälschten Männlichkeit. Doch das Mannsein definiert sich im 21. Jahrhundert nicht mehr allein über ein archaisches Verständnis des Maskulinen. Das weiß auch der frühere VfB-Kapitän Thomas Hitzlsperger, dessen öffentlicher Steilpass zwar mutig ist, aber keine Heldentat. Denn längst manifestiert sich auch in jungen Berufsfußballern das Bild einer Gesellschaft, in der die sexuelle Selbstbestimmung zur Selbstverständlichkeit wird. Was in Politik, Kultur oder Wirtschaft möglich ist, wird sich in absehbarer Zeit auch auf Rasen und Rängen durchsetzen. Thomas Hitzlsperger ist schwul? Na, und!"

Leipziger Volkszeitung
"Dieser intelligente junge Mann hat sich jahrelang durch eine glitzernde Macho-Welt laviert, die nicht seine ist. Er hat sich oft die Frage gestellt, die Theo Zwanziger für positiv beantwortet hält. Hitzlsperger hielt sie auch für beantwortet. Und er sagte nein zu einem Coming-out während seiner Laufbahn. Aus nachvollziehbarer Angst vor den Konsequenzen. Weil er weder Klaus Wowereit noch Elton John ist. Weil sein Job nicht im Bundestag oder auf der Showbühne stattfand. Stadion ist anders. Ganz anders. Ja, Hitzlsperger hat das Thema auf eine neue Ebene gehoben, es prominent ins Licht der Öffentlichkeit gerückt. Hilfestellung für noch aktive Fußballer ist sein Coming-out nicht. Die fühlen sich eher weiter genötigt zu einem Versteckspiel."

Richtigstellung:  Wir hatten in der Version unseres Artikels vom 9. Januar 2014 aus einer Veröffentlichung in der Frankfurter Rundschau zitiert, in der es in Bezug auf Lothar Matthäus hieß: "Ein Schwuler kann nicht Fußball spielen, lautete einer der gewagten Thesen des Ex-Nationalspielers." Hierzu stellen wir richtig, dass Herr Lothar Matthäus dies weder gesagt noch eine solche These vertreten hat. Die Redaktion