Fußball-Bundesliga : Wolfsburgs Problem mit dem Fairplay

Der VfL Wolfsburg greift an – auch dank der Millionen des Mutterkonzerns VW. Damit verstößt er jedoch gegen Finanzregeln der Uefa, sagen Kritiker.
Kevin de Bruyne © Peter Steffen/dpa

Nach dem Millionen-Transfer Kevin de Bruynes schaut der deutsche Fußball auf Wolfsburg. Das mag daran liegen, dass die Bundesliga sonst derzeit nicht viel Spannung zu bieten hat. Es liegt aber auch daran, dass nun jedem klar ist: Mit dem VfL ist wieder zu rechnen.

Den talentierten belgischen Nationalspieler wollten viele haben, den Champions-League-Teilnehmern Dortmund, Leverkusen und Schalke wurde Interesse nachgesagt. Doch die Wolfsburger boten am meisten, 20 Millionen Euro, und bekamen den Zuschlag.  

Es ist der zweite teure Einkauf, den der Verein in dieser Saison tätigte. Im Sommer stieß der brasilianische Nationalspieler und Triple-Sieger Luiz Gustavo für eine ähnlich hohe Ablösesumme aus München zum VfL-Kader.

In der Hinrunde hat sich der VfL nach mittelmäßigem Beginn auf Platz fünf vorgearbeitet. Inzwischen ist die Hoffnung auf die Qualifikation zur Champions League durchaus realistisch. "Wolfsburg hat Macht", sagt Dortmunds Trainer Jürgen Klopp. Er rechnet mit weiteren Erfolgen des Konkurrenten, während seine Mannschaft in dieser Saison schwächelt. Ähnlich äußert sich der Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge.

Wolfsburgs Aufschwung liegt zum einen an der neuen Führung. Unter Klaus Allofs, dem Sportdirektor, und dem Trainer Dieter Hecking hat die Elf ein stabiles System entwickelt. Sie spielt offensiven Ballbesitzfußball, mitunter kann sie ihn auch variieren, zu sehen etwa beim 2:1-Sieg gegen Dortmund.

Hecking hat zudem junge Spieler eingebaut, etwa den torgefährlichen Mittelfeldspieler Maximilian Arnold, 19, und den Verteidiger Robin Knoche, 21. Überraschend ist der Aufschwung nicht. Den meisten in der Liga war lange klar, dass der VfL wieder kommen würde, sobald er in guten Händen ist.

Sponsor VW ist Segen und Fluch für den VfL

Vor allem liegt der Erfolg des VfL jedoch am Engagement von Volkswagen. Schätzungen gehen von 60 Millionen Euro im Jahr aus, die der Konzern in seine Fußballabteilung steckt. Es sind vorsichtige Schätzungen. Für den Autobauer, der rund 200 Milliarden Umsatz im Jahr macht, ist die hundertprozentige Tochter VfL ein wichtiges Marketing-Instrument, aber auch ein Standortfaktor. Denn mit einem attraktiven Fußballangebot lassen sich gute Arbeitskräfte in das graue Wolfsburg locken.

Die Millionenspritzen von Volkswagen sind jedoch auch ein Problem für den VfL. Nicht nur, weil er ihretwegen als Werksklub verpönt ist. "Deutscher Meister wurde ein Auto", schrieb die Berliner Zeitung nach der Wolfsburger Meisterschaft im Jahr 2009. Und Schalkes Manager Horst Heldt reagierte auf den de-Bruyne-Transfer grantig: "Da hat VW in den letzten Monaten sicher einige Touaregs verkauft."

Vor allem dürfte die Großzügigkeit Volkswagens den Europäischen Fußballverband (Uefa) auf den Plan rufen. Seit dieser Saison gilt eine neue Regel: das Financial Fairplay. Danach müssen sich Spielbetriebskosten und -ausgaben eines Fußballvereins die Waage halten. Die Uefa will damit verhindern, dass sich Vereine überschulden, und einen möglichst fairen Wettbewerb gewährleisten.

Bis 2018 wird Financial Fairplay stufenweise eingeführt. Aktuell dürfen die Zuschüsse von Investoren die Summe von 45 Millionen Euro in einer Dreijahresfrist nicht überschreiten. Also mindestens 15 weniger als der VfL in dieser Saison wohl vom Mutterkonzern bekommt.

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Kommentare

31 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

der Unterschied ist zum Beispiel

dass Bayer Leverkusen immer ein wirklicher Werksclub war, der damit zurecht unter die Ausnahmeregelung bei 50+1 fällt, während der VfL Wolfsburg ursprünglich ein ganz normaler Verein war, der später von VW übernommen wurde. Dass der unter die Ausnahmeregelung fällt ist mMn zumindest fragwürdig.
Ebenso fragwürdig ist natürlich die Existenz dieser Ausnahmeregel überhaupt.