Irgendwie sind es ja immer dieselben bei der großen Fifa-Sause. Die Frage, ob der Dauersieger Lionel Messi wieder einmal Weltfußballer wird oder der Geck Cristiano Ronaldo, wird in diesem Jahr nur durch Franck Ribéry etwas aufgelockert, dem listigen, aber zumindest in seiner Heimat unbeliebten Franzosen des FC Bayern. So weit, so öde. Wir haben überlegt, welche Fußballer im vergangenen Jahr wirklich Besonderes geleistet haben, und deshalb den Ballon d’Or verdient hätten.

Paulo André

Paulo André (Mitte), Verteidiger von Corinthians, nach einem Tor im Spiel gegen den FC Santos im Mai 2013 © AFP/Getty Images

Laut Wikipedia ist der brasilianische Verteidiger Paulo André vom Traditionsklub Corinthians nicht nur Fußballer, sondern auch Autor, Philosoph und Künstler. Das klingt dick aufgetragen? Nun: Während er ein Jahr für einen französischen Klub spielte, ließ er sich im Louvre inspirieren. Als er nach einer Knieverletzung ein paar Monate darniederlag, fing er an zu malen. In einem Buch, das von der Kritik hoch gelobt wurde, reflektiert Paulo André den Profifußball fernab der glamourösen Scheinwelt. Mitte des Jahres gründete er mit Spielerkollegen eine Protestbewegung namens Bom Senso FC, einen "Fußballklub des gesunden Menschenverstandes". Die Spieler protestieren gegen die Arbeitsbedingungen im brasilianischen Fußball: Sie fordern 30 Tage Urlaub, höchstens sieben Spiele pro Monat, saubere Klubfinanzen und eine Athletenkommission. Gegen Ende der Saison streikten viele Spieler, indem sie sich nach dem Anpfiff für eine Minute auf den Rasen setzten oder den Ball absichtlich zum Gegner spielten. Der korrupte brasilianische Fußballverband bot zwar Gespräche an, einigen konnten sich die Parteien zu Beginn des WM-Jahres noch nicht. Mittlerweile hat die Bewegung mehr als 1.000 Mitglieder, fast alle Spieler der ersten und zweiten brasilianischen Liga. "Der Verband spielt mit dem Feuer", sagt Paulo André. Vielleicht steht in seinem Wikipedia-Eintrag bald auch Revolutionär. 

Oliver Baumann

Oliver Baumann © Alexander Hassenstein/Getty Images

Für Fußball-Romantiker war 2013 kein gutes Jahr. Mario Götze wechselte zum FC Bayern, Stefan Kießling schoss daneben und wollt's nicht gesehen haben und Rafael van der Vaart schwängerte Sylvies beste Freundin. Selbst in Freiburg, hinter den sieben Bergen, ging das Märchenhafte flöten. Nach einer imponierenden Rückrunde wurde die halbe Mannschaft weggekauft. Freiburgs Trainer Christian Streich fühlte sich wie "auf dem Viehmarkt". Oliver Baumann blieb, trotz Angeboten. Schon mit zehn Jahren trug er das SC-Trikot. Er verzichtete auf mehr Geld. Dann, im Oktober, erwischte Baumann einen schwarzen Tag, machte gleich drei schwere Fehler. Doch er verkroch sich danach nicht, sondern stellte sich vor die Kameras und entschuldigte sich. Beim nächsten Spiel eine Woche später sicherte er als bester Freiburger den ersten Saisonsieg seines Klubs. Jetzt ist er als Nachfolger von Mönchengladbachs Torwart ter Stegen im Gespräch. Der, seit 18 Jahren im Verein, geht wahrscheinlich zum FC Barcelona.

Robbie Rogers

Robbie Rogers nach seinem Debüt im Mai 2013 © Jeff Gross/Getty Images

Thomas Hitzlsperger outete sich erst nach seinem Karriereende. Das wäre auch nicht anders gegangen, hieß es in den vergangenen Tagen, das Monster Fußball würde einen Homosexuellen verschlingen. Aber stimmt das? Robbie Rogers könnte eine Antwort geben. Der US-Amerikaner machte seine Homosexualität im vergangenen Jahr öffentlich, als zweiter Fußballprofi überhaupt und hatte zunächst eine ähnliche Befürchtung. Vorsichtshalber erklärte der 18-fache Nationalspieler seine Karriere für beendet, mit 25 Jahren. Als er merkte, wie sehr ihm der Fußball fehlte, fragte er bei seinem alten Klub Los Angeles Galaxy, ob er mittrainieren dürfe. Kurze darauf unterschrieb er einen Vertrag. Mittlerweile stehen für ihn, den schwulen Fußballer, 13 Spiele und eine Torvorlage. Bei seiner ersten Einwechslung gab es keine Buhrufe, dafür viel Applaus.