Vor Gericht sieht es schlecht aus für Uli Hoeneß. Die Höhe seines Steuerbetrugs nimmt ungeahnte Maße an. Doch was sagen die Bayern-Fans dazu? Wir haben mit zweien gesprochen. Gerhard Kirsch will, dass Hoeneß Bayern-Präsident bleibt. Seine Vergehen habe er als Privatmann begangen. Franz Stadlberger hält dagegen: Hoeneß sei nicht mehr tragbar.

Ich halte es mit Werner Schneyder und unterscheide zwischen dem privaten Menschen Uli Hoeneß und dem verdienten Macher des FC Bayern, dem Macher des deutschen Fußballs. Die deutschen Medien sind heute schnell dabei, Verdienste und Leistungen zu vergessen, wenn diese sich Fehltritte erlauben.

Dabei vergessen sie: Der ehemalige Wirtschaftsminister und langjährige Vorsitzende der FDP, Otto Graf Lambsdorff, war wegen Steuervergehen vorbestraft. Die Leistungen für Bedürftige sind nach einem Mann benannt (Hartz IV), der wegen Veruntreuung von Firmengeld vorbestraft ist und in eine Schmiergeld-Affäre verstrickt war.

Ginge es nach dem verursachten Schaden für die Gemeinschaft, dürfte keiner der derzeitigen Regierungspolitiker im Amt verbleiben. Die Verantwortlichen für die Milliardengräber Berliner Flughafen und Stuttgart21 kommen ungestraft davon. An Uli Hoeneß aber reiben sich die Gemüter. Der Prozess ist eine Ablenkung des Volks vom Versagen der Politik.

Um die Tragik des Uli Hoeneß zu beleuchten, sollte man sich zudem nicht auf die Steuerhinterziehung beschränken. Die private "Zocksucht" und wie es dazu kam, spielt eine große Rolle. Hoeneß ist nicht der einzige Manager, der seinen Stress mithilfe der Sucht abbauen wollte. Andere trinken Alkohol oder nehmen Drogen. Das soll seine Tat nicht entschuldigen, aber erklären.  

Aber auch sein Umfeld hat versagt. Plötzlich meldeten sich Leute zu Wort, die die auffällige Verhaltensweise von Uli Hoeneß beobachtet und festgestellt hatten. Dass er sogar während der Spiele des FC Bayern mehr mit seinem Smartphone beschäftigt war als mit dem, was sich auf dem Rasen abspielte. Waldemar Hartmann zum Beispiel. Echte Freunde schreiten früher ein, statt hinterher alles besser gewusst zu haben.

Ich achte Uli Hoeneß noch immer, er ist ein äußerst kompetenter und verdienter Mensch mit hoher sozialer Verantwortung und Engagement. Der Privatmann Uli Hoeneß muss sich seinen Fehlern und den Konsequenzen stellen. Als mein Präsident des FC Bayern steht er aber nicht infrage. Uli Hoeneß hat dem FC Bayern keinerlei Schaden zugefügt. Er hat den Verein zum Besten der Welt gemacht.