Markus Weinzierl, Trainer des FC Augsburg © Tobias Kuberski/dpa

Auf der Pressekonferenz nach dem 1:1 gegen Hannover ist Augsburgs Trainer Markus Weinzierl gedanklich bereits in der Zukunft. Hätte der FCA gewonnen, wäre er auf Rang 6 geklettert. "Wir sind noch nicht so weit, dass wir traurig sein sollten", sagt Weinzierl. Noch nicht. Der FC Augsburg ist also noch nicht so weit, über ein Unentschieden enttäuscht zu sein. Aber bald vielleicht, und das ist recht neu.

Augsburg war seit seinem Aufstieg 2011 ein vermeintlich sicherer Abstiegskandidat. Die meisten Konkurrenten können mehr Geld ausgeben und haben die talentierteren Spieler. Doch seit Monaten gibt es, Bayern und Dortmund ausgenommen, kaum einen deutschen Verein, der einen stärkeren Eindruck hinterlässt. Sollte sich Augsburg für den Europapokal qualifizieren, wäre das keine große Überraschung mehr.

Der, der den FCA so stark macht, heißt Markus Weinzierl. Darüber sind sich in Augsburg, aber auch außerhalb, so gut wie alle einig. Dabei war sein Anfang schwierig. Weinzierl ist seit Sommer 2012 in Augsburg, seine erste Hinrunde schloss die Mannschaft als Letzter mit neun Punkten ab. Eine Entlassung hätte niemanden gewundert, ihn auch nicht.

Seitdem geht es bergauf. In der Vorsaison sicherte Augsburg die Klasse am letzten Spieltag. In dieser hat der Verein schon längst nichts mehr mit dem Abstieg zu tun. Auch wenn die Augsburger gemäß branchenüblicher Demutsrhetorik nach wie vor das Ziel Klassenerhalt ausgeben.

Weinzierl kann durch Änderungen im Detail Spiele wenden

Was aus einem Außenseiter werden kann, ist gegen Hannover zu sehen. Die erste Halbzeit ist zwar eine der schwächeren. Doch Weinzierl kann durch Änderungen im Detail Spiele wenden. In der Halbzeit weist er seinen rechten Flügel zu mehr Offensive an. In der zweiten Halbzeit setzt Augsburg den Gegner unter enormen Druck. Nach dem Ausgleich kommt der FCA dem Sieg sehr nahe, doch Hannovers Tormann Ron-Robert Zieler verhindert ihn mehrfach.

Augsburg hat einen eigenen Stil. Die Mannschaft sucht zwar den modernen, spielerischen Weg. Aber Weinzierl mischt old-school-hafte Komponenten bei: Wucht, Härte, Schnelligkeit, Größe, Physis, Dynamik. Man sieht Grätschen, Flanken, Kopfbälle, auch mal Manndeckung. Wie kaum eine andere Mannschaft schießt Augsburg aus der Distanz.

Die Elf ist aufeinander abgestimmt, gut ausgewählt. Daniel Baier, einziger 6er und das Zentrum der Augsburger, erobert den Ball und ordnet den Aufbau. Kevin Vogt, der von Weitem aussieht wie eine Mischung aus Marco Reus und Farin Urlaub, findet trotz 1,94 Meter Länge auch auf engem Raum eine Lösung. Der ideenreiche Halil Altintop taucht an Orten mit dem Ball auf, wo ihn keiner vermutet hat. André Hahn, einer der schnellsten Fußballer der Welt, hätte gegen Hannover fast sein elftes Saisontor erzielt.