Um die Situation beim FC Bayern zu verstehen, hilft ein Klassiker der Kinogeschichte. Im Paten, dem Jahrhundertfilm von Francis Ford Coppola, führt Don Corleone, dargestellt von Marlon Brando, einen mächtigen Mafiaclan. Eines Tages wird er vom Feind angeschossen. Innerhalb seiner Familie ist der Don nach wie vor der alte Alleinherrscher. Nach außen büßt der Don durch seine schwere Verletzung an Stärke und Macht ein. Deswegen baut er einen Nachfolger auf, seinen jüngsten Sohn, gespielt von Al Pacino. Er wird die Geschäfte noch kälter, härter, erfolgreicher führen.

Der FC Bayern ist keine Mafia, in München wird auch nicht geschossen. Doch im Prinzip funktioniert der Verein seit Jahrzehnten wie die Corleones. An der Spitze regiert das starke Familienoberhaupt, Uli Hoeneß, der Don. Triple-Sieger, deutscher Rekordmeister, reichster Verein der Welt – er ist sein Werk. Der FC Bayern ist der FC Hoeneß.

Nach außen jedoch hat auch Uli Hoeneß an Macht eingebüßt, auch er ist angeschossen. Er hat mehr als 18 Millionen Euro Steuergeld hinterzogen. Das geht nicht ohne Integritätsverlust. Doch seine Familie, der FC Bayern, steht zu ihm. Die Fans lieben ihn. Die Aufsichtsräte stützen ihn, riskieren gar den Ruf ihrer Unternehmen. Hoeneß ist die Macht.

Uli Hoeneß - Bayern München ist ohne Hoeneß schwer vorstellbar

Das Problem des Uli Hoeneß und des FC Bayern ist, dass der Don vor Gericht steht und an dieser Stelle die Analogie mit dem Film endet: Es ist keiner in Sicht, der Hoeneß ersetzen könnte. Es gibt in München keinen Sohn des Don.

Helmutkohlhafter Machtinstinkt

Seit seinem Antritt 1979 trifft Hoeneß so gut wie immer die richtigen Entscheidungen zum richtigen Zeitpunkt. Und er trifft sie noch immer, obwohl er seit 2009 kein Manager mehr ist, sondern nur Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender.

Hoeneß besitzt ein sehr gutes Gespür dafür, wer in die Mannschaft gehört und wer sie trainieren soll. Ein paar Beispiele der jüngeren Zeit: Pep Guardiola, der begehrteste Trainer der Welt, hat sich von Hoeneß überzeugen lassen. Auf die Idee, den starken Stürmer Mario Mandžukić zu verpflichten, kam Hoeneß. Transfers trifft Hoeneß zwar auch mal in Abstimmung mit anderen, etwa Karl-Heinz Rummenigge oder dem Trainer. Ohne Hoeneß geht aber nichts.

Franck Ribéry holte er vor sieben Jahren für 25 Millionen Euro nach München, das war damals eine noch riskantere Summe als heute. Ribéry wurde zu einem der wichtigsten Einkäufe der Vereinsgeschichte. Auch Mario Gomez holte Hoeneß alleine und verkaufte ihn alleine. Beides ging auf.

Hoeneß hat zudem einen helmutkohlhaften Machtinstinkt. Den eigenwilligen Louis van Gaal wollte er loswerden. Aber weil der holländische Trainer oft gewann, genoss er den Rückhalt der Spieler. Hoeneß wartete, bis die Mannschaft ein paar Mal verlor. Dann kritisierte er van Gaal im Fernsehen heftig. Danach war van Gaal nicht mehr derselbe, seine Entlassung eine Frage der Zeit. Bei Jürgen Klinsmann war es ähnlich. Er war Rummenigges Wunschtrainer, Hoeneß hatte bloß zugestimmt. Als Klinsmann als Trainer scheiterte, entließ ihn: Hoeneß.