Vor gut zwei Jahren verpflichtete der FC Barcelona Takefusa Kubo. Der Transfer des großen Talents wäre nur einer von vielen gewesen, hätte man nicht bei der Altersangabe des japanischen "Messis", wie er genannt wurde, zweimal hinschauen müssen: Kobe war zehn Jahre alt.

Es ist noch unklar, ob Kobe zu den Fällen zählt, die der Fußballweltverband Fifa heranzog, um den FC Barcelona zu bestrafen. Ein Jahr lang dürfen die Katalanen keine Spieler mehr kaufen. Für den FC Barcelona ein Problem, er muss einige ältere Spieler ersetzen.

Auch für Marc-André ter Stegens kann das ein Problem werden, dessen schon als sicher angenommener Wechsel nach Barcelona plötzlich wieder fraglich ist. Und für die Uefa, sehen einige in der Fifa-Entscheidung doch nur eine Retourkutsche der Fifa auf einen frecher werdenden Uefa-Präsidenten Michel Platini

Doch wichtiger ist der Kern des Urteils: Es soll den Handel mit Kindern eindämmen. Dass die Fifa sich den FC Barcelona, den berühmtesten Verein der Welt mit der wohl besten Nachwuchsschmiede herausgepickt hat, ist ein Signal an die Fußballwelt, das man von der Fifa viel zu selten hört. Sie meint es wohl ernst. Und das wurde dringend Zeit.

Es ist ein kaum erträglicher Zustand, dass Minderjährige als Spekulationsobjekte herhalten müssen. Kinder und Jugendliche sind Handelsware, der Brennstoff eines globalen, milliardenschweren Fußballmotors. Viele Talentspäher müssen die Spiele von 12- und 13-Jährigen beobachten und die Jugendlichen schon in diesem Alter unter Vertrag nehmen, weil ihnen sonst die Konkurrenz zuvorkommt. Manchester United verpflichtete kürzlich einen Fünfjährigen.

Für die Clubs ist dieses Geschäft ohne Risiko. Klappt es nicht, kommt der nächste. Entwickelt sich der Spieler wie erhofft, verstärkt er das Team, gewinnt Pokale oder bringt bei Verkauf eine hohe Ablösesumme ein. Auch das Risiko für die Scouts und Berater ist gering. In Asien, Afrika, vor allem in Südamerika gibt es regelrechte Talentfabriken, die nur einen Zweck haben: Jugendliche nach Europa verkaufen.

Die Kinder aber werden aus ihrem Umfeld gerissen. Sie werden verführt vom Traum, ein Star zu sein. Von ihrer Kindheit bleibt nicht mehr viel. Oft stecken ehrgeizige Eltern dahinter, die ihre Kinder auf eigens eingerichteten Homepages oder per selbst zusammengeschnittenen YouTube-Videos anbieten.

Das Problem besteht auch innerhalb Deutschlands. Der Peruaner Pier Larrauri beispielsweise wechselte mit 13 Jahren zum FC Bayern und kehrte nach einem halben Jahr mit viel Heimweh nach Peru zurück. Bis 2007 galt im deutschen Fußball ein Kodex unter den Bundesligisten, sich keine Spieler aus den Leistungszentren abzujagen. Etliche Vereine kündigten die Vereinbarung, weil der Konkurrenzdruck aus dem Ausland zu groß wurde. Seitdem wird wieder transferiert.

Herthas Manager Michael Preetz warf vor einiger Zeit Scouts der TSG Hoffenheim von seinem Trainingsplatz, die einen 14- und 15-Jährigen abgeworben hatten. Als der VfL Wolfsburg vor zwei Jahren dem FC St. Pauli einen 13-Jährigen Mittelfeldspieler wegschnappte, nannte der damalige Wolfsburger Trainer Felix Magath die Aufregung "Heuchelei". Er sagte: "Man muss die Spieler rechtzeitig holen, wenn man sie ausbilden will."

Doch man kann kaum voraussagen, ob ein Teenager Profi wird. Die Liste großer Talente, von denen später nie wieder jemand irgendetwas hörte, ist lang. Das Geschäft mit Kindern ist eine Wette auf die Zukunft. Meistens verlieren die Kinder.