Wie lief das Spiel?

Anders als erwartet, womit die positiven Aspekte dieses Halbfinales aus deutscher Sicht bereits aufgezählt wären. Wider Erwarten aus zwei Gründen: Erstens ließ sich Real nicht von Kulturfanatiker Guardiola einschnüren, stach seinerseits mit hohem Pressing in die bayrische Verlegenheit. Zweitens gestatteten die Bayern Real drei Tore aus Standardsituationen. Ungewöhnlich, zumal Sergio Ramos zweimal entspannt die Aussicht in Bayerns Strafraum genießen konnte, ohne von einem Gegner gestört zu werden. So stierte Pep Guardiola nach der höchsten Heimniederlage der Bayern im Europapokal vor sich hin. Er träumte wohl davon, ein FCB-Futsalteam anzumelden. Bis es soweit ist, hinterfragen Guardiola und seine Mannschaft das bayrische Dogma: Wer san mia?

Ist es ein gerechtes Ergebnis?

Ja. Weil Reals Auftreten an diesem Abend demnächst unter dem Slogan "Auswärts in München" Aufnahme in den Brockhaus finden wird. Die Königlichen spielten sich zu ihrem eigenen Antonym: Im Rückspiel in Dortmund fahrig und planlos, hielten sie bei den Bayern stets die Spur. Die Abwehr hatte nie Schwierigkeiten. Das Mittelfeld überließ man den Bayern, es diente vorrangig dazu, nach Ballgewinn überbrückt zu werden. Beispielhaft dafür war das 0:3: di María, Benzema, Bale, Ronaldo, Tor. Ronaldos Freistoß in der 90. Minute verwandelte das Resultat in das, was Karl-Heinz Rummenigge eine "Packung" nennen durfte.

Wer war der Spieler des Spiels?

Sergio Ramos. Die Nominierung des Real-Verteidigers fällt selbst angesichts seines Künstlerumfelds aus Ronaldo, Bale und Modric leicht. Ramos legitimierte seine Worte (er sprach im Voraus vom "Spiel des Lebens") mit zwei erfolgreichen Kopfbällen, einigen wichtigen Balleroberungen und seinem unverrückbaren Selbstverständnis. Ramos war spielentscheidend, finalwürdig. Exemplarisch das 0:1, als er schnell den freien Raum erkannte und seinen Körper hinter den Ball wuchtete. Nicht erst an diesem Abend zeigte er, dass er nicht nur Defensive kann:

Was war die Szene des Spiels?

Ribérys Watschn gegen Dani Carvajal. A deftge Fotzn. A richtge Tachtel. Aber woher Bayerns Flügelspieler beim Spielstand von 0:3 den Übermut nimmt, Reals Verteidiger zu ohrfeigen, ist sogar für Ribéry selbst unerklärlich. Ein Deutungsversuch: Bayerns Spieler wussten bereits in der 43. Minute, dass es nichts mehr werden wird mit dem Finaleinzug. Kaum verwerflich gegen ein betörendes Real, aber mit einer solchen Unterlegenheit hatte keiner gerechnet beim Titelverteidiger. Die Rekordmeisterschaft 2014 liegt gefühlt Jahre zurück und im Halbfinale der Champions League hatten sie keine Chance. Was bleibt? Das Pokalfinale gegen Borussia Dortmund, den Angstgegner, der beim 0:3 zuletzt in München auftrumpfte. Angesichts dieser Umstände kann einem schon mal die Hand ausrutschen.

Was ist sonst noch wichtig?

Die Lehren, die der HSV aus diesem Spiel zieht. Der Tabellen-16. trifft am nächsten Bundesliga-Spieltag auf die Bayern. Wie viel Lust der Deutsche Meister am Samstag auf Heiko Westermann haben wird, kann man sich denken. Vielleicht haben die HSV-Beobachter ja sogar Lücken in der bayrischen Abwehr offengelegt, die selbst ihr Team zu nutzen im Stande ist. Obwohl man sich derzeit nicht wundern würde, hätte das Hamburger Scouting-Team die 90 Minuten mit der Beobachtung des Presse-Caterings verbracht.

Und die Statistik?

Aufstellungen

Bayern München: Neuer - Lahm, Boateng, Dante, Alaba - Kroos, Schweinsteiger - Robben, Müller (72. Pizarro), Ribéry (72. Götze) - Mandzukic (46. Javi Martínez)
Real Madrid: Casillas - Carvajal, Pepe, Sergio Ramos (75. Varane), Coentrão - Modric, Xabi Alonso, Di María (84. Casemiro) - Bale, Benzema (80. Isco), Cristiano Ronaldo

Tore: 0:1 Ramos (16.), 0:2 Ramos (20.), 0:3 Ronaldo (34.), 0:4 Ronaldo (90.)

Zuschauer: 68.000 (ausverkauft)