Im September 2013 fanden auf Bali, einer indonesischen Insel, hochkarätige Sportwettkämpfe statt: Die Bridgeszene ermittelte ihre Team-Weltmeister bei tropischen Temperaturen. Die Klimaanlage im Spielsaal lief auf Hochtouren und die Spieler hatten mit dem Temperaturwechsel zu kämpfen, sie husteten und niesten. Im Finale der Senioren spielte Deutschland gegen das Team USA 2. Dieses Match bewegt noch heute, Monate nach dessen sportlichem Ende, die Gemüter.

Beim Bridgespiel ist der Austausch von Informationen während bestimmter Spielphasen legal. Das passiert innerhalb von Regeln und dafür vorgesehenen und den Gegnern bekannten Absprachen. Codes wiederum liefern geheime Informationen an Empfänger. Die Amerikaner hatten zwei deutsche Spieler im Verdacht, sich illegaler Codes zu bedienen: durch Husten.

Den Husten-Code sollen zwei deutsche Ärzte eingesetzt haben. In der Bridgewelt sind die beiden als die deutsche Doktoren bekannt: Entscho Wladow (71) ist ein angesehener Gynäkologe und Anästhesist und war bis 2011 noch im Job aktiv. Michael Elinescu (61) ist als praktischer Arzt in Ratingen tätig und Ehrenpräsident des dortigen Bridgeclubs. Die beiden Doktoren stammen ursprünglich aus Bulgarien und Rumänien. Elinescu lebt seit 1979 in Deutschland und erlernte das Spiel ursprünglich durch Literaturstudium. Wladow ist der Praktiker des Duos, er spielte bereits mit acht Jahren eine Vorform des Bridgespiels mit Studenten. 1973 spielte er nach eigener Auskunft erstmals im Alster Bridge Club Hamburg modernes Bridge, mit der "hübschen Jaqueline". Die Doktoren können eine beeindruckende Sammlung von Erfolgen vorweisen.

Auf Bali wollte das amerikanische Team im finalen Wettkampf das Spiel der deutschen Doktoren per Video überwachen lassen, um eine Art Videobeweis zu haben. Der italienische Turnierleiter Mauricio di Sacco lehnte das zunächst ab. Aber nachdem ihm nach der Hälfte des Wettkampfes ein amerikanischer Spieler seine privaten Aufzeichnungen zur Verfügung stellte, änderte di Sacco seine Entscheidung und ordnete die Aufnahme des Wettkampfes an. Vier Videos sind inzwischen auf YouTube gelandet. Die Deutschen sitzen dabei auf Nord/Süd.

Um sich abzusichern, beauftragte der Turnierleiter seinen Landsmann Manolo Eminenti, einen ausgezeichneten Mathematiker und Bridgespieler, als Überwacher des Geschehens. Der sollte den vermuteten Code entschlüsseln, überprüfen und bestätigen. Eminenti entdeckte, wie er später einer Disziplinarkommission des Weltbridgeverbands (WBF) mitteilte, tatsächlich ein Muster hinter dem Husten der deutschen Spieler. Wie der Husten-Code genau funktioniert, ist der Öffentlichkeit noch nicht restlos bekannt: die Häufigkeit und die Spielphase, in der gehustet wird, spielen jedenfalls eine wichtige Rolle dabei.