Schon Stunden vor dem Anpfiff sind die Straßenbahnen zum Stadion so voll wie die meisten ihrer Passagiere. Am alten Militärring, einen Halt vor der Spielstätte des 1. FC Köln, steigen sie in Scharen aus. Sie belagern die dortige Kreuzung, in Trauben stehen sie vor den zahlreichen Kneipen und Buden. "Nie mehr Zweite Liga", schallt es aus allen Richtungen über den sechsspurigen Asphalt. Taktvolle Unterstützung erhalten sie dann von den Hupen vorbeifahrender Autos, aus deren Fenstern rot-weiße Fahnen und Schals flattern.

An diesem Ostermontag ist der Feiertag in Köln ein doppelter. Am Abend will der 1. FC nach zweijähriger Abstinenz seine Rückkehr in die Spitzenklasse feiern, den Aufstieg in eine bessere Welt. Alles, was es dafür braucht, ist ein Sieg gegen den VfL Bochum. Auch bei einem Unentschieden oder einer Niederlage würde der FC am Ende der Saison erstklassig sein, daran gibt es keinen Zweifel. Zu groß ist der Vorsprung des Tabellenführers auf die Konkurrenz. Nur wäre es viel schöner, den Aufstieg zu Hause unter Flutlicht zu feiern, als eine Woche später im fußballprovinziellen Ingolstadt.

So kommt es, dass die gesamte Stadt auf das Spiel und die Sause hinzufiebern scheint. Das Zentrum trägt schon am Mittag rot-weiß. Mit wem man auch ins Gespräch kommt, was man weit und breit singen hört, mit einer Aufstiegssause nach dem Abpfiff rechnet hier jeder.

Schon häufig mal die Party versaut

Nicht nur, aber vor allem in Köln ist dieses Spiel mit der Euphorie ein gefährliches. Die gute Laune, die das Umfeld einfordert, konnte der FC in den vergangenen Jahren nur selten bieten. Die große Erwartungshaltung, dass er endlich wieder an die Erfolge früherer Zeiten anknüpft, lastete immer wieder auf ihm und tat sein Übriges. Häufig wurde der Clubs so hoch gejubelt, dass er umso tiefer gefallen ist: Wenn es richtig schön werden sollte, wurde es häufig eher das Gegenteil.

Da scheint es symptomatisch, dass in den vergangenen Tagen nicht etwa die Frage, wie das Spiel gewonnen werden könnte, die Kölner Presse und Fanforen dominierte, sondern vielmehr, wie der Sieg bloß gefeiert werden würde. Seitens des Clubs hieß es zunächst, man wünsche sich einen gesitteten Platzsturm. Jene archaische Attacke des Publikums auf den Rasen nach ganz großen Siegen, die auch die Modernisierung des Fußballs seltsamerweise überlebt hat.

Etwas später ist es den Offiziellen wohl doch noch ein wenig mulmig geworden und so korrigierten sie am Donnerstag ihre Aussage: Ein Platzsturm werde verboten, zur Sicherheit ließ man sogar zusätzliche Zäune an die Tribünen montieren, die die Zuschauer vom Betreten des Spielfeldes abhalten sollten. Gründe dafür gab es reichlich: Der DFB beobachtet das Verhalten der FC-Anhänger nach diversen Vorfällen sehr genau. Und schließlich spielen in den kommenden Wochen noch St. Pauli und Xavier Naidoo im Stadion. Ein zerstörter und zertrampelter Rasen ist da nicht so gut und das Verlegen eines neuen kostet einige Hunderttausend Euro.

Dass die Diskussionen um die Feierlichkeiten aber möglicherweise verfrüht waren, zeigen die Gäste aus Bochum. Kurz vor der Halbzeit gehen sie in Führung. Im Stadion ist mal wieder die Sorge zu vernehmen, dass sich der 1. FC Köln die eigene Party vermiest. Doch in der Folge reißen die Kölner das Spiel an sich, zeigen Charakter und Entschlossenheit, ihre Überlegenheit erarbeiten sie sich gemeinsam mit dem Publikum. Wie das gesamte Stadion nun in den entscheidenden Situationen aus einer Kehle brüllt, wie die Menschen allerorten aufspringen, hüpfen, mit ihren Schals wedeln, treibt dem geneigten Stadiongänger Tränen der Rührung in die Augen. Schon bald darauf trifft Patrick Helmes zur Kölner Führung. Als kurz vor Schluss auch noch das 3:1 und damit die Entscheidung fällt, marschiert wie auf Kommando eine Brigade, ach was, eine textmarkerfarbene Armee von Ordnungskräften aus allen vier Ecken ins Stadion, um die Tribünen abzusichern.