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Auch für Herbert Hainer war der Pokalsieg der Bayern ein Sieg. Der Adidas-Chef ist an die Spitze im Aufsichtsrat des wichtigsten deutschen Fußballvereins aufgerückt, seit Uli Hoeneß im März wegen Steuerbetrugs zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt wurde und als Bayern-Chef zurücktrat.

Es ist auch ein Sieg für Adidas, den Ausrüster der Mannschaft und Anteilseigner der FC Bayern München AG. Immer wenn Bayern gewinnt, verkauft Adidas mehr Schuhe, Trikots und Shirts. Jede Schale, jeder Pott für die Münchner erhöht den Umsatz in Herzogenaurach.

Adidas ist einer der führenden Sportausrüster, die Marke mit den drei Streifen ist auf der ganzen Welt bekannt. Adidas ist aber viel mehr als ein Sportausrüster. Adidas ist eine Macht im Sport, eine Macht im deutschen Fußball. Seit Jahrzehnten beeinflusst das Unternehmen sportpolitische Entscheidungen wie Vermarktungsverträge, Turniervergaben und Personalien. Die Methoden des Unternehmens sind umstritten.

Und das nicht erst seit gestern. Die Geschichte des Unternehmens ist mit dem Namen Horst Dassler verknüpft, dem Sohn des Adidas-Gründers Adi Dassler. Als noch niemand von Testimonials sprach, verschenkte er bei Olympia 1956 Schuhe an Athleten. Rund 70 gewannen darin Gold. Eine tolle Werbung für Adidas.

Für die einen ist Horst Dassler ein Visionär, weil er als Erster das Potenzial des Milliardengeschäfts Sport erkannte. Für die anderen ist er der Erfinder der modernen Sportkorruption.

Der Weltsport wird von Dassleristen regiert

Legendär sind die Umschläge, die Dassler bei Olympia 1968 in Umkleidekabinen verteilte. Um seine Schuhe zu tragen, verlangten die Sportler mittlerweile eine Bezahlung, auch weil der Konkurrent Puma auf dieselbe Tour mitmischte. Effizienter wurde Horst Dassler, als er Mannschaften, Offizielle, ganze Verbände für sich gewann. Oft mit Bargeld, meist in Hinterzimmern. Der unscheinbare Dassler galt als der Boss des Weltsports. Er kaufte die "korrupte Schickeria des Sports", schreibt der Autor Thomas Kistner in seinem Buch Fifa Mafia, der Dassler ein ganzes Kapitel widmet.

Dassler betrieb Sportspionage. Ein Team von Mitarbeitern und Lobbyisten legte für ihn Karteien von Funktionären und wichtigen Entscheidern an, darin notiert waren deren Vorlieben und Abneigungen. Es ging um Geld und Frauen. Historiker sprechen von der "Turnschuh-CIA".   

Mitte der achtziger Jahre gründete Dassler mit einem Kompagnon die Briefkastenfirma ISL. Sie wurde dazu genutzt, Funktionäre der Fifa, des IOC und anderer Verbände zu schmieren. Männer mit schweren Geldkoffern reisten um die Welt, bis die ISL pleite ging. Wie ein Gericht 2008 feststellte (PDF), flossen von 1989 bis 2001 insgesamt umgerechnet 115 Millionen Euro an die Mächtigen des Sports.

Zur osteuropäischen Politelite hielt Dassler beste Kontakte. Erich Honecker unterschrieb einen "Totalvertrag" mit Adidas und ließ DDR-Athleten in der Marke des Klassenfeinds antreten. Dassler wurde dennoch von der Stasi beobachtet. "Im Sport geht nichts ohne diesen Konzern, meiner Ansicht nach wird vieles getan, was diese Gruppe will", notierte ein Inoffizieller Mitarbeiter in den siebziger Jahren achtungsvoll – nachzulesen in Barbara Smits Buch Drei Streifen gegen Puma.

Dasslers Motto war: Wer Informationen hat, kann andere erpressen, sie lenken. Wer nicht mitmachte, wurde ersetzt. 1974 half er João Havelange auf den Fifa-Thron, dessen Konkurrent Stanley Rous war kein Verbündeter. 1980 machte Dassler José Samaranch zum IOC-Präsidenten, kurz darauf Sepp Blatter zum Fifa-Generalsekretär. "Blatter sah zu Dassler auf wie zu einem Gott, weil er wusste, dass er ohne Dassler keine Chance hatte, den Job bei der Fifa zu bekommen", lässt sich André Guelfi, ein damaliger Partner Dasslers, zitieren. Blatter sei eine Marionette gewesen. Auch der aktuelle IOC-Präsident Thomas Bach arbeitete unter Dassler. Der Weltsport wird von Dassleristen regiert.