Abschaffen - Relegation ist eine Idee der Besitzstandswahrer

Dass es bis dahin das dritte 0:0 der Fußballwoche war, dafür konnten der Hamburger SV und Greuther Fürth nichts. Ebenso wenig wie die DFL, die sich die Relegationsspiele ausgedacht hat. Doch dieses Spiel zweier Teams, bei dem man eingenickt wäre, wäre es nicht um so viel gegangen, und vor allem sein Ergebnis schreien es laut heraus: Die Relegation ist unnötig. Schafft sie  bitte wieder ab!

Die zusätzlichen Spiele sind eine Idee der Besitzstandswahrer, ein beinahe elitäres Repressionsmittel. Eine Idee der Großen, um die Kleinen kleinzuhalten, um noch einmal eine letzte Chance zu bekommen, die eigentlich nicht verdient ist. Bis vor fünf Jahren wäre der Hamburger SV direkt abgestiegen, so wie es nach dieser Graupensaison auch angemessen gewesen wäre. Nun geht er in die Verlängerung. Fraglich, ob er sich und seinen Fans damit einen Gefallen tut. Besser ein Ende mit Schrecken.

Die Spiele sind auch sportlich fragwürdig. Fußball ist bis zu einem gewissen Grad Zufallssport, Kleinigkeiten entschieden. In nur zwei Spielen schlagen diese mehr durch als über die 34 Spiele einer kompletten Saison verteilt. Die Gefahr ist groß, dass nicht die bessere Mannschaft gewinnt, sondern die glücklichere. Ein recht hoher Einsatz, wenn es um Auf- und Abstieg, ja manchmal gar die viel beschworenen Existenzen geht.

Es steht zu viel auf dem Spiel. Vor zwei Jahren nach den Vorfällen in Düsseldorf und in Karlsruhe forderte die Polizei gar, die Relegation abzuschaffen. Das Risiko sei zu groß, weil bei den Fans zu viele Emotionen im Spiel seien.

Warum diese Partien eingeführt wurden? Sie bringen Geld. Sie sind ein Geschäft für die TV-Sender, Sponsoren, die DFL und die Vereine selbst. Doch was kommt als nächstes: Bundesliga-Playoffs wie im US-Sport? Ein Final Four? Ein Meisterschaftsfinale? Irgendwann ist auch mal gut.

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Relegationsspiele sind etwas Besonderes

Beibehalten: So sollte Fußballstimmung immer sein

Die Bundesliga hat 2009 die Relegation wieder eingeführt und die Starken geschützt. Denn die Zweite Liga hat, mathematisch, einen halben Aufstiegsplatz verloren. An diesem Argument Christian Spillers ist was dran. Ebenso an dem, dass sich der HSV den Abstieg gründlichst verdient hat.

Aber das spricht noch nicht gegen Relegations-, also Entscheidungsspiele. Die sollte die Liga beibehalten. Es sind Finals. Da geht es um alles oder nichts, da weiß man nach Abpfiff sofort, was Sache ist. Entsprechend ist die Atmosphäre.

Die Stimmung in Hamburg war lange nicht mehr so mitreißend wie bei dem sportlich dürftigen 0:0 am Donnerstag. Die Fans auf den Stehplätzen sangen laut und lauter, die Fans auf den Sitzplätzen schrien stehend ihre Elf nach vorne, jede halbwegs gelungene Aktion bejubelten sie, Gegner und Schiedsrichter bekamen Pfiffe. Sogar nach dem Abpfiff machten die HSV-Fans weiter. So sollte Fußballstimmung immer sein, so ist sie in Deutschland viel zu selten. Beim Rückspiel wird das ähnlich sein, selbst im kleinen Fürther Stadion.

An die erfolgreichen Relegationsspiele in Nürnberg (2009) und Düsseldorf (2012) werden sich die Leute ihr Leben lang erinnern. Entscheidungsspiele sind auch im Amateurfußball etwas Besonderes. In solchen Spielen erhält man viel mehr Aufmerksamkeit als sonst, da schaut die ganze Liga zu. Das sage ich aus Erfahrung.

Um noch mal auf die Gerechtigkeitsfrage zurückzukommen – die Zahl der Ab- und Aufsteiger ist ohnehin ein Akt der Willkür. Wer sagt eigentlich, dass 3 die natürlich gerechte Zahl ist? Bloß, weil das lange so war? Sind 4 gerechter? Sind 5 am gerechtesten?

Wie wär's stattdessen mit, mathematisch, 3,5. Also einer Relegation zwischen dem Fünfzehnten der Bundesliga und dem Vierten der Zweiten Liga? Den Kleinen wäre gedient und die Spannung einer Relegation gäbe es auch. Die Spannung, die der Fürther Mergim Mavrai nach dem Hinspiel so beschrieb: "Ich habe noch nie Champions League gespielt, aber viel geiler kann das nicht sein."

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