Beibehalten: So sollte Fußballstimmung immer sein

Die Bundesliga hat 2009 die Relegation wieder eingeführt und die Starken geschützt. Denn die Zweite Liga hat, mathematisch, einen halben Aufstiegsplatz verloren. An diesem Argument Christian Spillers ist was dran. Ebenso an dem, dass sich der HSV den Abstieg gründlichst verdient hat.

Aber das spricht noch nicht gegen Relegations-, also Entscheidungsspiele. Die sollte die Liga beibehalten. Es sind Finals. Da geht es um alles oder nichts, da weiß man nach Abpfiff sofort, was Sache ist. Entsprechend ist die Atmosphäre.

Die Stimmung in Hamburg war lange nicht mehr so mitreißend wie bei dem sportlich dürftigen 0:0 am Donnerstag. Die Fans auf den Stehplätzen sangen laut und lauter, die Fans auf den Sitzplätzen schrien stehend ihre Elf nach vorne, jede halbwegs gelungene Aktion bejubelten sie, Gegner und Schiedsrichter bekamen Pfiffe. Sogar nach dem Abpfiff machten die HSV-Fans weiter. So sollte Fußballstimmung immer sein, so ist sie in Deutschland viel zu selten. Beim Rückspiel wird das ähnlich sein, selbst im kleinen Fürther Stadion.

An die erfolgreichen Relegationsspiele in Nürnberg (2009) und Düsseldorf (2012) werden sich die Leute ihr Leben lang erinnern. Entscheidungsspiele sind auch im Amateurfußball etwas Besonderes. In solchen Spielen erhält man viel mehr Aufmerksamkeit als sonst, da schaut die ganze Liga zu. Das sage ich aus Erfahrung.

Um noch mal auf die Gerechtigkeitsfrage zurückzukommen – die Zahl der Ab- und Aufsteiger ist ohnehin ein Akt der Willkür. Wer sagt eigentlich, dass 3 die natürlich gerechte Zahl ist? Bloß, weil das lange so war? Sind 4 gerechter? Sind 5 am gerechtesten?

Wie wär's stattdessen mit, mathematisch, 3,5. Also einer Relegation zwischen dem Fünfzehnten der Bundesliga und dem Vierten der Zweiten Liga? Den Kleinen wäre gedient und die Spannung einer Relegation gäbe es auch. Die Spannung, die der Fürther Mergim Mavrai nach dem Hinspiel so beschrieb: "Ich habe noch nie Champions League gespielt, aber viel geiler kann das nicht sein."

Lesen Sie auf der ersten Seite die Gegenmeinung von Christian Spiller!