Florian Meyer äußerte sich nach dem Spiel auch. Er habe nicht zweifelsfrei erkennen können, ob der Ball die Torlinie vollständig überschritten habe, sagte der Schiedsrichter. Hilflose Sätze nach einer Szene, die das DFB-Pokalfinale entschieden haben könnte, Bayern gegen Dortmund, das größte Spiel, das es derzeit im deutschen Fußball gibt.

Man kann das Florian Meyer gar nicht vorwerfen. Auch wenn die Dortmunder in Person von Jürgen Klopp ("Ich hab zwar eine Brille, aber die hätte ich echt nicht nötig gehabt, um das zu sehen") oder Mats Hummels ("Wie kann man das nicht sehen?") anderer Meinung waren. Doch ob der Kopfball von Hummels, der die Dortmunder Führung bedeutet hätte, nun von Bayerns Verteidiger Dante hinter der Torlinie geklärt wurde oder nicht, das erkannte man selbst in der x-ten Zeitlupe nicht eindeutig. Man ahnte zwar, dass der Ball drin war, für ein klares Votum, reichte es aber nicht. Erst Standbilder, die sich dann über Twitter verbreiteten, legten nahe: Der Ball war im Tor. Nur hat der Schiedsrichter diese Bilder nicht.

Vor wenigen Monaten haben die Bundesliga-Clubs entschieden, ihre Schiedsrichter künstlich dumm zu halten. Die DFL lehnte den Einsatz technischer Hilfsmittel ab. Was der englische Fußballverband und der wahrlich nicht als progressiv bekannte Fußballweltverband Fifa als Selbstverständlichkeit erachten, ist der DFL scheinbar nicht so wichtig. Zu teuer, zu unzuverlässig, hieß es und außerdem hätten strittige Entscheidungen ja auch ihren Reiz. Nicht einmal zusätzliche Torrichter gibt es. Jenes zweite Augenpaar auf jeder Seite, das es etwa bei Champions-League-Spielen gibt und so zumindest die Chance erhöht, die entscheidenden Fragen des Fußballs zu klären: Tor oder nicht?

Das führt dazu, dass die deutschen Schiedsrichter, die eigentlich Herren über das Spiel sein sollen, manchmal die einzigen sind, die nicht Bescheid wissen. Die noch ahnungslos über das Feld hetzen und versuchen ihren Job zu machen, während das Urteil über sie schon längst gesprochen ist. Sie bekommen es immer noch ab, obwohl sie schon seit Jahren technische Hilfe fordern. In dieser Konstellation sind die Unparteiischen, ohne die das Spiel nicht funktionieren würde, automatisch die Sündenböcke. Wie grotesk!

Die Schiris sollten sich das nicht mehr gefallen lassen. Sie sollten ein Zeichen setzen. Sie sollten streiken oder einfach ein Spiel lang mal nichts nicht pfeifen oder nach jedem vermeintlichen Foul mit dem jeweiligen TV-Kommentator telefonieren und fragen, ob das denn nun ein Foul war oder nicht. Sei es noch so abstrus, sie sollten auf jeden Fall irgendwas unternehmen. Es sei denn, die Schiedsrichter wollen für immer die Deppen des Fußballs bleiben.