Bullen, das sind männliche Rinder, Polizisten, risikofreudige Börsenmakler und die Fußballer von RB Leipzig. Die Roten Bullen, wie sie sich selbst nennen, haben kürzlich den Aufstieg in die Zweite Liga mit reichlich Zuckerwasser begossen. Eine Marketingabteilung aus Profikickern, im Namen der Dose.

So gehe das nicht mit der Lizenz, sagte die DFL, eine Art Polizei des Fußballs: Das RB-Logo müsse geändert werden, es erinnert zu sehr an das auf der Getränkedose. Die Mitgliederstruktur des Vereins gehöre auch neu. Bislang wurde nur Mitglied, wer 800 Euro Jahresbeitrag übrig hatte, was offenbar nur auf Vertraute des Bullen-Papstes Dietrich Mateschitz zutraf. RB willigte ein und stellte als ersten Schritt nun ein neues Logo vor. Die Designer haben beste Arbeit geleistet: Es ist kaum wiederzuerkennen.

Der Ball ist viel draller, zwei Buchstaben wurden wild durcheinandergewürfelt. Die Sonne, dieser große gelbe Klecks, ist gar komplett verschwunden. Die Sonne! Es gibt wohl kaum einen härteren Eingriff auf Erden.

Wer jetzt noch mit den aufeinanderzustürzenden Bullen argumentiert, eine der wenigen Kleinigkeiten, die sich auf den ersten, flüchtigen Blick nicht geändert haben, darf sich fragen lassen: Welche Bullen? Vielleicht sollten all die Kleingeister mal an der Dose nippen. Irgendwann werden sie erkennen: Das sind Kühe.

Sicher wird RB Leipzig auch die anderen Auflagen der DFL gewissenhaft erfüllen. Trotz der Gefahr finanzieller Verluste wird es den Jahresbeitrag auf 798 Euro senken. Der Verein wird sich auch für externe Mitglieder öffnen, für Nicht-Mateschitz-Vertraute, gar für Nicht-Österreicher. Damit könnten die Rasenballer zwar durch Fußball-Sozialisten wie Dietmar Hopp oder Martin Kind unterwandert werden, aber diese Kröte ist RB bereit zu schlucken. Schließlich geht es um die Integrität des Fußballs. Großes Energydrinkehrenwort.

Es wäre nur konsequent, wenn die Leipziger von der DFL fordern würden, nun auch all jene Vereine zu bestrafen, die die große 50+1-Regel der Bundesliga nicht so Ernst nehmen wie sie. RB könnte knallharte Auflagen fordern, ähnlich derer, die sie selbst erfüllen müssen. Vorschläge: Beim VfL Wolfsburg müssen künftig die Platzwarte japanische Autos fahren. Leverkusens Rudi Völler darf bei einer Erkältung keine Aspirin mehr schlucken. Und Dietmar Hopp verpflichtet sich, jedes Hoffenheim-Heimspiel auf der Tribüne neben Tim Wiese anzuschauen.

RB Leipzig positioniert sich so als Vorreiter gegen die Kommerzialisierung des Fußballs. Nur weil die Söchsen (österreichische Sachsen) so konsequent mitziehen, können sie verhindern, dass der Albtraum aller Fußballfans wahr wird: Dass in der Bundesliga irgendwann einmal das Geld bestimmt.