Der schnellste Deutsche ist besorgt. "Ich habe diesen Wettbewerb geliebt", schrieb Julian Reus auf Twitter. Wie die meisten, die zu Schulzeiten teilgenommen haben an Jugend trainiert für Olympia – mit der gleichen Leidenschaft, wenn auch nicht so erfolgreich wie der deutsche Meister über 100 Meter. Mit der Erfurter Sportschule gewann Reus den Bundesausscheid ab 2003 dreimal in Serie. Heute sagt er, dass es schade wäre, wenn nachfolgenden Generationen dieser Wettbewerb verwehrt bleibt. Deswegen teilte er auch die Onlinepetition, die sich an das Bundesministerium des Inneren richtet. 

Reus' Sorge und die Petition haben einen Grund: Das Ministerium kürzt dem Schulsportwettbewerb die Mittel. Im kommenden Jahr halbiert es seinen Zuschuss, im übernächsten streicht es ihn ganz. Die Kosten für die Finalwoche in Berlin belaufen sich laut Angaben der Organisatoren auf 1,4 Millionen Euro. Fehlen erst 350.000 und später gar 700.000 Euro von Ministeriumsseite, ist das Finale von "Jugend trainiert" gefährdet. Das diesjährige Anfang Mai könnte das letzte dieser Art und Größe gewesen sein.

800.000 Schüler nahmen zuletzt an Jugend trainiert teil. Welche Schule es in einer von neunzehn Disziplinen durch Stadt-, Kreis-, Bezirks- und Landesfinals schafft, darf nach Berlin, zu einer von jährlich zwei Finalveranstaltungen auf Bundesebene. Jugend trainiert und sein Partnerprogramm Jugend trainiert für Paralympics sind eine seit 1969 einmalige Reihe. Der internationale Sport neidet sie Deutschland. Es ist der weltweit größte Schulsportwettbewerb.

Dabei liegt genau dort das Problem: "Das ist ein Schulsportwettbewerb und damit eine reine Länderveranstaltung", sagte der Sport-Abteilungsleiter des BMI, Gerhard Böhm, dem Tagesspiegel. Den Bund interessiert der Spitzensport, um den Breitensport sollen sich die Länder kümmern. Die aber geben sich trotzig. Sie organisieren und finanzieren den Wettbewerb bis zum Landesentscheid. Der Bund soll für das Bundesfinale Sorge tragen.

Die Diskussion um Jugend trainiert ist nur eine Facette im politischen Dauerstreit um die Finanzierung des deutschen Sports. Die Sonntagsansprachen versprechen, wie wichtig der Sport ist. Wenn es ans Zahlen geht, sieht das ganz anders aus. So kann die Weigerung des Bundes, den Wettbewerb weiter zu unterstützen, als Reaktion auf die stockende Finanzierung des nationalen Anti-Doping-Programms verstanden werden. Daran wollten sich die Länder ursprünglich beteiligen, das ist bis heute nicht geschehen.

Bliebe die Unterstützung für die Bundesfinals seitens des BMI aus, könnten die Länder wiederum eine Diskussion um die Finanzierung der 41 deutschen Eliteschulen des Sports anstoßen. Die Ausbildung des Sprinters Reus beispielsweise ist zu großen Teilen länderfinanziert. Bei Wettkämpfen aber startet er für Deutschland oder als Individualathlet, nicht aber für Thüringen. Die Summen, die in bei einer Intervention der Länder in diesen Fragen auf das Bundesministerium zukämen, liegen weit über den 700.000 € für "Jugend trainiert".