Dominik Stroh-Engel ist der erfolgreichste Torschütze im deutschen Profifußball 2013/14. Für Darmstadt 98 schoss er in der abgelaufenen Saison 28 Tore, der Club stieg in einer dramatischen Relegation gegen Arminia Bielefeld in die Zweite Liga auf. Unser Autor hat ihn vor mehr als zehn Jahren in der D- und B-Jugend beim RSV Büblingshausen trainiert.

ZEIT ONLINE: Aufstieg in die Zweite Liga, dazu 28 Tore, Drittligarekord. Glückwunsch, Dodo!

Dominik Stroh-Engel: Danke, Ex-Coach. Dieses Jahr lief es. Ich konnte machen, was ich wollte. Der Ball war immer drin, fast zumindest. So viele Tore in einer Saison habe ich zuletzt in der Jugend geschossen.

ZEIT ONLINE: Was macht es mit einem Fußballer, wenn er ein Tor erzielt?

Stroh-Engel: Es beflügelt mich. Es ist, als würden meine Lungen mit frischer Luft gefüllt.

ZEIT ONLINE: Es gibt Spieler, die schalten nach einem Tor zurück. Vielleicht weil sie ihr Tagwerk für getan halten, vielleicht weil sie ihm in Gedanken noch nachhängen.

Stroh-Engel: Bei mir ist das anders. Ich will noch eins, noch eins, noch eins. Als Kind bin ich auf den Sportplatz gegangen, und wenn keiner da war, hab ich allein aufs Tor geschossen. Immer wieder.

ZEIT ONLINE: Was zeichnet einen Stürmer aus?

Stroh-Engel: Es ist eine besondere Position. Man muss vollenden, was andere in die Wege leiten. Das ist psychisch anstrengend. Keine andere Position im Fußball verträgt sich mit Zweifel so wenig wie der Stürmer. Keine andere Position braucht so viel Vertrauen, vom Trainer, der Mannschaft. Ich erlebe jetzt gute Zeiten, aber ich kenne auch Flauten und Zeiten des Grübelns.

ZEIT ONLINE: Manche Trainer spielen lieber ohne klassischen Stürmer, etwa Pep Guardiola. Auch Joachim Löw schätzt die Idee von der "falschen 9".

Stroh-Engel: Das kann ein guter Plan A sein, mit kleinen Spielern kombiniert man sich durch bis vor das Tor. Aber in vielen Spielen bleibt man kurz vorm Ziel hängen. Dann bleibt von der falschen 9 nichts als Schönspielerei. Davon halte ich nichts. Ich schätze den Sturmlauf und ich achte die Brechstange.

ZEIT ONLINE: Ist der Stürmer vom Aussterben bedroht?

Stroh-Engel: Nein, Stürmer wird man immer brauchen. Wir entscheiden Spiele.

ZEIT ONLINE: Im WM-Kader sind nur zwei nominelle Stürmer. Ein Problem?

Stroh-Engel: Deutschland hat Miroslav Klose, okay, aber er wird 36 Jahre alt sein. Ohne Stürmer könnte es schwer werden in Brasilien. Es wird Situationen geben, wo nur die Flanke hilft. Man hat es doch beim Champions-League-Finale wieder gesehen: Wenn nichts mehr geht, kommt eine Ecke.

ZEIT ONLINE: Was war dein schönstes Tor in dieser Saison?

Stroh-Engel: Das 0:2 in Unterhaching. Eine Flachpass von rechts, ich nehme ihn als Drop-Kick, der Ball landet unter der Latte und springt von der Linie unters Tordach. Danach Arme hoch!

ZEIT ONLINE: Und die anderen Tore?

Stroh-Engel: Sechs mit dem Kopf, manche mit links, die meisten mit rechts, sieben Elfmeter, viele mit dem ersten Kontakt, direkt, volley. Es waren auch Abstauber dabei. Was gibt’s denn Schöneres als Abstauber? Mit einer Ausnahme, dem Tor in Bielefeld, fielen alle im Strafraum, manche im Fünfer. Im Strafraum fühle ich mich wohl. In den Strafraum gehöre ich.