Am 12. Juni geht's los, 32 Mannschaften spielen in Brasilien um den Titel des Fußball-Weltmeisters. Für jedes Team hat ein Redakteur oder Autor von ZEIT ONLINE oder der ZEIT die Patenschaft übernommen. Vor dem WM-Beginn haben sie "ihre Jungs" porträtiert. Die Vorstellungen der Gruppe A, Gruppe B, Gruppe C, Gruppe D und Gruppe E sind bereits erschienen, lesen Sie hier über Argentinien, Bosnien und Herzegowina, den Iran und Nigeria.

Argentinien

Ich habe lange darüber nachgedacht, wie ich möglichst schlüssig begründen kann, warum die argentinische Fußballnationalmannschaft die WM 2014 gewinnen soll/muss/wird.

Klar, der Weltklassesturm – Messi, Agüero, Higuaín – wäre ein Argument. Carlos Tevez wäre ein weiteres gewesen, aber Trainer Alejandro Sabella hat es vorgezogen, ihn nicht aufzustellen – was nicht nur eine Menge Argentinier bedauert, sondern auch ich. Tevez erinnert mich entfernt an einen Freund aus Buenos Aires, der mir mal ein Trikot von Boca Juniors geschenkt hat. Außerdem hat Argentinien während der WM-Qualifikation nach einigen Startschwierigkeiten eine Serie von 14 Spielen ohne Niederlage serviert. Ha. Lauter gute Argumente.

Nachdem ich von Fußball nicht übermäßig viel verstehe, sondern – wie es sich für Paten gehört – vor allem mit dem Herz bei der Sache bin, habe ich mich im Internet umgesehen, um zu schauen, wie andere Leute ihre Favoritenwahl begründen. Das überraschende Ergebnis meiner Recherche lautet: gar nicht. Bei kicker.de erklärt zum Beispiel Ex-Fußballprofi Stefan Kuntz: "Weltmeister wird Deutschland. Weil wir dran sind, wieder einmal ein großes Turnier zu gewinnen." Na, wenn das so ist. 

Argentinien wird Fußballweltmeister 2014, weil die Argentinier ja wohl mal viel dranner sind, wieder ein großes Turnier zu gewinnen. Weil Argentinien vier Jahre länger nicht mehr Fußballweltmeister war als Deutschland. Noch länger waren zwar Uruguay und England nicht Fußballweltmeister. Aber Argentinien hat inzwischen neben der Hand Gottes auch noch den Stellvertreter von seinem Sohn auf der eigenen Seite. Und Uruguay traut sich nach 1950 bestimmt sowieso nicht, noch mal eine WM in Brasilien zu gewinnen. Insofern ist die Sache eigentlich klar. 

Warum wird Argentinien Weltmeister?
Weil wir Papst sind.

Warum nicht?
Weil es für Brasilien sehr, sehr bitter wäre, wenn ausgerechnet der alte Erzfeind die WM im eigenen Land gewinnt.

Wer ist der geheime Star des Teams?
Diego Maradona, der hoffentlich wieder von der Tribüne aus mitspielt.