Die Frage ist, ob man einen Mann ernst nehmen kann, der solche Sätze sagt: "Wir sollten uns fragen, ob unser Spiel eines Tages auf einem anderen Planeten gespielt wird. Warum nicht? Wir hätten dann nicht nur eine Weltmeisterschaft, sondern interplanetare Wettbewerbe. Warum nicht?"

Die Antwort: Man kann es nicht, muss es aber.

Die Sätze stammen von Sepp Blatter, der den Fifa-Kongress in São Paulo wieder einmal zur großen Blatter-Show machte. Einen Tag vor Beginn der Fußball-WM, in einer Zeit, in der der Ruf der Fifa schlechter kaum sein könnte, scharte er seine Getreuen um sich. Er zeigte es seinen Kritikern, besonders den europäischen. "Meine Mission ist noch nicht beendet", sagte er und bekam dafür den Applaus der meisten Delegierten. Blatter will noch eine Amtszeit, die fünfte, im nächsten Jahr wird er erneut als Fifa-Präsident kandidieren. Das gilt nach diesem Tag als sicher, obwohl er vor seiner Wahl im Jahr 2011 seine letzte Amtszeit ankündigte.

Das System Blatter funktioniert noch

Dieser 64. Fifa-Kongress war eine gespenstische Veranstaltung. In der riesigen Halle, in der die Flaggen aller teilnehmenden Nationen am Rande aufgereiht waren, spielte die Fifa ungerührt die Karte des Weltverbesserers Fußball. In bunten Einspielfilmchen beschwor man Werte wie Fairness, Integrität und Frieden, während für den Verband und seine WM-Besucher gerade Favelas geräumt, Menschen umgesiedelt und Stadien gebaut werden, die keiner braucht. Nahe der Arena des Eröffnungsspiels in São Paulo campieren schon seit Wochen Tausende Obdachlose aus Protest.

Der 78-jährige Sepp Blatter aber feiert sich und seine Delegierten. Beide Seiten versicherten sich ihrer Wichtigkeit und großartiger Arbeit. Der Fifa, ja dem Fußball, gehe es so gut wie noch nie. Warme Worte und kleine Zuwendungen – das System Blatter funktioniert noch.

Es läuft ungefähr so: Blatter verteilt Geschenke, 750.000 US-Dollar versprach er auf dem Kongress wieder einmal jedem Nationalverband als Boni. Für die kleineren Verbände viel, viel Geld. Und weil die Salomoninseln bei der Fifa genauso viele Stimmen haben wie Deutschland, der weltgrößte Fußballverband, darf sich der großzügige Blatter genug Unterstützung sicher sein. Vor allem auf Verbände aus Afrika, Asien und der Karibik ist Verlass.

Das alles geschieht auf eine befremdliche, beinahe großväterliche Weise. Blatter redet zu seinen Delegierten wie ein Opa zu seinen Enkeln. 

Versuch eines Revolutiönchens

Und trotz dieser Übermächtigkeit des Präsidenten gibt es auch Gegenwind. Noch am Vortag war da der Versuch eines Revolutiönchens. Europas Fußballverbände wollten Blatter von einer erneuten Kandidatur abbringen, darunter auch der DFB-Präsident Wolfgang Niersbach. "Er hat eine Menge gute Sachen gemacht. Aber in den vergangenen Jahren sind Dinge passiert, die nicht gehen", sagte er. Das gefiel Blatter gar nicht, Sorgen machen brauchte er sich aber keine. Beim Kongress waren seine Reihen geschlossen. Selbst ein großer Kritiker, der nicht genannt werden möchte, sagte: "Auf eine gewisse Art muss man das auch wieder bewundern."

Der Vorstoß der Europäer ist gescheitert, weil auch ihr möglicher Kandidat Michel Platini mit seinen Verbindungen nach Katar nicht den integersten Namen trägt. Zudem ist Europa nur Europa – und die Uefa eben nur einer von sechs Kontinentalverbänden. Die anderen halten zu Blatter.