Deutschland - Algerien : Özil schießt Deutschland ins Viertelfinale

Konfuse Pässe und vergebene Chancen: Nach schwachem Start gelingen der Nationalelf erst in der Verlängerung zwei Tore gegen Algerien. Der Spielverlauf im Live-Blog
Schürrles Tor in der 92. Minute © Stefano Rellandini/Reuters

Die wichtigste Nachricht: Deutschland steht im Viertelfinale der WM und trifft dort auf Frankreich. Die zweitwichtigste Nachricht des Abends: Deutschland hat wieder einen Libero. Nach all den langen Jahren der Doppel-Sechs, der Vierer-, Fünfer- und Deutschlandkette hat Joachim Löw endlich erkannt: Manuel Neuer ist im Tor verschenkt.

Anders lässt sich nicht erklären, wieso Neuer beim 2:1 Sieg über Algerien fast genauso oft vor seinem Strafraum zu finden war wie auf der Torlinie. Meistens war er dabei in der Luft oder in der Grätsche, weil gerade wieder ein Algerier mit dem Ball anrauschte.

Dass die Algerier gut verteidigen konnten, das wussten die Deutschen vorher. Dass sie aber auch frech nach vorne spielen können, schien die DFB-Abwehr etwas zu schocken. Die erste Hälfte ließen sie die Nordafrikaner körperlos gewähren und immer wieder gefährlich angreifen, gleichzeitig vertändelten sie im Mittelfeld die Bälle und spielten uninspiriert mit Distanzschüssen und Flanken nach vorne. Die Probleme der Deutschen mit dem Spielaufbau, nie schienen sie bei dieser WM deutlicher als in diesem Spiel.

Immerhin, vielleicht die drittwichtigste Nachricht des Abends: Löw kann auch gewinnbringend wechseln. Mit der Einwechslung von André Schürrle in der Halbzeitpause kam zumindest ansatzweise Zug ins Spiel. Der Flügelspieler war es, der das 1:0 erzielte, mit der Hacke, irgendwie. Das war allerdings schon in der Verlängerung. Dass kurz vor Schluss noch das 2:0 durch Özil und postwendend der Anschlusstreffer durch Slimani fiel, änderte und interessierte nicht(s) mehr  – schon gar nicht Per Mertesacker. Der sagte im Interview nach dem Spiel: "Wir sind im Viertelfinale, wie ist mir wurscht." Das fasst die Leistung an diesem Abend ganz gut zusammen.

  • 00:42 Uhr
    Christian Spiller

    Nach dem Abpfiff Ich habe hier in Rio auch ein paar Tröten gehört. Auf diese deutsche Mannschaft freuen sich die Brasilianer. Und weil auch sonst nach diesen komischen Achtelfinals kein Favorit weit und breit in Sicht ist, ist Brasilien heute wieder ein wenig mehr Weltmeister geworden. Einziger Wehrmutstropfen für die Cariocas: Nun fallen zum Viertelfinale die Deutschen in ihre schöne Stadt ein (Deutschland gegen Frankreich wird in Rio angepfiffen). Dann werden sie mit ihren Handtüchern die besten Plätze an der Copacabana besetzen. Schland am Strand, oje!

  • 00:32 Uhr
    Eike Kühl

    Abpfiff: Deutschland gewinnt 2:1. Und alle, wirklich alle so "Yeeeaaah, endlich ist dieses Spiel vorbei." Wenigstens Philipp Lahm kann noch schmunzeln im Interview nach dem Anpfiff. Wir aber nicht mehr so wirklich, uns schmerzt der Nacken vom vielen Kopfschütteln – ein kurzes Zwischenfazit folgt in Kürze.

  • 00:39 Uhr
    Steffen Dobbert

    Abpfiff: Neeeeeeeeeein.

  • 00:31 Uhr
    Steffen Dobbert

    120. Minute: Hoooooope. 1:2 für Algerien.

  • 00:31 Uhr
    Eike Kühl

    119. Minute: Toooooooor! Deutschland ist Weltmeister im Viertelfinale! Die Menschen hält es nicht mehr auf den Sitzen und Kollege Dobbert weint in sein Wasserglas! Schürrle und Özil laufen in Überzahl auf das Tor zu, Özil verstolpert ihn, passt wieder rum, Schürrle gurkt ihn auf das Tor und Özil staubt dann wieder ab. Oh wie schlimm kann Fußball sein.

  • 00:28 Uhr
    Eike Kühl

    118. Minute: Tatsächlich noch eine Chance kurz vor Schluss! Müller spielt den Torwart aus, aber in der Mitte fehlt ein Klose. 

  • 00:25 Uhr
    Eike Kühl

    116. Minute: Nicht nur Kraft, sondern auch Nerven und vor allem Ansehen: Deutschland spielt so, wie sie vor 40 Jahren dargestellt wurden.


  • 00:24 Uhr
    Oliver Fritsch

    115. Minute: Inzwischen krümmen sich Spieler beider Mannschaften während Unterbrechungen. Sie halten sich die Beine, Arme, strecken die Füße und beugen sich im Rücken. Das Spiel hat Kraft gekostet.

  • 00:19 Uhr
    Steffen Dobbert

    110. Minute: Slimani, it is about time:


  • 00:18 Uhr
    Eike Kühl

    107. Minute: Die erste gelbe Karte des Spiels für Philipp Lahm, der schon die Hosen mit dem Gegner tauschen wollte. Soll heißen: Er wollte sie ihm vom Leib reißen.

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Vorbemerkungen

Quizfrage: Welches Tier hat große Ohren und behaarte Sohlen, steht in Deutschland kaum zur Debatte, ist außerordentlich flink und geht vor allem nachts auf Beutejagd? A) Der Jogibär B) Der Wüstenfuchs C) Katz Hummels. Die Antwort ist natürlich B, auch wenn der eine oder andere Teilaspekt auch auf die anderen beiden zutreffen könnte.

Der Wüstenfuchs, der Fennek, ist jedenfalls das Nationaltier Algeriens und deshalb heißen angeblich auch die algerischen Fußballer so: Les Fennecs. Nun gibt es dazu unterschiedliche Ansichten. Manche sagen, der offizielle Spitzname in Algerien lautete ursprünglich "die Grünen", und die Füchse hätten ihren Ursprung erst später in der französischen Presse erfahren und sich von dort aus verbreitet. Putzigkeit kennt bekanntlich keine Grenzen.

Vor dem Achtelfinale gegen Deutschland zeigen sich die algerischen Fußballer in jedem Fall sowohl in grünen Trikots als auch bissig, Ramadan hin oder her. Es ist schließlich noch eine Rechnung offen aus dem Jahr 1982, als die Algerier Deutschland schon einmal schlugen und dann aus dem Turnier geschoben wurden. Dass sie bei der WM in Brasilien nun im Achtelfinale stehen, ist zwar eine Überraschung, aber nicht unverdient. Vor allem die Geschlossenheit, mannschaftlich wie defensiv, zeichnet Algerien bei diesem Turnier aus. 

Die Deutschen sind gewarnt, und das nicht zuletzt aufgrund der Geschichte, wonach sich die DFB-Elf traditionell schwertut gegen nordafrikanische Mannschaften. Vor dem Spiel spricht der Bundestrainer von einer "Grundzufriedenheit" im Team, was letztlich aber auch nur Neusprech ist: Wie die Grundversorgung ist die Grundzufriedenheit zwar besser als nix, aber auch noch weit weg von Yeah-Yeah-Yeah. Nach den wankelmütigen Auftritten in der Vorrunde und einer ganzen Reihe von Abstauber-Toren, muss sich Deutschland in der K.-o.-Runde steigern.

Wir wollen dabei zuschauen, natürlich gemeinsam mit Ihnen. Wir sind in diesem Fall Eike Kühl, Steffen Dobbert, Oliver Fritsch und Christian Spiller. Damit Sie bei vier verschiedenen Autoren nicht die Orientierung verlieren:

Kühl, eigentlich WM-Team-Pate von Costa Rica, drückt am heutigen Abend aus heimatlicher Verbundenheit Deutschland die Daumen. Für ihn ist Algerien der perfekte Aufbaugegner, damit die Nationalelf mal die Kombinationen trainiert, die es möglicherweise schon bald gegen Frankreich oder Brasilien braucht. Sein Tipp: 4:1 für Deutschland.

Dobbert hat schon nach drei WM-Auftritten des deutschen Teams genug davon und freut sich viel mehr, wenn Algerien sein Wunder von Bern erlebt. Sein Tipp: 2:1 für Algerien.

Spiller, WM-Team-Pate von Brasilien, hat sein Büro in Rio. Er ist sich sicher, die Seleção wird Weltmeister und wird an dieser Stelle berichten, wie die Brasilianer auf einen möglichen Viertelfinaleinzug der Nationalelf reagieren. Sein Tipp: 3:0 für Deutschland.

Und dann ist da noch der Kollege Fritsch, der sitzt in Porto Alegre, in dem Stadion, in dem dieses Fußballspiel starten soll und schildert von dort seine Eindrücke, hier oder via Twitter. Sein Tipp: 4:1 für Deutschland.

Alles klar? Na, dann lesen Sie sich noch schnell ein, etwa mit diesem Vorbericht oder jener Gesellschaftsreportage. Wir bloggen ab etwa 21 Uhr. Es empfiehlt sich bis dahin ZDF einzuschalten, eigene Tipps im Wettbüro um die Ecke vor dem Anpfiff abzugeben und die Wüstenfüchse nicht aus den Augen zu verlieren:



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