Die Fifa ist korrupt, verrottet, viele sagen verloren. Wer gibt dem Fußballweltverband seine Integrität zurück? Aus Afrika, Asien oder Südamerika ist wenig zu erwarten, die Verbände aus diesen Kontinenten stützen den Präsidenten Sepp Blatter. Ein potenzieller Retter wäre naturgemäß der DFB. Er ist der größte Verband der Welt, er vertritt einen demokratischen Rechtsstaat und kann Einfluss nehmen auf die internationale Sportpolitik.

Doch der DFB scheidet aus, denn er ist mit sich selbst beschäftigt. Seit einigen Tagen tragen der Präsident Wolfgang Niersbach und sein Vorgänger Theo Zwanziger einen öffentlichen Konflikt aus. Dass die beiden entzweit sind, ist nichts Neues. Das war ansatzweise schon vor 2012 so, als Niersbach noch Generalsekretär war. Als er seinen Rücktritt bereits angekündigt hatte, fühlte sich Zwanziger von Niersbach vorzeitig aus dem Amt gedrängt.

Die Schärfe der jüngsten Auseinandersetzung hingegen überrascht. Zwanziger sagt, Niersbach sei ein Heuchler. Und Niersbach samt der DFB-Spitze fordert Zwanziger zum Rücktritt aus der Fifa-Exekutive auf, was dieser ablehnt.

Inhaltlich geht es Zwanziger vor allem um zwei Dinge. Zum einen hält er Niersbach vor, kein Programm und kein Profil zu haben. Jüngster Anlass: Einem Dokumentarfilmer erteilte Niersbach keine Auskunft. Dabei bereitete der Film ein dunkles Kapitel der Verbandsgeschichte auf. 1977 hätte der DFB unter Hermann Neuberger den Tod einer Frau verhindern können, die im Gefängnis der argentinischen Militärjunta saß. Stattdessen spielte der DFB lieber Fußball – im Sinne der argentinischen Propaganda.

Der DFB schweigt über Niersbach Gehalt

Zwanzigers zweiter Vorwurf wiegt schwerer. Niersbachs Gehalt sei höher als bekannt, Zwanziger spricht von "deutlich sechsstelligen" Dimensionen. Das wäre viel Geld für einen Ehrenamtler an der Spitze eines gemeinnützigen Verbands. Zwanziger deutet sogar an, dass Niersbachs Vergütung vielleicht illegal sei – unter dem Vorwand einer Rente.

Niersbachs Reaktion auf den Vorwurf, er verdiene zu viel, ist dünn. Seine Vergütung sei rechtens, sagt der DFB. Die Altersversorgung sei gutachterlich geprüft. Doch warum legt der DFB nicht einfach offen, was Niersbach bekommt? Warum muss eine Altersversorgung geprüft werden? Wer ist der Gutachter, ist er unabhängig oder arbeitet er für den DFB? Wieso braucht es überhaupt für die Frage, was der DFB-Präsident verdient, einen Gutachter?

Mit dieser Verschwiegenheit schadet der Verband seiner Glaubwürdigkeit. Politiker müssen ihre Nebeneinkünfte transparent machen und Compliance-Regeln gelten fast überall. Die DFB-Spitze lebt das nicht vor. Ein DFB-Präsident müsste nicht ehrenamtlich arbeiten. Ehrlich sein sollte er schon.

Das Problem an der Debatte ist, dass der ehemalige Präsident die besseren Argumente zu haben scheint. Zwanziger mag aus falsch verstandener Loyalität oder aus realpolitischen Gründen Blatter zu sehr in Schutz nehmen. Seine Absicht, die Fifa-Reform zu unterstützen, ist aber unbestritten. Jetzt wird mit ihm eine der wenigen Reformkräfte aus dem eigenen Verband zum Rückzug aufgefordert. Das schwächt den DFB und es stärkt die alten Kräfte der Fifa.