Das Testspiel gegen Island war der Tag des Marcel Sabitzer. In Minute 28 brach er in der Mitte durch und knallte einen Pass von Marko Arnautovic mit rechts in die Maschen – sein erstes Tor im Teamdress der Österreicher.

Der 20-Jährige ist die größte Mittelfeldhoffnung des Landes. Den Proteststurm über seinen Transfer nach Leipzig hatte er vergangene Woche gar nicht an sich rangelassen. "Da gibt es einen Trick beim Handy, man kann es ausschalten", sagte Sabitzer verschmitzt.

Der Jungstar von Rapid Wien wollte unbedingt zu Red Bull Salzburg wechseln, zu jenem Klub, der dieses Jahr in die Champions League strebt. Doch die Ausstiegsklausel in seinem Vertrag erlaubte bloß einen Wechsel ins Ausland. Die Lösung? Der verbrüderte Red-Bull-Club aus Leipzig kaufte Sabitzer, um ihn im Anschluss einfach an die Salzburger weiter zu verleihen.

Ein kreatives Manöver, das die Fußballwelt in Atem hält. Cleverer Transfertrick oder mieses Spiel?, fragt die Bild-Zeitung. Auch andernorts wird darüber nachgedacht, was der Transfer für den Sport und sein Regelwerk bedeutet. Könnte es ein Vorgeschmack darauf sein, was dem Fußball droht, wenn in Zukunft nur noch die Macht des Stärkeren regiert? Baut Red Bull ein Fußballkartell auf?

Ein Red-Bull-Klon in der Zweiten Liga

Der Transfer macht Christian Flick wütend. Der Grazer Sportanwalt hat täglich mit internationalen Transfers zu tun. "Da kommt einem das Grausen", sagt er. "Wenn dieses Beispiel Schule macht, wird es gefährlich. Ich habe noch nie einen Transfer erlebt, der mit dermaßen tiefen Verstößen gegen die Compliance-Regeln abgewickelt wurde."

Damit sind jene allgemeinen Vorgaben gemeint, welche die Fifa für Transfers vorschreibt. "We take care about football", habe einmal die Devise geheißen, sagt Flick: "Dieser Grundsatz ist auf jeden Fall massiv verletzt worden." Red Bull habe die bestehenden Regeln einfach umgangen.

Erneut hat Red Bull der Konkurrenz ein Schnippchen geschlagen. Bis jetzt ist das kickende Dosenimperium mit seiner Philosophie, für den Erfolg an die Grenze des Erlaubten zu gehen, durchgekommen. Ein anderes Beispiel: In Österreich ist es den Amateurteams großer Clubs zwar untersagt, in die Zweite Liga aufzusteigen. Dort spielt aber ein Club, der Jungprofis für die Salzburger ausbildet, von Red Bull finanziert wird und bis auf das Logo in denselben Trikots aufläuft: der FC Liefering. Da Liefering ein eigenständiger Verein sei, sei er unabhängig, behauptet Red Bull. Glauben tut das niemand.