Brasilien - Müllschiff in Rio räumt die Bucht auf

Es ist ein guter Tag für Ayrton. Er hat nicht viel zu tun. Das hat er schon geahnt, als er früh aus dem Fenster schaute. Eigentlich ist es aber auch ein schlechter, weil er seiner Stadt gerne helfen würde: Die Berge, die Strände, das Licht und über allem wacht Christus. Von hier sieht Rio de Janeiro aus wie das Paradies. Doch das Paradies müffelt.

80 bis 100 Tonnen Müll werden rund um die Stadt jeden Tag ins Meer geschwemmt (Bilder hier). Deshalb tuckert Ayrton hier auf dem Wasser herum, Montag bis Freitag, von morgens um acht bis abends um fünf fährt er mit seinem Boot durch die Bucht von Guanabara. Sein Boot ist ein Müllboot, ein dicker, grün angepinselter Katamaran, ein schwimmender Müllschlucker. 

Heute ist gar nicht so viel los, Wind und Strömung treiben den Müll hinaus aufs offene Meer. Ayrton freut sich darüber, weil alles okay aussieht, so sauber. An anderen Tagen ist sein Job wichtiger, er also auch. Aber dann zweifelt Ayrton oft an der Welt, weil er Kühlschränke, Fernseher oder Sofas aus dem Wasser fischen muss.

Und dann wäre da noch die Scheiße

In zwei Jahren sollen vor Rio de Janeiro die Segelwettbewerbe der Olympischen Spiele stattfinden. Bei einer Testregatta berichtete ein Segler, er habe ein totes Pferd in der Bucht treiben sehen. Andere fielen vom ersten auf den letzten Platz zurück, weil sich Müll in ihrem Ruder verhedderte. "Ich segle seit 20 Jahren überall auf der Welt, aber dies ist der am stärksten verschmutzte Ort, den ich je gesehen habe", sagte Allan Norregaard einmal, dänischer Bronze-Medaillengewinner von 2012. "Ich würde niemals in diesem Wasser schwimmen. Das ist definitiv nicht gesund." Einem anderen Segler wurde geraten, eine Cola zu trinken, falls er Wasser schlucke. Cola wirkt antibakteriell.

Es gibt da nämlich noch die Scheiße. Ein Großteil der Abwässer der 6,5-Millionen-Einwohner-Stadt läuft ungeklärt ins Meer. "Die Guanabara-Bucht ist ein einziges Klo", sagt Mario Moscatelli, ein Biologe und Umweltaktivist aus Rio, der sich schon seit Jahrzehnten mit dem Problem beschäftigt.

Der malerisch weißsandige Strand von Botafogo etwa, der auf dem typischen Rio-Bild zu sehen ist, weil hinter ihm der Zuckerhut in den Himmel wächst, eignet sich wirklich nur als Fotomotiv. Baden geht dort niemand, der bei Verstand ist. Es gibt Cariocas, Bewohner von Rio also, die selbst über die in den WM-Tagen von Tausenden Touristen bevölkerte Copacabana die Nase rümpfen. Und an den nicht weniger berühmten Stränden von Ipanema und Leblon, den besten Adressen der Stadt, empfiehlt das Umweltministerium oft, lieber nicht ins Wasser zu gehen.