Deutschland-Brasilien: Deutschland zieht mit 7:1 ins WM-Finale ein

Tore im Minutentakt und keine Fehler in der Abwehr. Gegen den WM-Gastgeber Brasilien gelingt der Nationelelf ein historischer Sieg. Der Spielverlauf im Liveblog.
Die Deutschen freuen sich über den Sieg © Marcus Brandt / dpa

Das beste Spiel dieser WM. Der höchste Halbfinalsieg aller Zeiten. Das vielleicht größte deutsche Fußballspiel seit dem Wunder von Bern. Historisch. Großartig. Mutig. Fehlerlos. Mit dem erfolgreichsten WM-Torschützen aller Zeiten. Mitreißend. Fabelhaft. Unglaublich.

Verzeihen Sie diese Aneinanderreihung von Superlativen, Adjektiven, Jubelwörtern. Aber anders und geordneter kann man dieses Spiel zwischen Deutschland und Brasilien nicht zusammenfassen: 7:1 gewinnt die Nationalelf, und jeder, der es nicht live im Stadion gesehen hat, kneift sich kurz in den Arm: Ist das wahr?

Ja, dieses Spiel "war so nicht unbedingt zu erwarten" (Thomas Müller nach dem Abpfiff), aber es hat so stattgefunden. Selbst wer nach diesem Auftritt der Nationalelf jede Spielminute in Zeitlupe noch einmal anschaut, wird kaum einen Fehler entdecken. Die Abwehrkette stand von Beginn an sicher. Bereits in der 11. Minute schoss Toni Kroos eine scharfe Ecke, die Müller per Volleyabnahme zum 1:0 verwandelte. Zu diesem Zeitpunkt war es noch ein gelungener Start ins Spiel. Eine halbe Stunde später war es schon der fußballerische Wahnsinn. In sechs Minuten, zwischen Spielminute 23 und 29, gelangen dem deutschen Team vier Tore. Klose, Kroos, Kroos, Khedira: 5:0. Nach einer halben Stunde hatte sich Miroslav Klose die ewige WM-Torjägerkanone geschnappt und der erste Finalteilnehmer dieser WM stand fest.

Kurz nach der Halbzeitpause versuchten die Brasilianer kurzzeitig den Eindruck zu erwecken, dass es in diesem Spiel noch um etwas mehr geht, als ihr Ehrentor. Doch selbst diese Gentleman-Geste schienen die Deutschen an diesem Abend perfekt geplant zu haben.

Nachdem der eingewechselte Schürrle seine WM-Tore zwei und drei (69. Und 79. Minute) erzielt hatte, bewies Özil in der Schlussminute die Größe, eine weitere sehr gute Torchance zu vergeben. Im Gegenzug fiel Brasiliens Ehrentreffer. Kaum mehr als ein Mitleidssymbol. Blieb aus Sicht des WM-Gastgebers nur noch eines:


  • 00:12 Uhr
    Wiebke Porombka

    Schluss: Mir wäre ein umkämpftes 3:1 lieber gewesen. So hat man doch das Gefühl: da stimmt irgendwas nicht. Das kann alles gar nicht sein.

  • 23:52 Uhr
    Christian Spiller

    Schluss: Ich habe gerade gemerkt, dass ich meinen Pullover falsch herum angezogen habe. Als Brasilien-Pate fühle ich mich mitschuldig und bin traurig, weil heute ein Mythos gestorben ist.

  • 23:52 Uhr
    Oliver Fritsch

    Schluss: Das größte deutsche Fußballspiel seit dem Wunder von Bern.

  • 23:50 Uhr
    Steffen Dobbert

    90. Minute: Schluss. 7:1 für Deutschland. Ja, Sie haben sich nicht verlesen. Wir streicheln uns jetzt gegenseitig den Bart. Gehen Sie schnell auf Toilette. Kopf mit kaltem Wasser abspülen. Es ist echt. Hier folgt gleich noch kurzes Fazit.

  • 23:46 Uhr
    Wiebke Porombka

    90. Minute: Da isses! Tor für Brasilien. Oscar macht den Ehrentreffer. Bittesehr, Steffen.

  • 23:46 Uhr
    Steffen Dobbert

    89. Minute: Jaaaaaaa. kein Tooooooor. Auf Özil ist Verlass.

  • 23:43 Uhr
    Wiebke Porombka

    85. Minute: Das muss heißen: "Wenn wir anständige Gewinner sind, schießen die Brasilianer jetzt ein Ehrentor." (s.u.) Wobei Ehrentor doch auch blöd ist. Dann lieber eine echte, knallharte Null.

  • 23:41 Uhr
    Steffen Dobbert

    85. Minute: Also, wenn "WIR" anständige Gewinner wären, würden die Brasilianer jetzt ein Ehrentor schießen dürfen.

  • 23:41 Uhr
    Wiebke Porombka

    84. Minute: Wenn Spieler nach dem Abpfiff interviewt werden, ist das Interessante ja, dass es keinen Konjunktiv II gibt. Nie ein: "Wenn wir getroffen hätten", "Wenn der Elfmeter nicht gegeben worden wäre." Stattdessen: "Wenn wir treffen." "Wenn der Elfmeter nicht gegeben wird." Das ist ja im Grunde Philosophie: Alles ist immer noch möglich. Alles kann immer noch passieren. Ob das die Braslianer trösten wird: "Wenn die sieben Tore nicht fallen, steht es unentschieden."

  • 23:37 Uhr
    Christian Spiller

    80. Minute: Wow, auch das ist groß. Im Augenblick der größten Niederlage ihrer Fußballgeschichte erheben sich die Brasilianer alle, wirklich alle von ihren Plätzen und applaudieren den Deutschen.

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Vorbemerkungen

Fast das Tollste am Beruf des Journalisten ist ja das Lesen. Es gehört zu unserem Job, Zeitungen oder Bücher zu lesen. Auch das größte verschriftlichte Organ der deutschen Gesellschaft, das wichtigste deutsche Boulevardblatt, kommt deshalb jeden Morgen frei Haus zu uns in die Redaktion. Womit wir beim Thema wären: Wir kommen ins Finale!

Elf Gründe, warum Deutschland gegen Brasilien gewinnt, titelte die Bild-Zeitung heute: Weil wir das beste Team haben. Weil wir Klose haben. Weil 2014 wie 1990 ist. Weil... Weil... Weil... Weil... Weil... Weil... Weil... Und weil wir einfach besser sind. Von Matthäus über Beckenbauer bis hin zu Vogts und dem Chefredakteur der Sport Bild stammen die Begründungen für den Sieg. Nun ja. Die sollten es wissen. Und: Das "Wir" entscheidet. Klar. Oder auch nicht.

"Wir" in der Redaktion sind nämlich zerstritten. Auch hier gibt es die Löw-Versteher und -Kritiker. Özil-Bewunderer und Hummels-Verehrer. Deutschlanddaumendrücker (Wiebke Porombka) und Brasilien-Sympathisanten (Christian Spiller und Steffen Dobbert). Wir diskutieren viel. Bei einer Diskussion kamen wir sogar zur Erkenntnis, dass wir "wir" sind. Alle Menschen in Deutschland, inklusive Bild, irgendwie "Wir" sind. Und das auch die Brasilianer ein "Wir"-Gefühl haben könnten, weshalb sie auch glauben könnten, heute, am 8. Juli 2014 ins WM-Finale einziehen zu können. Für einige von "uns" war das eine erschreckende Erkenntnis.

Aber genug. "Wir" wollen ja alle nur Fußballgucken. Und Sie da draußen an den digitalen Empfangsgeräten werden schon wissen, zu welchem "Wir" Sie gehören, und inwieweit das die Fußballer in Belo Horizonte beeinflussen kann, Stichwort: Daumendrücken. Nur falls Sie noch unentschieden sind, ein kleiner Hinweis, wie es laut Außenministerium laufen sollte:

Neben der Wir-Werdung empfehlen wir bis zum Anstoß ausgewählte Lektüre. Vielleicht dieses Porträt über den brasilianischen Trainer mit Bauch oder jenes Interview mit einem deutschen Spieler. Dazu ein paar Absätze von Paolo Coelhos Der Alchimist, kommt aus Brasilien. Die aktuelle Bild, natürlich. Die Bibel, immer. Und: Loriot: Szenen einer Ehe, falls Sie sich in diesen historischen Fußballabend zusammen mit ihrem Partner trauen.

Anstoß ist übrigens um 22 Uhr. Wir bloggen ab etwa 21 Uhr live, zum Teil aus dem Stadion in Belo Horizonte, zum Teil aus dem Newsroom in Berlin-Kreuzberg. Holen Sie sich genügend Bier, schalten Sie das ZDF ein, bis gleich.


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