Spätestens als Per Mertesacker nach dem vieldiskutierten Sieg im Achtelfinale gegen Algerien den ZDF-Reporter anblaffte und damit einen Internet-Hit namens "Eis, Eis, Tonne" ins Leben rief, ist klar: Bei der WM zählt nicht mehr nur, was aufm Platz ist, sondern auch die sozialen Netzwerke. Mehr als 300 Millionen Kurznachrichten zum Thema Weltmeisterschaft kamen bereits in der Vorrunde auf der Plattform Twitter zusammen. Immer mehr Menschen erleben das Turnier nicht bloß vor dem Fernseher, sondern gleichzeitig auch auf dem Smartphone oder dem Computer, dem sogenannten Second Screen.

Auch die Spieler können sich dem Trend nicht entziehen. Gehören Selbstporträts, neudeutsch Selfies, und kurze Einträge auf Facebook schon seit einigen Jahren zur Pflichtprogramm eines Profi-Fußballers, entdeckten inzwischen auch immer mehr Spieler die Vorzüge von Twitter. Beziehungsweise ihre Agenturen: Denn jedes Twitter- und Facebookprofil ist eine Werbefläche. Das lässt sich schon daran erkennen, dass die meisten Spieler nur allzu gerne die Produkte eines großen deutschen Sportartikelherstellers erwähnen.

Gut zwei Drittel des deutschen WM-Kaders unterhält inzwischen ein offizielles Twitterprofil. Steckt dahinter nur der nächste überflüssige Techniktrend, in dem PR-Geschwafel, profane Nichtnachrichten und sinnentleerte Glückwünsche in Form von #Hashtags zusammenkommen? Oder erkennt man sie, die deutschen Spieler und ihre Eigenarten, vielleicht trotzdem an ihren Profilen? Wer spielt so wie er twittert? Wer ist auf Facebook eine Rampensau und auf dem Platz ein Mauerblümchen? Wir versuchen uns an einer, nicht ganz wissenschaftlichen, Typologie von acht deutschen Spielern.

Mario Götze nimmt es auch mit Aliens auf. © Mario Götze/Facebook

Mario Götze, das lebende Selfie

Wenn Mario Götze etwas kann, dann nicht nur lasziv in den Strafraum dribbeln, sondern auch ebenso verrucht in die Kamera gucken. Wozu auch viel schreiben, wenn das eigene Gesicht doch so viel mehr sagen kann? Götze ist der Selfie-König im DFB-Team; keiner packt mehr Filter in seine Aufnahmen. Ob Sepia, grobkörnig, oder in Schwarz-Weiß: Wo Götze knipst, ist auch Götze drauf. Und wenn Götze nicht die Augenbrauen hebt oder seine überteuerten Kopfhörer ganz zufällig in die Aufnahme schiebt, retweetet Götze Fans in Götze-Trikots. Das heißt, nur die weiblichen Fans natürlich. Oder Götze verbreitet Tweets mit positiven Inhalten. Solange sie mit Götze zu tun haben. Gemessen daran ist es paradox, dass Götze der einzige deutsche Spieler ist, dessen Profilbild auf Twitter nicht sein eigenes Antlitz ziert. Vermutlich dachte Götze sich, das wäre dann wohl wirklich ein Götzenbild zu viel.

Lieblings-Hashtag: #PartOfGoetze

Typischer (Re)Tweet: