Belgische Fans in Brasilien © Martin Bureau/Getty Images

Wahrscheinlich schauen sie bei der Fifa selbst viel zu oft und zu tief ins Glas. Anders ist das ja kaum noch zu erklären. Er sei beeindruckt, wie viel Alkohol die WM-Besucher während der Spiele trinken, sagte der Fifa-Generalsekretär Jérôme Valcke der brasilianischen Zeitung O Globo. "Viele Leute waren betrunken, was das Level der Gewalt erhöhen kann." Die Betrunkenen, ja, die, hätten sich gar nicht gut benommen.

Es ist derselbe Jérôme Valcke, der noch vor zwei Jahren wie ein Kolonialherr sagte, er wolle ja nicht arrogant klingen, aber die Sache mit dem Bier sei natürlich nicht verhandelbar: "Es wird und es muss als Teil eines Gesetzes den Fakt geben, dass wir das Recht haben, Bier zu verkaufen." Wir, das ist in diesem Fall die Fifa.

Vor und nach der WM ist das in Brasilien nämlich verboten. Seit 2008 gibt es keinen Alkohol in hiesigen Fußballstadien. Das Verbot war eine Reaktion auf die Fangewalt in dem Land, 42 Tote in zehn Jahren. Auch die WM wollte die brasilianische Regierung ohne Bier veranstalten, zumindest in den Stadien. Es wäre die erste alkoholfreie WM der Fußballgeschichte gewesen.

Doch nicht mit der Fifa. Die Fifa steht über der Vernunft, erst recht über dem Gesetz. Sie ließ die brasilianische Regierung wissen, was sie von der Idee der spritfreien WM hält. Und die gab nach. Der brasilianische Senat stimmte im Mai 2012 der sogenannten "Budweiser Bill" zu, obwohl die Mehrheit der Bevölkerung dagegen war. Die Gesundheitsministerin übrigens auch.

Das alles macht die Fifa natürlich nicht aus jenem urgemütlichen Traditionalismus heraus, in dem Bier und Fußball einfach zusammengehören. Dann würde es in den Stadien auch Bratwurst geben, oder zumindest deren brasilianische Snackbrüder wie Kabeljaubällchen, geröstete Erdnüsse oder Käsebrot statt schlabbriger Hamburger und traurigem Popcorn.

Die Fifa tat das für ihren treu ergebenen Sponsor, mit dessen Namen die Auszeichnung zum Spieler des Spiels verschandelt wird. Wenn der Biersponsor bei der WM kein Bier verkaufen kann, macht das auch die Fifa sehr, sehr traurig.

Nur drei Bier pro einmal Anstellen

Die Biermarke brüstet sich damit, dass es die Servicekräfte in den Stadien über den verantwortungsvollen Ausschank der Alkoholika belehrt habe. So klagte eine englische Boulevardzeitung, an jeden Engländer dürften nur drei Bier verkauft werden. An jede Engländerin gar nur zwei! Bei einmal anstellen, wohlgemerkt. Das ist wahrlich vorbildlich und verantwortungsbewusst.

Die Fifa ist nun sehr überrascht, dass Bier betrunken macht und Betrunkene komische Sachen machen. Ein mexikanischer Fan sprang angetüdelt von einem Kreuzfahrtschiff  in Fortaleza und tauchte nie wieder auf. Die Chilenen, die das Maracanã stürmten, sollen auch gut dabei gewesen sein. Und die Flitzer, die es immer wieder auf den Rasen schaffen, sowieso.

Vielleicht können wir hier ja der Fifa helfen, abzusehen, welche Folgen ihre irrsinnigen Regeln noch so haben. Es könnte zum Beispiel passieren, dass die Zuschauer nass werden, weil sie ihren Regenschirm am Stadioneingang abgeben müssen. Oder dass sie ein wenig aggressiv werden, wenn ihnen ihre Zaunfahnen weggenommen werden, die sie bisher in jedem Land der Welt aufhängen durften. Oder dass sie vielleicht auf die schlabbrigen Hamburger verzichten, wenn sie im Stadion nur mit der Karte eines weiteren Fifa-Sponsors bezahlen dürfen.

Im Land der größten Schnapsidee der Fußballgeschichte, der WM in Katar 2022, sind die Regeln noch strenger. Der Islam verbietet Alkohol. Doch wenn die Fifa über der Vernunft und dem Gesetz steht, steht sie sicher auch über Allah. Natürlich wird es dort Bier geben. Und Schweinefleisch. Und Diebstahl. Es ist ja schließlich die Fifa.