Thomas Müller freut sich mit Miroslav Klose. © Eddie Keogh/Reuters

Etwa zehn Minuten vor Schluss dieses Spiels für die Ewigkeit standen die brasilianischen Zuschauer auf und applaudierten. Erst sanft, dann stärker. Es war ein erhabener Moment. Ihre Zuneigung galt nicht dem eigenen Team, sondern dem Gegner, den fabelhaften Deutschen. Andre Schürrle hatte soeben das siebte Tor geschossen. Kurz später gab es noch so einen erhabenen Moment. Jubel für Brasiliens Treffer, obwohl bedeutungslos für das weitere Turnier.

1:7 – diese Zahlen sind profaner Ausdruck eines Spiels, über das man noch in Jahrzehnten sprechen wird. Eines Spiels, dessen Nachwirkungen noch nicht absehbar sind und das sich noch Stunden nach Abpfiff unwirklich anfühlt und sich sicher noch eine Zeitlang unwirklich anfühlen wird.

Es war ein Spiel, für das alle Beobachter nach Worten suchten. Es dürfen große Worte sein, denn der deutsche Sieg gegen den Gastgeber Brasilien in Belo Horizonte war nicht nur der höchste Halbfinalsieg aller Zeiten. Er war das sensationellste Resultat seit langem, vielleicht seit allen Zeiten. Und er war das größte deutsche Fußballspiel seit dem Wunder von Bern 1954.

1:7 – nach dem Spiel schaute man ungläubig auf alles, worauf dieses Zahlenpaar geschrieben stand: die Stadionleinwand, die TV-Übertragung am Monitor, den Ausdruck der Spieldaten für die Medien. War das tatsächlich geschehen? Wachen wir nicht morgen auf und stellen fest, dass alles nur ein Traum war?

Löw ist jetzt im Trainer-Olymp

Der Schöpfer des Zahlenpaars saß nach dem Spiel im Pressebereich des Stadions, einem simplen Raum mit improvisiert verlegtem Teppichboden. Marmorsäulen wären vermutlich das passendere Ambiente gewesen, denn Joachim Löw war durch diesen Sieg in den Augen des deutschen Fußballfreunds in den Trainer-Olymp aufgestiegen.

Jetzt saß er da und sprach über sein Meisterwerk. "Es haben alle ihre Aufgabe gut und konzentriert erfüllt", sagte er. "Wir haben gut nach vorne gespielt, klasse kombiniert." Es sei wichtig gewesen, der Leidenschaft Brasiliens mit Ruhe und mit eigener Stärke zu begegnen.

Welch harmonische Ordnung auf dem Rasen hatte er geschaffen. Eine Mannschaft ohne Schwachpunkt fuhr Angriff um Angriff. Was hatten wir eitlen Menschenkinder nicht diskutiert über Algerien, Innenverteidiger, Außenverteidiger, Wohin-mit-Lahm. Gegen Brasilien verflogen alle Debatten, und alle Teile der Löw-Elf fügten sich wie durch eine magische Hand zu schöner Vollendung.