Fußball erfüllt Deutschland mit Stolz wie sonst nichts. Deutschland ist finanziell erfolgreich, eine wirtschaftliche Supermacht, doch kein Gold der Welt macht die Deutschen so stolz wie ein einziger runder Ball.

Deutschlands Kritiker mögen warnen, dass Deutschland auf dem Weg sei, uns alle mit seinem Reichtum zu beherrschen und zu unterwerfen, so wie es das früher mit dem Schwert getan hat, doch die Deutschen wissen es besser: Fußball. Wenn irgendetwas Deutschland zum König und zur Königin der Welt macht, dann ist das nicht Mercedes, sondern Fußball.

Viele Deutsche haben nie geglaubt, dass dieser Augenblick, der deutsche WM-Sieg, je kommen würde. Selbst die Fans, die ohne zu zögern ein Jahresgehalt ausgegeben haben, um bei ihren Helden in Brasilien zu sein, glaubten nicht wirklich daran.

Während der letzten WM war ich in Deutschland und verbrachte Zeit mit Fans im ganzen Land. Sie brüllten immer wieder Deutschland, aber wussten trotzdem, dass Deutschland verlieren würde. Ganz tief in ihnen gab es diese Stimme, die immer noch lauter brüllte: "Wir werden verlieren."

Diese Stimme hat auch einen Namen: Deutscher Pessimismus.

Noch nie gehört?

Manche bevorzugen andere Namen für dieses Phänomen, aber ich mag es klar und deutlich: Deutscher Pessimismus.

Dieser Deutsche Pessimismus, eine Seelenkrankheit, von der selbst Freud nichts wusste, reißt schmerzhafte Löcher in den Bauch jedes deutschen Fans. "Wir kommen ins Finale", verspricht diese Stimme manchmal, "und werden dort super spielen, aber in der 89. Minute verlieren wir."

Wie jeder andere Fan jeder anderen Mannschaft auch, ist der deutsche Fan ein Produkt von Nationalismus, Tribalismus und auch ein bisschen Rassismus. Ohne das Recht zu Gewalttaten, wie dem Töten und Vergewaltigen der Mitglieder anderer Stämme – vor allem, weil die vielen Kriege der Vergangenheit es nicht geschafft haben, die anderen Stämme komplett auszulöschen –, reagiert der Sportfan seine Wut dem gegnerischen Stamm gegenüber auf dem Feld ab. Hier wird er zum Zeugen, wie seine Stammesgenossen dem anderen Stamm gnadenlos den Ball abjagen, und das bereitet ihm absolutes Vergnügen. Natürlich kommt so ein Fan nicht allein. Ganz allein würde es keinen Spaß machen. Der loyale Fan will von möglichst vielen Stammesgenossen umgeben sein, wenn er seiner Mannschaft zusieht, zum Beispiel bei riesigen Public-Viewing-Veranstaltungen, denn Stammesmitglieder mögen Menschenmassen. Das gilt für alle Fans, für Deutsche wie für Libyer.

Doch anders als ein Fan einer anderen Nation, muss der deutsche Fan mit einem schrecklichen Wort fertig werden, das keinem anderen Fan auf der Welt je begegnet. Und damit ist, Sie ahnen es bereits, das Wort "Nazi" gemeint.

Ein dreijähriger Deutscher, ein Kleinkind, das nicht einmal weiß, was mit dem Wort "Geschichte" gemeint ist, muss bereits mit dem Wort "Nazi" fertigwerden, auch wenn er es nicht weiß. "Guck dir den süßen kleinen Nazi an", sagen die Deutschland-Hasser, wenn sie einen kleinen blonden Jungen sehen, der sie anlächelt. Die Mama und der Papa, die das hören, tun mir leid. Sie können ihren Sohn nicht davor beschützen. Es sei denn, sie sind Parteimitglieder der NPD.