WM-Finale: Deutschland ist Fußball-Weltmeister

Nach einem dramatischen Finale gegen Argentinien feiert Deutschland den vierten WM-Titel. Der Treffer fiel erst in der Verlängerung. Lesen Sie das Spiel im Liveblog nach.
Jubel nach dem Treffer zum 1:0 © Dylan Martinez/Reuters

Es war in der Verlängerung, als Bastian Schweinsteiger das gesamte WM-Finale plötzlich ins Gesicht geschrieben stand: Wiederholt gefoult von einem dauergrätschenden Javier Mascherano rappelte sich der Bayernspieler auf, schüttelte noch einen Krampf aus den Beinen und spielte weiter. Nur wenige Minuten später musste er mit einem Cut im Gesicht behandelt werden; als er zurückkam, sah er, wie Mario Götze mit einem Schuss in der 113. Minute das 1:0 erzielte und Deutschland zum vierten Weltmeistertitel schoss.

Die Wiederauflage des Finales von 1990 lässt sich mit diesen Szenen zusammenfassen: Es war ruppig, bisweilen hart – und dramatisch bis zum Schluss. Bereits beim Aufwärmen verletzte sich Sami Khedira, der für ihn spielende Christoph Kramer musste bereits nach 32 Minuten nach einem rüden Bodycheck vom Platz. Überhaupt lief vieles gegen die deutsche Elf in der ersten Halbzeit: Messi und Lavezzi wirbelten, Higuaín erzielte ein Abseitstor, Kroos scheiterte an Romero, Höwedes traf kurz vor der Pause nur den Pfosten.

Daran änderte sich auch nach dem Wechsel nichts. Die belächelten Argentinier, sie waren ebenbürtig, stellenweise sogar besser. Manuel Neuer, der zum Schluss den Goldenen Handschuh für den besten WM-Torhüter bekam, musste mehrfach eingreifen und die noch gegen Brasilien so einfachen Kombinationen prallten an der argentinischen Defensive ab. Erst gegen Ende kam die DFB-Elf wieder besser ins Spiel.

Viel wurde über die mangelnde spielerische Qualität dieser WM geschrieben. Dass es im Finale in die Verlängerung ging, passte in dieses Bild – und auch wieder nicht: Es gab zwar wenige längere Kombinationen, aber dafür umso mehr Dramatik. Schürrle traf kurz nach Wiederbeginn nur Torwart Romero, dann vertändelte Palacio den Ball. Und als die angeschlagenen Hummels und Schweinsteiger sich scheinbar nur noch mit Mühe auf den Beinen hielten, erzielte der zuvor eingewechselte Götze den entscheidenden Treffer. Der Wechselgott Joachim Löw? Auch diese Geschichte schrieb das Finale.

Apropos Geschichte: Zu Beginn dieses Spiels erinnerten wir uns an 1990, den letzten Titel. Andi Brehmes Strafstoß darf nun endgültig ruhen. Deutschland ist zum vierten Mal Weltmeister und wir fragen in spätestens vier Jahren: Wo waren Sie eigentlich am 13. Juli 2014?

  • 00:21 Uhr
    Christian Spiller

    An die Spidercam, diese fliegende Kamera, die vom Dach hängt, und manchmal fast den Spielern auf den Kopf knallt, haben sie jetzt eine deutsche Fahne gehängt. Schwarzrotgold hebt ab und fliegt. Viel symbolischer geht es nicht.

  • 00:11 Uhr
    Steffi Dobmeier

    Unsere WM-Team-Patin von Argentinien, Karin Ceballos Betancur, schreibt gerade: 

    "Mein Herz ist gebrochen, wahrscheinlich der Lendenwirbel. Und ich bin nicht gut im Trauerredenschreiben, deshalb ziehe ich es vor, mich heute Nacht stumm in den schlaf zu weinen."

  • 00:04 Uhr
    Steffi Dobmeier

    Siegerehrung: DA ISSER! Der Pokal! Das Ding!

  • 00:02 Uhr
    Steffi Dobmeier

    Siegerehrung: Und jetzt müssen sie noch die 48 Stufen hochlaufen. Naja, für so nen Pokal macht man das wohl. Seit 1966 überreicht ihn wieder eine Frau, die brasilianische Staatschefin Rousseff.

  • 23:58 Uhr
    Steffi Dobmeier

    Das war übrigens der Tor-Moment zwischen Angela Merkel und Joachim Gauck.

  • 23:57 Uhr
    Steffi Dobmeier

    Oh – und Lionel Messi wird zum besten Spieler gekürt. Er kann sich kaum freuen. Dem müssen sie auch irgendwas geben, raunt der Kollege Kühl. Sonst weint er die ganze Nacht.

  • 23:56 Uhr
    Steffi Dobmeier

    Manuel Neuer bekommt den Goldenen Handschuh für den besten Torhüter des Turniers. Verdient.

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Vorbemerkungen

Gestern hatten wir Sie und unsere Kollegen gefragt, ob sie sich noch erinnern an das letzte WM-Finale, das Deutschland gewann. Damals, 1990, auch gegen Argentinien. Nicht nur die etwas Älteren unter Ihnen werden sich noch erinnern an die Zeit der Dauerwelle, der Maradonas und Gerd Rubenbauers, an die Wiedervereinigung und jene Tage, als Lothar Matthäus noch jeder mochte. Und natürlich an diesen Elfmeter von Andreas Brehme (und weniger an die vorangegangene Schwalbe von Rudi Völler).

Auch die jüngeren Ereignisse dieser WM-Vergangenheit blendet die schmusige Fußballnostalgie gerne aus: Das Gerumpel gegen Ghana, die knappe Kiste gegen Algerien und das langweilige Regenspiel gegen die USA – vergessen. Die Diskussionen um die vier Innenverteidiger, um Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm – Schwamm drüber. Die Kritik an Joachim Löw – offenbar nie dagewesen. Das 7:1 im Halbfinale, dieses Monster eines Spiels, fraß alle vorherigen Leistungen der DFB-Elf bei dieser WM auf.

Deutschland ist Favorit, es geht nicht anders

Und nun? Fehlt den Deutschen nur noch ein Spiel zum vierten Titel, 90 Minuten Fußball, vielleicht 120. Müssten nur noch die Gegner aus Argentinien mitspielen, dieser Bausatz, der um Lionel Messi herum errichtet wurde und aller Kritik zum Trotz in der Defensive so fest steht wie zwei aufeinandergepresste Lego-Klötzchen: Hinten halten sie dicht und vorne kann Messi jederzeit das Spiel entscheiden. Die Rolle des Außenseiters könnte Argentinien in die Karten spielen.

Deutschland ist nämlich Favorit, und das nicht nur unter den brasilianischen Fans, für die einzig ein Titel der Gauchos die ganze Sache noch schlimmer machen könnte, als sie ohnehin schon ist. Deutschland hat nach der Ansicht der meisten Experten auch jenseits von Fünf-Tore-Müller das beste Kollektiv des Turniers. Und sind wir ehrlich: Am Ende spielt es keine Rolle, ob diese WM nun eine der fußballerisch schwächsten aller Zeiten ist. Im letzten deutschen WM-Finale 2002 standen noch Thomas Linke, Carsten Ramelow und Jens Jeremies auf dem Platz. Und daran möchte sich eigentlich wirklich niemand mehr erinnern...

Wir wissen jedenfalls schon jetzt, wo wir das Finale an diesem 13. Juli 2014 erlebt haben werden: Steffi Dobmeier und Eike Kühl bloggen aus unserem Newsroom in Berlin-Kreuzberg, unsere Reporter Christian Spiller und Oliver Fritsch aus dem Maracanã, dem Stadion, wo der Ball bald rollt.

Anstoß ist um 21 Uhr. Wir bloggen ab etwa 20 Uhr. Schnallen Sie sich an, wer weiß, was am Abend passiert. Es geht um nichts Geringeres als die Fußballgeschichte, wie damals:

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