Miroslav Klose (rechts) zu Tränen gerührt © Pedro Ugarte/AFP/GettyImages

Die internationale Presse ist sich weitgehend einig: Es war ein verdammt knappes Spiel, aber über das gesamte Turnier hinweg betrachtet hat Deutschland den Titel verdient gewonnen. So schreibt die italienische Corriere dello Sport: "Am Ende erobert Deutschland den Pokal: erfahrener, bestimmter, deutscher. Alles in allem die stärkste Mannschaft."

In Frankreich plädiert man dafür, sich Deutschland zum Vorbild zu nehmen und in den USA beobachtet man mit Überraschung den erweckten Nationalstolz der Deutschen. Das sei etwas, "was man sehr selten sieht nach dem Zweiten Weltkrieg", kommentiert die Washington Post.

Doch auch  Argentinien wird gelobt. Zu Hause bekommt das Team wenig Tadel und viel Anerkennung. "Argentinien ging ohne Pokal aus, aber mit stolzgeschwellter Brust und erhobenem Kopf", schreibt die Zeitung argentinische Zeitung Clarín.

Die Stimmen im Überblick

ARGENTINIEN:

Olé: "Uns wurde die Hoffnung gestohlen – ein nationaler Schlag. Die Nationalelf verlor das Finale in der Verlängerung durch ein hervorragendes Tor Götzes, und Deutschland hat uns wieder wie 1990 besiegt. Argentinien hat ein sehr ehrenhaftes Spiel gezeigt. Der italienische Schiedsrichter hat in der zweiten Halbzeit ein klares Elfmeterfoul an Higuaín nicht gepfiffen. Trotz des Schmerzes muss man den Jungs Applaus spenden."

La Nación: "Ein Schlag direkt ins Herz. Messi war ohne Zweifel der Mann, der für die WM-Qualifikation eines Teams sorgte, das mehr Zweifel als Sicherheit erweckte. Gegen die Niederlande und Deutschland erschien er aber nicht mit den beiden Spielen, die die Welt erwartete, um ihn als König anzuerkennen."

Clarín: "Deutschland erhielt seinen vierten WM-Titel, und Argentinien ging ohne Pokal aus, aber mit stolzgeschwellter Brust und erhobenem Kopf."

BRASILIEN:

Lance!: "Mit Brasilien im Herzen ist Deutschland Vierfach-Weltmeister. Vize in Rio de Janeiro – Argentinien weint vor Schmerzen und erleidet sein eigenes Maracanaço, um es ewig zu beklagen."

FRANKREICH:

Le Parisien: "Die beste Mannschaft des Turniers hat ihren vierten WM-Titel errungen. Das ist sicherlich ein Erfolg, der unter Schwierigkeiten und erst am Ende der Verlängerung geholt wurde, aber es ist ein völlig verdienter Erfolg. (...). Deutschland ist nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht, sondern auch in Sachen Fußball eine Supermacht. Das Land hat es geschafft, ein tadelloses System aufzubauen – mit finanziell gesunden Clubs und der entsprechenden Ausbildung."

Libération: "Letzlich ist es Deutschland. Die Schlacht der Taktiken war eng, aber die Deutschen wollten ihre nicht ändern. In der Überzeugung, dass sich die kollektive Stärke gegen die Künste eines einzelnen Mannes durchsetzen wird."

L'Équipe.fr: "Das war enger und spektakulärer als erwartet."

SPANIEN:

El País: "Deutschland benötigte für seinen vierten WM-Titel 120 Minuten, viel Schweiß und die Treffsicherheit eines Götze, der in der WM bis dahin kaum in Erscheinung getreten war. Argentinien hatte eine stabile Abwehr, aber es fehlte das Schießpulver im Angriff."

El Mundo: "Messi kann den Titelgewinn der Deutschen nicht verhindern. Das Löw-Team erhält den verdienten Lohn für seine geleistete Arbeit."

As: "Götze macht den Iniesta. Das Finale war hart umkämpft, ausgeglichen und mitreißend. Argentinien war nicht schlechter als Deutschland, hatte gute Torchancen, konnte aber Messi nicht finden."

ITALIEN:

La Gazzetta dello Sport: "Germania über alles! (auf Deutsch). Vierter WM-Titel für Deutschland, es entscheidet die Magie des Bayern-Angreifers Götze, vorgelegt von Schürrle. Zwei Jungs, die von der Bank kommen und zeigen, wie stark der deutsche Kader ist und wie verdient dieser Erfolg einer wahren Mannschaft am Ende war. Eine Mannschaft, die seit Jahren zusammenspielt und jetzt die Früchte erntet."

Corriere dello Sport: "Auch hier ist es so: Der Reiche gewinnt und der Arme verliert. Aber Deutschland gewinnt nicht nur, weil es reich ist, sondern auch, weil es weiß, was es mit dem Geld machen muss. Das Resultat der Investitionen in die Jugendarbeit wurde gestern in dem Tor von Götze zusammengefasst. Es hat die stärkste, stabilste und ausgeglichenste Mannschaft gewonnen. Es war die bislang am wenigsten deutsche Mannschaft bei einer WM, multikulturell."

La Repubblica: "Die Party in Rio ist deutsch. Für den Fußball ist es ein historischer Tag: der erste Triumph eines europäischen Teams in Südamerika. Es hat das stärkste Team gewonnen. Daran gibt es keinen Zweifel. Das Team hat im Finale nicht sein bestes Spiel gezeigt, aber wieder einmal Charakter und Persönlichkeit gezeigt."

NIEDERLANDE:

De Volkskrant: "Mit Schmerzen, Mühe und auch noch etwas Glück hat Deutschland am Sonntag den vierten Welttitel erobert."

De Telegraaf: "In einem Nerven aufreibenden WM-Finale war Deutschland am längeren Hebel."

PORTUGAL:

Público: "Deutschland ist nicht mehr die kühle und körperlich starke Elf von früher. Man spricht gar von einem deutschen Samba-Fußball. Das DFB-Team mag weiterhin eine Maschine sein, aber jetzt ist es eine Maschine mit Herz."

Diário de Notícias: "Das beste Deutschland aller Zeiten: Diese Weltmeisterelf ist besser als die deutschen Mannschaften, die 1954, 1974 und 1990 den Titel holten."

Correio da Manhã: "Es galt mal wieder der alte Spruch: Beim Fußball spielen elf gegen elf, und am Ende gewinnen die Deutschen."

O Jogo: "Ein Geniestreich von Götze verhilft Deutschland zum vierten WM-Titel."

USA:

Washington Post: "Als immer mehr Deutschland zu den Favoriten zählten, erfasste ein gewisser Optimismus eine notorisch skeptische Nation. Und das explodierte heute Nacht in etwas, was man sehr selten sieht seit dem Zweiten Weltkrieg: eine Welle deutschen Stolzes."

Los Angeles Times: "Es hatte mehr Drehungen und Wendungen und fast so viel Blut wie ein Schwergewichtskampf. Aber letztlich gab einer der Kleinsten Deutschland den so lange ersehnten Titel." 

SCHWEIZ:

Neue Zürcher Zeitung: "Die Weltmeisterschaft krönt eine begabte Fußballer-Generation. Die mentale Stärke, die sich aus der Überwindung der Rückschläge ergab, gab den Ausschlag für eine Mannschaft, die fußballerisch der Konkurrenz nicht nur um einen kleinen Schritt voraus war."

Der Tages Anzeiger: "Goldene Generation, goldene Zukunft. Mit Götze auf den Gipfel. Mit Deutschland hat die Fußballwelt einen würdigen Weltmeister. Das Team von Jogi Löw hat sich diesen Höhepunkt in den vergangenen Jahren erarbeitet – und erlitten."