Kurz nach dem glorreichen Ende erhielt die deutsche Elf einen Gruß aus Amerika. Jürgen Klinsmann schrieb via Twitter: "Das beste Team hat die Weltmeisterschaft gewonnen." Da gratulierte ein Gegner.

Es war auch die Gratulation eines Freundes, eines Wegbegleiters, der den Erfolg von Rio vor zehn Jahren eingeleitet hat. Im Jahr 2004, als Klinsmann mit Joachim Löw Bundestrainer wurde, war die Nationalmannschaft gerade zum zweiten Mal nacheinander sieglos in der Vorrunde einer Europameisterschaft ausgeschieden. Der deutsche Fußball war schlecht wie nie zuvor.

Seitdem hat Löw die Nationalelf planvoll wiederaufgerichtet, zwei Jahre an der Seite Klinsmanns, acht Jahre als Bundestrainer. Er hat sein Team dabei systematisch in die Moderne geführt. Dagegen gab es zunächst Widerstand. Auch gegen das schöne, faire Spiel, das Löw liebt. Denn er gewann viele Jahre keinen Titel. In den vergangenen Turnieren scheiterte die Mannschaft stets einen oder zwei Schritte vorm Ziel. Im eigenen Land wuchs vor der WM 2014 die Zahl der Skeptiker. Liebhaber zählte die Mannschaft zunehmend im Ausland.

Nun hat Löw sein Werk vollendet. In Brasilien bewies seine Elf, dass sie sowohl erfolgreich als auch schön spielen kann. Deutschland besiegte in einer großartigen Mischung aus Spiel und Kampf Fußballnationen wie Argentinien und Frankreich, gegen Brasilien und Portugal schoss die Löw-Elf elf Tore. Zum Höhepunkt erlebte Deutschland als erstes europäisches Team einen Triumph im südamerikanischen Fußballtempel Maracanã.

Am Erfolg sind viele beteiligt. Der damalige DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder reformierte um die Jahrhundertwende die Nachwuchsausbildung, ein Grundstein für den Triumph. Die Bundesliga liefert der Nationalelf inzwischen Champions-League-erprobte Profis zu. Jürgen Klinsmann ist genannt. Hinzu kommt das aktuelle Team hinter Löw. Der Manager Oliver Bierhoff, der Torwarttrainer Andreas Köpke und Löws Assistent Hans-Dieter Flick.

Unter ihrer Führung ist eine Generation von Spielern zu Champions gereift. Löw hat am Abend des Siegs fünf genannt, die ihn seit zehn Jahren begleiten. Philipp Lahm, der Kapitän, der den WM-Pokal als Erstes in die Höhe stemmte. Miroslav Klose, der WM-Rekordtorschütze, der nach Abpfiff den Tränen nahe war. Per Mertesacker, der Abwehrspieler, der das WM-Finale als Ersatzspieler verfolgte. Sowie Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger, die unter Löw ihre einstigen Spitznamen Schweini und Poldi ablegten. Die Spieler sind ein Symbol für den Wandel der Nationalelf, ihre Freude zeigt, wie leicht der deutsche Fußball anmutet, obwohl hinter dem Erfolg harte Arbeit steckt.

Ihnen allen ist der Eintrag in die Sportgeschichtsbücher sicher, allen voran Joachim Löw. Er hat den deutschen Fußball mit Geduld und Strategie erneuert, er hat ihm Flügel verliehen und Bewunderer auf der ganzen Welt beschert. Nach 1954 dürfte der deutsche Weltmeistertitel von Rio der bedeutendste sein, sportlich war er verdient wie keiner der drei zuvor. Man darf Löw nun in einem Atemzug mit Sepp Herberger nennen.