Philipp Lahm bei einem PR-Termin © Lennart Preiss/Bongarts/Getty Images

Die Bundesliga begann mit einem scheinbar völlig normalen Fußballspiel. Bayern München gewann knapp gegen einen kämpfenden Gegner, den VfL Wolfsburg. Nach dem Spiel feierten die Sieger, die Verlierer waren enttäuscht. Doch normal war das Duell nur auf dem Platz.

Bayern gegen Wolfsburg war ein Bruderduell, ein Volkswagen-Derby. Der VfL gehört zu hundert Prozent der Volkswagen AG, die über ihre hundertprozentige Tochter Audi wiederum gut acht Prozent an der FC Bayern München AG hält. Juristen sprechen von einer Mehrfachbeteiligung.

Mehrfachbeteiligungen sind im deutschen Fußball erlaubt, doch sie bedrohen den Wettbewerb. "Innerhalb einer Liga sind Mehrfachbeteiligungen sportpolitisch höchst bedenklich", sagt der Sportrechtler Thomas Dehesselles.

Mehrfachbeteiligungen machen Vereine zu Verwandten und Verwandte können sich helfen. Wettbewerb unter Fußballvereinen findet nicht nur auf dem Rasen statt, sondern auch in der Politik und beim Wirtschaften. Etwa bei Transfers. Den Verkauf des Bayern-Profis Luiz Gustavo an Wolfsburg im Vorjahr zum Beispiel forcierte Martin Winterkorn öffentlich auf dem kurzen Dienstweg. Winterkorn ist Aufsichtsrat beim FC Bayern und gleichzeitig VW-Chef. 

Die DFL löst das Problem nicht

Es ist sogar möglich, dass ein Verein einen Spieler kauft, damit ein Konkurrent des Bruders ihn nicht bekommt. Und dass Wolfsburg von der Meinungsführerschaft des starken Bruders profitiert, ist in der Bundesliga ein offenes Geheimnis.

Helfen können Vereine sich auch in der Sponsorenakquise. Es ist von Vorteil, wenn man Preise und andere Insider-Kenntnisse aus Verhandlungen eines anderen Vereins kennt, an dem man Anteile besitzt. Wie berechnend Volkswagen bei der Sponsorensuche offenbar vorgeht, hat ein Stuttgarter Korruptionsprozess gezeigt. Ehemalige VW-Manager sollen mehrfach Zulieferer von Volkswagen zum Sponsoring beim VfL genötigt haben.

Der Deutschen Fußball Liga (DFL) ist das Problem bekannt. Vor wenigen Jahren hat sie ihr Regelwerk leicht verschärft. Inzwischen untersagt sie, dass Spieler Aktien eines anderen Vereins kaufen oder dass eine Person in zwei Aufsichtsräten sitzt. Und sie verbietet Vereinen und Kapitalgesellschaften, an anderen Kapitalgesellschaften der Bundesligen beteiligt zu sein. Doch das heißt nicht viel mehr, als dass ein Klub keine Anteile an einem anderen halten darf.

"Damit hat die DFL das Problem Mehrfachbeteiligung nur lackiert, nicht gelöst", sagt Dehesselles. Das Verbot lasse sich ohnehin leicht umgehen. Theoretisch erlaubt die DFL folgendes: Ein einziges Unternehmen beteiligt sich an allen achtzehn Bundesliga-Vereinen. Die DFL erlaubt ein Fußballkartell. "Sie sollte ihre Statuten ändern", sagt Dehesselles. Die DFL entgegnet in einer Stellungnahme: "Über eine mögliche Statutenänderung muss letztlich die Mitgliederversammlung des Ligaverbandes entscheiden."