Zur Ferienzeit vergnügen sich viele Deutsche an Seen, Flüssen und vor allem Meeren. Doch wenn sie ins Wasser gehen, kann es gefährlich werden. Jedes Jahr gibt es Dutzende Badetote, viele Schwimmer überschätzen sich. Zudem können die Deutschen immer schlechter schwimmen, weil Frei- und Hallenbäder schließen, der Schwimmunterricht an den Schulen gekürzt wird. Thomas Lurz, olympischer Silber- und Bronzemedaillengewinner, gibt deshalb Techniktipps und ein paar praktische Hinweise:

Schwimmen ist eine der wenigen Sportarten, bei der man sterben kann, wenn man sie nicht beherrscht. Vor allem, wer in Seen, Flüssen oder Meeren schwimmt, sollte wirklich gut schwimmen können. Es gibt Untiefen, wechselnde Wassertemperaturen und unterschiedliche Wasserschichten, Strömungen, Strudel, Wellen – das ist nichts für Anfänger oder Unsichere.

Die beste Technik ist das Kraulen. Damit ist man am schnellsten unterwegs. Seltsamerweise wird an unseren Schulen vor allem Brustschwimmen gelehrt. Ich empfehle, beides zu lernen. Am Besten mit einem Schwimmtrainer. Wer sich alleine Schwimmen beibringen will, bemerkt oft seine Fehler nicht, die schleifen sich dann ein. Schwimmen ist ein technisch sehr anspruchsvoller Sport.

Das Wichtigste bei jeder Stilart ist das Atmen. Sauerstoff ist wie Benzin für das Auto. Ist der Tank leer, geht nichts mehr. Beim Brustschwimmen atmet man ein, wenn der Kopf aus dem Wasser kommt. Ausgeatmet wird unter Wasser. Dazu müssen sich viele erst einmal überwinden. Eine Schwimmbrille hilft, weil man nicht dauernd die Augen schließen muss. Wer Wasser in der Nase unangenehm findet, kann Nasenklammern nutzen. Die sind mittlerweile so klein, dass man sie kaum noch sieht. Auf Dauer sind sie aber ungünstig, weil man weniger Luft bekommt.

Wer Knieprobleme hat, sollte auf Brustschwimmen verzichten. Der Beinschlag könnte Probleme bereiten. Zudem sollte man einigermaßen flach im Wasser liegen, sonst ist der Widerstand zu groß. Dabei helfen Rumpfmuskeln.

Schmetterling ist Käse

Wichtig beim Kraulen: Nicht hektisch schwimmen, sondern ruhig und langsam, sich Zeit nehmen. Das Einatmen ist das Allerwichtigste. Den Kopf weit aus dem Wasser nehmen, sodass das Wasser abfließt, ruhig bleiben, dann einatmen, den Kopf wieder zurücknehmen und ins Wasser ausatmen. Ob man bei jedem zweiten oder dritten Zug einatmet, kann jeder selbst entscheiden. Um das Atmen zu lernen, hilft ein Pullkick, eine Art Schwimmbrett. Das hält die Beine hoch, sodass man sich auf die Arme und die Atmung konzentrieren kann.

Die anderen Techniken braucht ein Hobbyschwimmer nicht. Schmetterling ist Käse, weil viel zu kraftaufwendig. Und Rückenschwimmen kommt mit dem Kraulen. Es dreht die Sache praktisch nur um. Jeder Kraulschwimmer ist auch ein guter Rückenschwimmer.

Vor dem Schwimmen sollte man sich auf keinen Fall den Bauch vollschlagen. Sonst fühlt man sich schwer, bekommt Seitenstechen. Gut wäre es, vor dem Schwimmen ein paar Schlucke zu trinken. Vor allem im Salzwasser trocknet der Körper schnell aus. Gut wären auch ein paar Aufwärmübungen: Arm- und Hüftkreisen, und wer Zeit hat, einige Minuten Bauch- und Rückenübungen.

Auf die Sonne aufpassen

Bei Profischwimmern sieht man oft, wie sie sich vor dem Start ein wenig Wasser auf die Brust schaufeln, selbst in der Halle. Für die ist das eher fürs Gefühl. Auch für Breitensportler kann das wichtig sein, damit sich Haut und Herz an die Nässe und Kälte gewöhnen. Wer einfach so in 20 Grad kaltes Wasser springt, riskiert einen Herzschock.

Überhaupt: Länger schwimmen in kaltem Wasser ist gefährlich. Man kühlt aus, die Muskulatur verkrampft, man bekommt schlechter Luft. Unter 20 Grad sollte man, wenn vorhanden einen Neoprenanzug anziehen. Ab 29 Grad wird es wiederum sehr warm. Dann vorher genügend trinken, weil der Flüssigkeitsverlust sehr hoch ist. Auch im Wasser schwitzt man.

Auch auf die Sonne sollte man aufpassen. Das Wasser wirkt wie ein Brennglas. Am besten Sonnencreme mit dem höchsten Lichtschutzfaktor benutzen und 30 Minuten vorher einschmieren. Alkohol ist ein NoGo, das sollte klar sein.

Das Gefühl, im Freiwasser zu schwimmen, ist natürlich toll. Das macht mehr Spaß als im Hallenbad. Aber: Dafür sollte man wirklich gut schwimmen können. Besser immer in Ufernähe bleiben, im Meer zum Beispiel parallel zum Strand schwimmen. Und dort auf Jetskis und Boote aufpassen. Am besten eine leuchtende Badekappe aufziehen, vor allem, wenn man alleine schwimmt.

"Sich nicht von den Wellen verrückt machen lassen"

Ein weiteres Problem können Wellen sein. Man sollte immer cool bleiben und sich nicht von den Wellen verrückt machen lassen. Nicht in Panik verfallen oder dagegen ankämpfen, die Wellen und das Meer haben mehr Kraft als wir. Durch Brandungswellen, also solche, die brechen, kann man durchtauchen, das funktioniert gut. Weiter draußen geht das nicht mehr. Wichtig ist, nicht die Orientierung zu verlieren. Ich muss immer wissen, wo ich herkomme, wo ich bin und wohin ich will. Am besten umschauen, wenn man oben auf einem Wellenkamm schwimmt. Im Tal sehe ich nur die nächste Welle.

Auch ohne Wellen gilt: Nie losschwimmen und erst nach 200 Zügen schauen, wo man ist. Man hat sich dann oft verschwommen, weil man Strömungen nicht immer bemerkt. Jeden fünften oder sechsten Zug hochschauen und gucken, wo man ist. Man kann auch gerade schwimmen üben, im Schwimmbad. Einfach mal die Augen schließen und schauen, wo man rauskommt. Meistens ist das irgendwo anders als gedacht, weil ein Arm mehr Kraft hat als der andere.

Keine schlabbrigen Badehosen

Weitere Hindernisse sind Quallen, die gibt es überall auf der Welt. In der Ostsee tun sie nichts, einfach drüber schwimmen, das ist nur glitschig. Wer in Australien eine Qualle sieht, sollte machen, dass er wegkommt. Das kann lebensgefährlich sein. Das sollte klar sein: Je exotischer die Ausflugsziele, desto besser muss ich informiert sein. Es ist ein Unterschied, ob ich in den Bodensee oder den Amazonas springe.

Fehlen noch die Hilfsmittel: Wer einigermaßen schwimmen will, sollte eine enge, klassische Badehose anziehen. Alles was schlabbert, ist unnötiges Gewicht, saugt sich voll Wasser und zieht nach unten. Wir Leistungsschwimmer benutzen weite Hosen und T-Shirts nur zum speziellen Krafttraining. Für Frauen ist ein Badeanzug wohl angenehmer als ein Bikini. Und ganz wichtig: Eine Schwimmbrille ist Grundausstattung. Und ja, der beste, sogar der einzige Trick, gegens Beschlagen ist das gute alte Reinspucken.

Protokoll: Christian Spiller