Nick Heidfeld vom Venturi Formula E Team beim ersten Rennen der neuen Öko-Serie in Peking © How Hwee Young/picture alliance/dpa

Eigentlich hätte die neue Technik im Mittelpunkt stehen sollen, aber dann machte bei der Premiere der neuen Motorsportserie Formel E in Peking doch erst einmal ein spektakulärer Unfall die großen Schlagzeilen. Die Bilder vom mehrfachen Überschlag von Nick Heidfeld gingen um die Welt. Der wurde von Nicolas Prost, dem Sohn des viermaligen Formel-1-Weltmeisters Alain Prost, im Kampf um den Sieg in der allerletzten Kurve der allerletzten Runde abgeschossen.

Vielleicht nicht unbedingt die Art von Publicity, auf die die Macher der neuen "Formel grün", die Ökologie und Motorsport verbinden will, ursprünglich gesetzt hatten. Aber man nimmt, was man bekommt: Zu 40 Millionen Live-TV-Zuschauern weltweit kamen so sicherlich noch viele Millionen andere, die durch die Crashbilder zum ersten Mal von der Existenz der Formel E erfuhren. Und auch zu der einen Milliarde Internetkontakte, auf die man am ersten Renntag so stolz war, trug der glücklicherweise glimpflich ausgegangene Unfall mit Sicherheit bei.  

Der Formel-E-Mitbegründer Alejandro Agag, ein Spanier, der sich zuerst einmal natürlich bei Nick Heidfeld erkundigt hatte, ob bei ihm auch wirklich alles okay sei, konnte danach sogar sagen: "Fernsehtechnisch war das das Beste, was der Formel E passieren konnte. Und es hat gezeigt, wie sicher unsere Autos sind! So hat es zum Beispiel auch keinerlei Probleme mit den Batterien gegeben, keine Überhitzung, auch nirgendwo Überspannungen, trotz des heftigen Aufpralls."

Keine Konkurrenz zur Formel 1

Solche Bedenken kommen ja ansonsten immer wieder auf, wenn von Elektroantrieb die Rede ist. Und im Gegensatz zu den Formel-1-Rennern mit ihrer Hybridtechnik, die am kommenden Wochenende durch Singapur rasen, ist die Formel E rein elektrisch unterwegs. In der Formel 1 dient der Hybridantrieb über die verschiedenen Energierückgewinnungsysteme nur als "Zusatz" zu den neuen 2,6-Liter-Turbomotoren, die pro Rennen trotzdem immer noch um die 130 Liter Sprit verbrauchen. In der Formel E sind die Autos mit reinen batteriebetriebenen Elektromotoren unterwegs. Die kleinen, nur etwas über 20 Kilo schweren Triebwerke, die von der Rennsport-Großmacht McLaren entwickelt wurden, leisten maximal 272 PS, im Rennen allerdings im Moment nur 202, weil die von einem weiteren Formel-1-Team, Williams, entwickelten Batterien sonst nicht lange genug halten würden. 

Auch so sind die Rennen derzeit nur 50 Minuten lang – und werden mit zwei Autos gefahren. Nach der Hälfte der Distanz müssen die Fahrer an die Box kommen und umsteigen, ein Batteriewechsel oder neues Aufladen würde zu lange dauern. "Aber wir sind ja erst am Anfang – gerade im Bereich Batterieladekapazitäten wird sich mit Sicherheit in nächster Zeit viel tun", sagt Agag, "und es ist natürlich das Ziel, so auch für die Serienentwicklung einiges voranzubringen". 

Der Automobil-Weltverband Fia steht voll hinter der neuen Rennsport-Kategorie. Der Präsident Jean Todt kam selbstverständlich zur Premiere nach Peking und zeigte sich sehr angetan. "Die Formel E ist ein sehr wichtiger Faktor in unserem Meisterschaftsprogramm."  Einig ist er sich mit Agag darin, "dass die Formel E keine Konkurrenz zur Formel 1 sein soll und kann, sie soll viel eher eine Ergänzung zur Formel 1 sein". Man dürfe an die Formel E einfach nicht mit dem klassischen Rennsportverständnis herangehen – schließlich ist sie auch für ein anderes Zielpublikum als die "normalen" Motorsportfans konzipiert.

Zwar sehen die Autos bis auf ihre 18-Zoll-Räder zumindest für Laien auf den ersten Blick gar nicht so anders aus als ein Formel-1-Renner. Aber ansonsten ist vieles anders: Statt Motorenlärm hört man nur noch ein Sirren, dafür werden die Rennen aber von DJs mit Techno-Rhythmen begleitet. Die Strecken liegen in den Zentren großer Städte, von Peking über Buenos Aires und Miami bis Monaco, Berlin und London. Alles ist als große Show für die gesamte Familie geplant, mit niedrigen Eintrittspreisen, teilweise sogar komplett kostenlos für die Fans.