Bumm, bumm. Vor dem Anpfiff erklangen sie wieder, die Schalker Pauken. Wie vor jedem Spiel standen zehn Schalke-Fans den Spielern während ihrem Einmarsch auf den Rasen Spalier und hauten ordentlich auf die dicken Trommeln, die an ihren Bäuchen hingen. Es ist kein Instrument für Sechzehntelnoten und andere Verästelungen, aber ein donnerndes, mitreißendes.

Die Pauken gaben den Takt für das Spiel vor. Das Derby, das Schalke 2:1 gewann, war laut, hart und stimmungsvoll, körperlich und leidenschaftlich. Es zeigte, warum "die Mutter aller Derbys", wie es der Fußballjargon will, eines der Highlights jeder Bundesligasaison ist. Diese Mutter lebt. Es gab auch Dinge zu bemängeln, doch dazu später.

Beide Teams zeigten sofort ihren Einsatzwillen. Schon in der ersten Szene floss Blut. Łukasz Piszczek prallte an einen Gegner, musste mit einer Platzwunde vom Feld, wurde an der Stirn getackert – und weiter ging es. In der Folge sah man viele Zweikämpfe. Neven Subotić oder Mats Hummels stemmten sich in Luftduelle mit Klaas-Jan Huntelaar, Joel Matip jagte Adrián Ramos manchmal bis zurück ins Mittelfeld.

Das Spiel war auch deswegen so intensiv, weil Schiedsrichter Peter Gagelmann für deutsche Verhältnisse ungewöhnlich großzügig über Fouls und Fehler hinwegsah. In einer Szene in der zweiten Halbzeit mit Matip und Ramos war er vielleicht sogar zu großzügig: Da hätte der BVB einen Elfmeter bekommen können, entsprechend fuchtelte der Trainerstab auf der Dortmunder Bank mit den Armen.

Und Tempo war drin. Der Dortmunder Torschütze Pierre-Emerick Aubameyang brachte Rasanz ins Spiel, der Schalker Torschütze Eric Maxim Choupo-Moting zudem Geschick. Spannend war es bis zum Ende. Die Dortmunder versuchten alles, sie boten einen Kampf. "In der zweiten Halbzeit haben wir Schalke wundgelaufen", sagte Jürgen Klopp nach dem Spiel. Doch Schalkes Abwehr hielt. 

Bumm-Bumm-Stimmung

Auch die Stimmung war bumm-bumm. Im Stadion wurde es noch lauter als sonst in der Gelsenkirchener Arena. Als die Schalke-Fans gegen Ende der Partie merkten, dass ihrer Mannschaft die Kraft ausging, steigerten sie ihre Anfeuerungsgesänge noch einmal. Nach dem Abpfiff gab es wieder das Pauker-Spalier für die Siegerelf, Hand in Hand verneigten sich die Spieler vor den Fans. Und in der Straßenbahn sangen die königsblauen Fans "Derbysieger" und Sachen über die Eltern der Dortmunder.

Dem Spiel gingen viele Feinheiten abhanden, die den Fußball ausmachen. Der Spielaufbau beim BVB sah oft so aus: langer Pass aus der Abwehr auf einen Stürmer. Klopp sagte, er habe "mit relativ einfachen Mitteln hinter die letzte Linie der Schalker" kommen wollen. 

Das klappte sogar manchmal, aber das 4-4-2-System der Dortmunder wirkte bisweilen so old school, wie es klingt. Ein Tor wollte die Borussia vor allem mit Flanken, Ecken, Fernschüssen, sogar Kick and Rush erzielen. Eine Aktion über das offensive Zentrum, der Zehner-Position, gelang ihnen fast nie.