ZSKA-Fans beim Spiel gegen Viktoria Pilsen im Dezember 2013 © Matej Divizna/Getty Images

Ein Déjà-vu. Das ist die diesjährige Champions-League-Saison des FC Bayern. Vor zwei Wochen der erfolgreiche Auftakt gegen die Vorjahresbekanntschaft Manchester City. Am Dienstag nun die Auswärtspartie bei ZSKA Moskau, einem weiteren Gruppengegner aus der vergangenen Saison (ab 18 Uhr im Live-Ticker von ZEIT ONLINE). Und wie im November 2013 sorgen auch in diesem Jahr die äußeren Rahmenbedingungen für Schlagzeilen. 

Die Bayern müssen vor leeren Rängen spielen. So hat es die Uefa beschlossen, weil die Fans von ZSKA beim Auswärtsspiel gegen Viktoria Pilsen zum wiederholten Male rassistische und diskriminierende Symbole zeigten. Vor einem Jahr schloss die Uefa für die Partie gegen die Bayern eine Tribüne, als Reaktion auf die rassistischen Beleidigungen einiger russischer Fans gegen Yaya Touré, den Profi von Manchester City.


Damals drohte der ivorische Nationalspieler mit einem Boykott der in Russland stattfindenden WM 2018. "Wenn wir uns bei der WM nicht sicher fühlen, kommen wir nicht nach Russland", sagte Touré damals. "Wir", das waren afrikanische Fußballspieler. Die Funktionäre von ZSKA bezichtigten Touré der Lüge. Die Vorwürfe seien frei erfunden, hieß es in mehreren Stellungnahmen aus der russischen Hauptstadt. Reaktionen, die einerseits den Verein vor einer Strafe schützen sollten, anderseits aber auch das Verhalten der russischen Fußballfunktionäre widerspiegelten, wenn es um Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in den Stadien zwischen Rostow und Wladiwostok ging.

Über Jahre sahen sie mit Desinteresse zu, wie rechtsgerichtete Ultras das Geschehen auf den Tribünen zu dominieren begannen – und es zum Teil noch heute tun. Als es am vorletzten Wochenende beim Moskauer Stadtderby zwischen Torpedo und Dynamo zu rassistischen Ausfällen kam, machte der Torpedo-Präsident nicht den eigenen Ultras Vorwürfe, sondern dem ehemaligen Hertha-Profi Christopher Samba, der aus Protest nicht zur zweiten Halbzeit antrat.

Die Ergebnisse des jahrelangen Wegschauens:

Fratria, die Ultra-Gruppierung von Spartak Moskau, feierte 2009 während eines Ligaspiels mit einem Hakenkreuzbanner und der Aufschrift "Herzlichen Glückwunsch, Opa" den 120. Geburtstag von Adolf Hitler. Ein Jahr später lösten die Ultras des Moskauer Traditionsvereins fremdenfeindliche Unruhen aus, die in der russischen Hauptstadt mehrere Tage lang andauerten.

Landscrona, der größte Fanclub von Zenit St. Petersburg, sprach sich 2012 in einem Manifest gegen homosexuelle und dunkelhäutige Spieler in den Reihen des Vereins aus. Eine Einflussnahme auf die Transferpolitik, der sich die Verantwortlichen des Gazprom-Vereins lange beugten. "Ich würde gerne einen schwarzen Spieler verpflichten, aber die Fans wollen keinen", erklärte im Mai 2008 der damalige Zenit-Trainer Dick Advocaat in einem Interview. Aus Furcht vor den fremdenfeindlichen Fans verzichtete der französische Mittelfeldspieler Yann M’Vila im Sommer 2012 auf einen Wechsel nach St. Petersburg.

Dass die Befürchtungen des mittlerweile bei Inter Mailand spielenden Profis nicht unberechtigt waren, zeigen unter anderem die Erfahrungen des nigerianischen WM-Teilnehmers Peter Odimwingie. Als der 2010 von Lokomotive Moskau zu West Bromwich Albion wechselte, feierten die Lokomotive-Ultras den Transfer mit einem rassistischen Transparent, auf dem eine Banane sowie die Worte "Thanks West Brom" zu sehen waren. Dass Odimwingie eine russische Mutter hat, in Moskau aufgewachsen ist und für Lokomotive in 74 Pflichtspielen 20 Tore erzielte, spielte für die Ultras keine Rolle.  

Auch Kevin Kuranyi, ehemaliger deutscher Nationalspieler und seit 2010 bei Dynamo Moskau aktiv, berichtet immer wieder vom Rassismus in Russlands Stadien. Erst am vergangenen Wochenende seien in der Partie gegen Torpedo Moskau die dunkelhäutigen Spieler seines Teams von gegnerischen Fans provoziert worden. "Das ist zum Verzweifeln, diese dummen Leute kriegst du nicht los", sagte Kuranyi der Welt am Sonntag. "Mich erschüttert das immer wieder. Wir leben im Jahr 2014, solche Sachen dürfen einfach nicht mehr passieren."

Konsequenzen hatte keiner der genannten Fälle. Ebenso wenig wie die zu jedem Spieltag gehörenden Affenlaute oder die in den Kurven offen gezeigten rassistischen und fremdenfeindlichen Symbole.