Vor dem Spiel der Bayern in Moskau kursierten Bilder von Pep Guardiola und Arjen Robben, wie sie, in Decken vermummt, vor einem Hotel in Moskau stehen. Der Fan liebt solche seltenen Einblicke. In dem Fall war es höhere Gewalt, wegen eines Bombenalarms mussten die Bayern vor die Tür.

Noch spannender kann es sein, wenn ein Insider darüber berichtet, was hinter der Tür passiert. So wie im April 2008, als der FC Bayern zu einem Uefa-Cup-Spiel nach Sankt Petersburg reiste. Damals erfuhr man auf Focus Online von einem gewissen Moritz Rodach: "Zum Abflug sind die Spieler einzeln zum Flughafen gekommen, nicht mit dem Bus – wie früher üblich. Die Spieler fahren alle Audis mit dem Kennzeichen M für München und RM für Rekordmeister, dahinter als Ziffern die jeweilige Rückennummer." Wie kam Focus Online an die heißen Informationen? Warum war der Redaktion die Nennung der Autofirma wert, die seit 2002 Sponsor beim FC Bayern ist?

Seit September dieses Jahres, als in Hamburg die Hörfunksender den Deutschen Radiopreis verliehen, hat man eine Antwort auf diese Fragen. Auf der Gala war von Moritz Rodach die Rede. Erwähnt wurde er von Patricia Riekel, der Lebensgefährtin des Focus-Herausgebers und Privatradiopioniers Helmut Markwort, der an diesem Abend mit einem Sonderpreis bedacht wurde. In einem Einspieler sagte Riekel, Markwort kommentiere daheim begeistert Fußballspiele. Er nenne sich – genau – Moritz Rodach.

Gewaltiges Angebot an Wodka

Das ist heikel, jedenfalls dann, wenn Moritz Rodach und Helmut Markwort tatsächlich identisch sind. Denn Markwort ist seit 1992 Mitglied im Verwaltungsbeirat des FC Bayern München e.V. Seit 2003 sitzt er im Aufsichtsrat der FC Bayern München AG, deren Anteilseigner Audi 2010 wurde. Zur Zeit der Veröffentlichung war Markwort Chefredakteur des Focus. Ein klarer Rollenkonflikt.

Verbirgt sich hinter Moritz Rodach Helmut Markwort? Ein Sprecher des Verlags Burda antwortet auf eine Anfrage: "Momentan ist Herr Markwort auf Reisen und nicht erreichbar." Aussagen aus der Focus-Online-Redaktion in München lassen jedoch keinen Zweifel. Noch zwei Indizien, die das anscheinend bestätigen: Markwort verbrachte in der oberfränkischen Stadt Rodach (heute Bad Rodach) einige Jahre seiner Kindheit. Und Moritz heißt sein Sohn.

Auch in Moritz Rodachs drei Texten, die er aus Sankt Petersburg schrieb, findet man Andeutungen. "Vorne in Reihe 1", heißt es, "haben Bayerns Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber und Frau Karin Platz genommen." Stoiber ist ebenfalls Aufsichts- und Verwaltungsrat des FC Bayern. Er bekam in Sankt Petersburg einiges geboten, schreibt Moritz Rodach: "60 Kanäle und Flüsse fließen durch die Stadt. Deshalb sind Gäste, Sponsoren und Vereinsvertreter mit dem Boot zum Essen chauffiert worden. Die Tapferen unter ihnen haben dem gewaltigen Angebot von Wodka widerstanden." Dass es Abstinenzler gab, kann eigentlich nur jemand wissen, der am Tisch saß. Ein Aufsichtsrat zum Beispiel.