7:1, FC Bayern, Glückwunsch! Chelsea, 6:0, stark! Und ein Lob auch für Schachtar Donezk, 7:0. Was für ein historischer Dienstagabend in der Champions League, noch nie sind an einem Abend so viele Tore gefallen. Eigentlich ein Grund zur Freude, um Tore geht es doch im Fußball.

Doch was vordergründig nach Spektakel aussieht, ist in Wahrheit todlangweilig. Und zeigt ein strukturelles Problem im europäischen Fußball: Er ist eine Klassengesellschaft.

Die Champions League wird als Königsklasse beschrieben, doch die Könige treffen erst im Frühjahr aufeinander. Bis dahin spielen sie in einer endlos lang erscheinenden Gruppenphase gegen Europas Bettelmänner. Gegen Teams wie Bate Borissov und NK Maribor, die eigentlich nur mitspielen dürfen, damit die großen Teams auch oft genug spielen. Mehr Spiele bedeuten mehr TV-Gelder, mehr Zuschauereinnahmen, mehr Sponsoringgeld, mehr verkaufte Trikots.

Sensationen ausgeschlossen

Mit diesem Geld bauen die großen Clubs ihren Vorsprung aus, basteln am nächsten 7:1. Wer viel hat, dem wird gegeben. Jeder Laie könnte erraten, welche Clubs das Achtelfinale erreichen, er braucht nur die Marktwerte der Kader vergleichen. Mehr als einen Ausreißer gibt es kaum. So bildet sich eine geschlossene Gesellschaft, ein Zirkel der Superreichen. Die spielen den Titel unter sich aus. Die stehen am Ende immer vorne (übrigens auch in ihrer heimischen Liga). Sensationen sind so gut wie ausgeschlossen.

Alle 20 Finalisten aus den vergangenen zehn Champions-League-Jahren stammen aus England, Spanien, Deutschland oder Italien. Von den letzten 40 Halbfinalisten dieser Zeit sind es 38. Dass der FC Bayern, Real Madrid oder der FC Barcelona mal in der Vorrunde ausscheiden: Undenkbar!

Bevor die Champions League mit ihrem Gruppenmodus eingeführt wurde, war das anders. In den Jahren 1983 bis 1993 kamen die elf Titelträger aus neun verschiedenen Ländern.

Stellschrauben, wieder einen ähnlich spannenden und abwechslungsreichen Wettbewerb hinzubekommen, gäbe es genug: Die Setzlisten zur Gruppenphase abschaffen zum Beispiel. Die verhindern, dass Favoriten schon früh aufeinander treffen. Radikaler: Die Gruppenphase abschaffen, gleich mit der K.O.-Runde beginnen, mit Hin- und Rückspiel. Das gäbe mehr Überraschungen. Weil es wesentlich wahrscheinlicher ist, dass eine kleine Mannschaft sich in zwei Spielen durchsetzt als in sechs Gruppenspielen. Durch die Gruppenphase wird der Zufall, ein wichtiger Teil des Fußballs, nivelliert. Dabei bräuchte er mehr Raum, um das Produkt für den neutralen Zuschauer attraktiv zu halten.

Warum nicht nur die Meister?

Doch der Uefa scheint die jetzige Situation zu gefallen. Sie möchte als Veranstalter der Liga möglichst zuverlässig und lang die ganz großen Clubs dabei haben. Nur die lassen sich ordentlich vermarkten, nur die garantieren ordentliche Einnahmen. An eine Umverteilung dieser Einnahmen unter den Champions-League-Teilnehmern, um die Vorrunde sportlich attraktiver zu machen, wird derzeit wohl nicht gedacht.

Oder wie wäre es, wenn man die Champions League beim Namen nimmt und nur die Mannschaften mitspielen lässt, die in ihrem Land auch wirklich Meister geworden sind? 16 von 32 Mannschaften der diesjährigen Runde müssten dann zu Hause bleiben.