Ralf Buchterkirchen ist Anhänger von Hannover 96. Seit 2008 geht er ins Stadion, zuletzt aber nicht mehr so gerne. Ihn stört die Bundeswehr-Werbung.

Jeweils 65.000 Euro war es der Bundeswehr in den vergangenen beiden Jahren wert, mit Werbebanden, Anzeigen im Stadionheft und kurzen Videoclips auf der Anzeigetafel in der Hannoveraner Arena vertreten zu sein. Keinem Verein überwies die Bundeswehr im vergangenen Jahr mehr. "Das hat im Stadion nichts verloren, denn Werben für das Militär ist Werben für das Töten", sagt Buchterkirchen. "Werte wie Gemeinschaft und Kameradschaft, die den Fußball charakterisieren, werden gezielt für das Militärische ausgenutzt."

Buchterkirchen ist einer der Bundessprecher der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsdienstgegner (DFG-VK) und schreibt auf seinem Blog gegen Militarismus und Rassismus. Seine Kritik an der Bundeswehr-Werbung mag nicht überraschen, doch er ist nicht allein. Die Leute, die neben ihm im Hannoveraner Stadion sitzen, seien der gleichen Meinung, sagt er.

Der Rest nimmt es schweigend hin. Als Werbepartnerschaft, die dem Verein Geld bringt. In Stadien wird zwar auch für Alkohol und Sportwetten geworben. Doch das Geschäft der Bundeswehr ist doch etwas ernster, das zeigen vor allem die Auslandseinsätze.

Gerade für kleinere Clubs wichtiger Werbepartner

Seit die Wehrpflicht im Juli 2011 abgeschafft wurde, steht die Bundeswehr im Wettbewerb um Nachwuchskräfte mit anderen Unternehmen des Landes. 2010 investierte die Bundeswehr noch rund 19.000 Euro in die "Sportkooperationen". Im vergangenen Jahr waren es fast 500.000. "Besonders im Sport erreichen wir die junge Zielgruppe", sagt ein Bundeswehr-Sprecher, "wir müssen deshalb früh genug ansetzen".

Partner der Bundeswehr sind Erstliga-Teams aus dem Fußball (Hannover), Handball (SG Flensburg-Handewitt und Reinickendorfer Füchse) und Volleyball (VfB Friedrichshafen). Auch im Amateursport ist die Bundeswehr aktiv. Mit dem Berliner Fußballverband kooperiert sie ebenso wie mit zahlreichen kleineren Vereinen. Der Verbandsligist Rostocker FC erhält etwa 5.500 Euro für eine vielfältige Bundeswehrpräsentation auf Shirts und Taschen des Vereins. Das hat Konsequenzen: Eine linksalternative Punkband zog sich als Rostocker Vereinssponsor zurück. Ins Gerede kam die Unterstützung auch, weil Rostocks Trainer Marineoffizier ist und seine Kontakte spielen ließe. Die Bundeswehr aber bestreitet einen Zusammenhang von Sponsoring und Einzelpersonen. 

Das Sponsoringprogramm der Bundeswehr ist breit gefächert. Mal sind es kleinere Vereine, wie in diesem Jahr der Motorsportclub Flöha, mal bekam Hertha BSC 127.000 Euro. Im Amateur-und Breitensport achtet sie offenbar genau darauf, in welcher Region und in welcher Sportart sie Partnerschaften schließt. Dabei seien auch "betriebswirtschaftliche Paramater" relevant, heißt es aus der Bundeswehr. Der Fußball-Landesligist FV Lörrach-Brombach etwa wird mit 11.600 Euro unterstützt. Viel Geld für einen Siebtligisten. Ein Sprecher der Bundeswehr erklärt, man sei als Arbeitgeber in der Region um Lörrach weitgehend unbekannt. "Zusammen mit der großen Jugendabteilung haben wir einen hohen Multiplikatoreneffekt", sagt er. 

Zielgruppe: Junge Menschen bis 25 Jahre

Beim FV Lörrach-Brombach möchte sich niemand über das Sponsoring der Bundeswehr äußern. Der Verein verweist für Auskünfte auf die Bundeswehr. Die ist mit dieser Summe in Lörrach ein wichtiger Werbepartner. Gerade bei kleineren Clubs ist der Bedarf an finanzstarken Unterstützern wie der Bundeswehr groß.  

Die Bundeswehr macht in Lörrach nicht nur mit Bandenwerbung auf sich aufmerksam, sondern auch mit Informationsständen. Kinder und Jugendliche werden gezielt über Arbeitsmöglichkeiten bei der Bundeswehr aufgeklärt. Ähnlich wie bei den Veranstaltungen der Bundeswehr in Schulen, die von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft heftig kritisiert werden. Bei sechs weiteren Vereinen steht die Bundeswehr deutschlandweit regelmäßig mit einem Infostand. Ziel seien vor allem junge Menschen bis 25 Jahre, so heißt es.