Bayerns ehemaliger Präsident Kurt Landauer © BR/FC Bayern München AG

In München gibt es einen Kurt-Landauer-Weg. Im Stadtteil Fröttmaning, die Rettungszufahrt zur Allianz Arena. In der FC Bayern Erlebniswelt, dem Vereinsmuseum, ist Landauer eine große Ausstellung gewidmet. Und mit der App LandauerWalk kann man dem Leben des ehemaligen Präsidenten nachspüren. Das ist typisch für die Bayern: Die App, der Weg, die Ausstellung und jetzt auch noch ein Film in der Primetime (Mittwoch, 20:15 Uhr, ARD) für einen Mann, der mehr als 50 Jahre lang vom Mia-san-mia-Verein vergessen wurde.

Kurt Landauer führte den FC Bayern zwischen 1913 und 1951 mit Unterbrechungen 18 Jahre lang als Präsident. Die Bayern wurden 1932 nur deshalb zum ersten Mal Deutscher Meister, weil Landauer den Verein gegen den Widerstand des DFB international ausgerichtet hatte. Seltsam, dass Landauer den traditionsbewussten Bayern lange Zeit nur Randnotizen wert war. Ein paar Zeilen in der Festschrift zum 100. Vereinsjubiläum, das war alles. Uli Hoeneß äußerte sich 2003 kurz und knapp zu Landauer: "Ich war zu der Zeit nicht auf der Welt."     

Landauer wurde am 28. Juli 1884 in Planegg bei München geboren. Die jüdischen Eltern waren Kaufleute und betrieben ein Bekleidungsgeschäft in der Münchner Innenstadt. Die Familie hatte Geld und war gut vernetzt. Das hilft ihm später, Sponsoren zu finden. Dem FC Bayern trat Landauer 1901 als 17-Jähriger bei. Er spielte selbst, 1913 wurde er zum ersten Mal Präsident. Im Ersten Weltkrieg ließ er das Amt ruhen, kämpfte für Deutschland.

Nach dem Krieg kehrte er zurück und verkaufte wieder Anzeigen für die Neuesten Münchner Nachrichten. 1919 wurde er erneut Präsident des FC Bayern. Im Film sagt er: "Ich bin a Jud und a Bayer." Im München der Weimarer Republik war das ein Nachteil. 

In diesen Jahren gründete sich dort die NSDAP und rekrutierte ihre ersten Anhänger. "Antisemitisch verseucht" sei die Stadt damals schon gewesen, sagt der Historiker Dietrich Schulze-Marmeling. Er hat sich in mehreren Büchern mit der jüdischen Vergangenheit des FC Bayern beschäftigt. Der Verein war damals besonders, gab allen die gleichen Aufstiegschancen. In einer Zeit, in der die ersten Juden vertrieben wurden, war das die Ausnahme. Weitere jüdisch geprägte Vereine waren Eintracht Frankfurt und der 1. FC Nürnberg.        

"Der DFB auf dem Kriegspfad"

Landauer war ein Visionär: Er reformierte die Nachwuchsarbeit und organisierte Testspiele gegen internationale Mannschaften. Er lud Teams aus Budapest, Prag und Wien nach München ein, gegen die es hohe Niederlagen setzte. Das war ihm aber nicht so wichtig: Diese Teams spielten nicht den englischen Kick-and-Rush-Stil, sondern setzten auf kurze Pässe und dienten Landauer als Vorbild für seinen FC Bayern. Eher investierte er in den Kader als in ein Stadion. Er holte jüdische Spieler aus Ungarn und Tschechien. "Viele Themen, die heute bei den Vereinen diskutiert werden, sprach Landauer auch an", sagt Schulze-Marmeling. Der FC Bayern von Kurt Landauer spiegelte das Künstlerviertel Schwabing des damaligen München wieder, der Heimat der Bayern.                 

So viel Professionalität stieß beim DFB auf Widerstand. Landauer befürwortete gegenüber dem DFB den Berufsfußball. Es gab Streit. Der DFB sah Fußball als Amateursport und verbot internationale Transfers. Ein Beschluss, der klar gegen die Bayern gerichtet war. In Österreich gab es ab 1924 die ersten Profis, in Ungarn ab 1926. In Deutschland zahlten viele Vereine damals ihren Spielern illegale Gehälter. Erst 1932, als die Nationalmannschaft immer schlechter wurde, beschloss der DFB die Einführung einer Profiliga in Deutschland.

"Unsere oberste Behörde setzt sich über ihre Vereine hinweg, geht unbeirrt eigene Wege, gleichwohl ob die Vereine dabei Schaden erleiden", schrieb Landauer 1925 in der Vereinszeitung unter dem Titel Der DFB auf dem Kriegspfad. Man kann sich Landauer gut als tobenden Vorgänger von Uli Hoeneß vorstellen, "Landauer konnte sehr bestimmt sein", sagt Dietrich Schulze-Marmeling.