Wann wird RB Leipzig Deutscher Meister? Vorsichtig geschätzt wird der Verein in fünf Jahren der größte Konkurrent der Bayern sein. Vielleicht ja der einzige, schaut man gerade nach Dortmund und Schalke. Manch Rivale schimpft, den Fans graut es, viele boykottieren Leipzig. Wer Dietrich Mateschitz kennt und das Geld zählt, das er in den Fußball steckt, weiß: Der meint es ernst mit dem Großangriff auf die Bundesliga, ihrer Spannung dürfte es gut tun.

Der jüngste Schritt: Volkswagen und Porsche steigen als Sponsor bei RB Leipzig ein. Wie viel sie das kostet, ist unbekannt. Doch für RB ist das Geld zweitrangig. Einer fetten Gans muss nicht der Arsch geschmiert werden. Geld hat Mateschitz genug, im Vergleich mit ihm sind die Bayern arm.

Der Vertrag hilft Red Bull in anderer Hinsicht. Volkswagen und Porsche sagen damit: Wir haben keine Angst vor nachteiligen Effekten durch Werbung mit dem ungeliebten Club. Und Leipzigs Sportdirektor Ralf Rangnick darf nun behaupten: Seht her, wir werden akzeptiert! Wir fahren die selben Autos wie alle. Den Trick kennt er aus Hoffenheim, wo man gerne Sponsoren präsentierte – die vermutlich niedrige Summe ihres Engagements aber verschwieg. Normalerweise wirbt ein Unternehmen mit einem Verein, in Hoffenheim lief das eher umgekehrt.   

Auch der "Dosenclub" Leipzig will auf diesem Weg ein normaler Fußballverein werden. Bis vor kurzem war ja nicht mal sicher, ob er überhaupt Profifußball spielen darf. Zu offensichtlich umgeht der Verein Statuten, zu spürbar ist er ein Marketing-Instrument für Limonade. Das stört andere, sogar der Bayern-Vorstand Karl-Heinz Rummenigge kritisiert Red Bull. Die Investitionen schaden dem fairen Wettbewerb, sagt er.

Weil ihr Verein umstritten ist, brauchen Mateschitz und Rangnick Tünche. Viele halten ihnen Aufbau Ost zugute, dabei wollte Mateschitz ursprünglich nach Düsseldorf. Sie sagen, dass sie Talente aus der Region fördern. Doch wie lange sie sich daran halten, zeigt sich vielleicht schon in der Winterpause. Ob RB dann wieder Spieler zwischen den Filialen Salzburg und Leipzig hin- und herschiebt? Und manches Talent soll in der Zweiten Liga bereits sehr viel verdienen.

Wie könnte sich Red Bull besser etablieren als mit einem Autosponsor, dem üblichen Modell in der Bundesliga? Wie könnte Red Bull normaler werden als mit Volkswagen? Der Milliardenkonzern hat im deutschen Fußball ein kleines Kartell aufgebaut. Er ist Großsponsor beim FC Schalke, bei Werder Bremen, Hannover 96, Eintracht Braunschweig, 1860 München oder dem MSV Duisburg.

Der Volkswagen AG gehören sogar Vereine: der VfL Wolfsburg ganz, der FC Bayern München zu einem Zwölftel, der Zweitliga-Spitzenreiter FC Ingolstadt zu einem Fünftel. Transfers werden schon mal auf dem kleinen Dienstweg besprochen. Und am Montag hat ein Gericht erneut bestätigt: Auf Sponsorsuche hielt sich Volkswagen nicht immer an Gesetze. Die DFL stört sich nicht an dieser Art der Korruption und sie erlaubt Mehrfachbeteiligungen. Obwohl beides zu Lasten anderer Vereine geht.

In Leipzig treffen sich nun die zwei Problemfälle der Liga. Damit gehört Red Bull zur Familie, hinter RB Leipzig steht auch VW. Der Super-Deal, der alles ändert, ist das nicht. Doch dem Vorstand des Audi-Clubs Bayern Rummenigge wird Kritik an Red Bull künftig wohl schwerer fallen. Dank den neuen Partnern, hoffen Mateschitz und Rangnick, wird das Geschrei der Konkurrenz über den Meister RB Leipzig in ein paar Jahren nicht mehr ganz so laut sein.