Wir Australier hatten einen Traum. Wir wollten die Welt bei uns begrüßen und als Gastgeber der WM 2018 oder 2022 dem heimischen Fußball einen Schub verleihen. Für den "strategischen Rat" unserer drei internationalen Berater, Fedor Radmann, Andreas Abold und Peter Hargitay, zahlten wir ohne Nachfragen mehr als umgerechnet zehn Millionen Euro Steuergeld. Einige Mitglieder der Fifa-Exekutive hatten uns vor der Wahl im Jahr 2010 versichert: "Ihr habt meine Stimme." Und in der Wahl erhielten wir gerade mal eine einzige, Russland und Katar gewannen. Wir waren offenbar sehr naiv, der Fifa zu glauben.

Der Weltfußball ist in guten Händen, alles läuft sauber ab. Glaubt das irgendjemand? Einige Leute in München offensichtlich, etwa der Richter Hans-Joachim Eckert, der Vorsitzende der Spruchkammer der Fifa-Ethikkommission. Und natürlich viele in Zürich, Moskau und Doha.

Den Schluss, die WM-Vergaben an Katar und Russland seien problemlos verlaufen, zieht Eckert aus der Untersuchung Michael Garcias, des Vorsitzenden der Untersuchungskommission. Eckert zufolge mag es zwar "ungebührliches Verhalten" einiger Bewerberländer gegeben haben, aber dieses ungebührliche Verhalten reiche "alles in allem nicht aus, die Integrität des Bewerbungsprozesses insgesamt zu kompromittieren", schreibt er in seinem Bericht.

Zwei Jahre lang hat Garcia ermittelt und jetzt sind all die Aufregung und all die Anstrengungen vergebens. Stattdessen diskreditiert Eckert zwei Menschen, die unschuldig in diese Illusion einer Untersuchung hineingezogen wurden.  

Ein verknöcherter Club blaue Jacketts tragender Männer

Die erste Person ist Phaedra Almajid, eine Informantin aus Katar. Sie kooperierte ausgiebig mit Garcia, übermittelte ihm viele Informationen, darunter auch Beweise des FBI. Eckert kanzelte sie als "nicht glaubwürdig" ab.

Die zweite Person bin ich. Ich sprach mit Garcia über meine Einblicke in die Bewerbung Australiens. Ich habe ihm von Anfang an erklärt, einen schlagenden Beweis könne ich zwar nicht präsentieren, aber möglicherweise interessante Indizien. Garcia ermittelte in sämtliche der von mir genannten Richtungen. Auch Eckert geht darauf ein.

Dennoch stuft Eckert meine Beweise als "unzuverlässig" ein. Das ist zwar das gute Recht eines Ermittlers. Aber es ist schon außergewöhnlich, zwei Personen herauszupicken, obwohl uns Vertraulichkeit zugesichert worden war. Eckert verunglimpft ausgerechnet die beiden Frauen, die den Mut aufgebracht haben, Kritisches zu sagen. So geht die Fifa mit Whistleblowerinnen um.

Überrascht bin ich nicht. Meine Erwartungen an eine Untersuchung der Fifa-Methoden durch die Fifa waren ohnehin gering. Die Fifa ist eine der unglaubwürdigsten Organisationen der Welt. In den vergangenen Jahrzehnten wurden reihenweise Vorwürfe der Bestechlichkeit und sonstigen Fehlverhaltens gegen die Fifa erhoben.  

Die Fifa wird größtenteils von Männern geführt, die zu lange im Amt waren, die den Verband als ihr persönliches Reich ansehen, und für die die Grenzen zwischen richtig und falsch längst gefallen sind. Es ist ähnlich wie bei einer Regierung, die zu lange regiert. Es gibt keine Kontrolle, keine Zweifel an Strategie, Handlungen und Abläufen. Es gibt keine Rechenschaftspflicht, keine Opposition. Und die Unterstützung des Volks – in diesem Fall der Spieler und der Fans – wird als gegeben angenommen. Die Fifa ist ein verknöcherter Club opportunistischer, blaue Jacketts tragender Männer, die ihre Pfründe verwalten.