Felix Zwayer © Patrik Stollarz/AFP/Getty Images

Alle sind zum Gratulieren gekommen, als Felix Zwayer im September zum Schiedsrichter des Jahres gekürt wird. Ein Video des DFB zeigt fröhliche Gesichter. Der Schiedsrichterchef Herbert Fandel lächelt, der DFB-Vizepräsident Rainer Koch applaudiert, der DFB-Präsident Wolfgang Niersbach sagt: "Wir haben heute Schiedsrichter der neuen Generation geehrt, die noch am Anfang ihrer Karriere stehen."

Doch der eigentliche Anfang der Karriere von Felix Zwayer hat einen Fleck. Es geht um seine Rolle im Hoyzer-Skandal. Und um die Rolle des DFB, der im Mai 2006 ein hartes Urteil gegen Zwayer sprach. Der DFB verheimlichte es. Er deckte damit einen seiner inzwischen erfolgreichsten Schiedsrichter. Und gefährdet Zwayers Integrität und die des Verbands.

Zwayer war Linienrichter von Robert Hoyzer, der 2004 über Monate mehrere Spiele der Zweiten Liga, der Regionalliga und im DFB-Pokal manipulierte. Für Elfmeter und andere Gefälligkeiten ließ sich Hoyzer von Wettbetrügern mit Geld und anderen Sachen bestechen. Er wurde mit zwei Jahren und fünf Monaten Gefängnis bestraft.

Auch Zwayer stand unter Verdacht, die Staatsanwaltschaft durchsuchte seine Wohnung. Doch während Hoyzer vom DFB lebenslang gesperrt wurde, blieb von Zwayer vor allem in Erinnerung, dass er den Fall Hoyzer mit anderen Schiedsrichtern ins Rollen gebracht hat. Doch das ist nur ein Teil der Wahrheit. Der DFB hatte von seinem Schiedsrichter ein anderes Bild. Das geht aus dem Urteil hervor (zum Dokument):

  • Felix Zwayer hat sich "grob sportwidrig" verhalten.
  • "Es ist davon auszugehen, dass Felix Zwayer dem ersten Anwerbeversuch Robert Hoyzers nicht in der von einem redlichen Schiedsrichter zu erwartenden Art und Weise widersprochen und das Geld entgegengenommen hat."
  • Zwayer hat "die ihm bekannten Spielmanipulationen des Robert Hoyzer über einen längeren Zeitraum hinweg nicht an den DFB gemeldet".
  • Vor dem Spiel SV Wuppertal gegen Werder Bremen Amateure im Mai 2004 hat Zwayer 300 Euro von Hoyzer angenommen, um "als Schiedsrichter-Assistent kritische Situationen für den Wuppertaler SV zu vermeiden".   

Das Urteil traf der Münchner Strafrichter Rainer Koch, der beim DFB dafür zuständig war. Es erkennt auch an, dass Zwayer zur Aufklärung des Falls beitrug und dass ihm keine absichtlichen Fehler nachgewiesen werden konnten. Doch Wortlaut wie Urteil lassen keinen Zweifel: Der DFB glaubt, dass er Bestechungsgeld angenommen hat. Dieses scheinbare Detail war Fußballfans und Vereinen bislang unbekannt.

Zwayer wurde für ein halbes Jahr gesperrt, doch dies wurde gegen die Sperre verrechnet, die man ihm wegen seiner Zeugentätigkeit im Hoyzer-Fall aus Schutzgründen auferlegt hatte. Zwayer durfte sofort wieder pfeifen, doch die Öffentlichkeit erfuhr nicht, dass er auch deshalb gesperrt wurde, weil der DFB ihn für schuldig hielt. Zwayer erkannte das Urteil sogar an und entging einer Verhandlung – und somit der Öffentlichkeit. Spricht man heute mit denjenigen, die ihn vernommen haben, sagen die: Das war taktisch klug. Vielleicht wäre seine Karriere dann anders verlaufen.

Heute leitet Zwayer Bundesliga-Partien wie zuletzt Dortmund gegen Hoffenheim. Auch in Europapokalspielen und einem Länderspiel wurde er eingesetzt, dem Testspiel Österreich gegen Ukraine. Verläuft seine Karriere weiter wie bisher, könnte er bald Deutschlands Spitzenschiri werden und das Fußballland bei der nächsten Weltmeisterschaft vertreten.

Es stellen sich Fragen: Sollte ein Schiedsrichter, der Geld angenommen hat, Spitzenfußball pfeifen? Wäre er unbefangen, wenn ihm jemand drohte, das Urteil zu veröffentlichen? Macht ihn diese Altlast erpressbar? Ein Schiedsrichter muss Fehler machen dürfen, ohne dass sie sofort gegen ihn ausgelegt werden.

Was wäre zum Beispiel, wenn das DFB-Urteil dem englischen Boulevard in die Hände fallen würde, nachdem Zwayer in einem WM-Halbfinale einen Elfmeter gegen England gegeben haben würde? "Die Situation muss wahnsinnig anstrengend für Felix sein", sagt einer, der Zwayer zu Hoyzer-Zeiten kannte.