Die Reaktion von Per Mertesacker auf die Fragen von ZDF-Reporter Boris Büchler nach dem WM-Spiel gegen Algerien ist bei YouTube mittlerweile vier Millionen Mal geklickt worden. Statt einer leichten Einstiegsfrage zum 2:1-Sieg und dem Einzug ins Viertelfinale hatte der Reporter gleich kritisch nachgehakt. Warum das deutsche Spiel so schwerfällig und anfällig gewesen sei, wollte er wissen. Ein sichtlich fassungsloser Mertesacker reagierte unwirsch. "Was woll'n Se?" Das knapp anderthalbminütige Gespräch, das in Mertesackers Ankündigung mündete, sich die drei Tage in die Eistonne zu legen, ist inzwischen legendär.     

Ein halbes Jahr später erinnern sich der Fußballer und der Fernsehreporter in der ZEIT an das Gespräch vom Sommer. "Ich war total angefressen von ihm", sagt Mertesacker. "Als wir aus dem Bild waren, habe ich die DFB-Pressesprecher angebrüllt: ‚Unfassbar, was der Kerl sich erlaubt. Unfassbar!’." Büchler gibt zu, dass seine Einstiegsfrage "nur bedingt Charme" hatte. Allerdings habe er nur 90 Sekunden Zeit gehabt für die Fragen und habe deswegen schnell auf den Punkt kommen müssen. "Tatsächlich bin ich in das Interview reingegangen mit dem Gefühl, stellvertretend für die 28 Millionen Live-Zuschauer zu fragen – von denen die meisten mit dem Spiel unzufrieden waren." 

Mertesacker sagt, ihm sei schon auf dem Weg ins Hotel klar gewesen, dass das Interview nicht schon nach kurzer Zeit wieder vergessen sei. Seine Mannschaftskameraden hätten ihm unmittelbar danach prophezeit: "Was woll’n Se! Eistonne! Karnevalstruppe! ‚Super Interview, Per! Du gehst in die Geschichte ein!’" Die Mannschaft habe sich mit ihm solidarisiert, sagt der Fußballspieler, der beim FC Arsenal London unter Vertrag steht. "Mir gratulieren die Leute bis heute zum WM-Titel und zum Interview – im selben Satz. Ich kann damit nicht umgehen."

Das vollständige Interview lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der ZEIT, die Sie ab Donnerstag am Kiosk und vorab online erhalten können.

Rückblickend sieht Mertesacker das Zoff-Interview sogar als einen Grund für den WM-Sieg der deutschen Mannschaft. Das Spiel gegen Algerien sei ein Wendepunkt gewesen, sagt er. Und das Interview habe dazu beigetragen, dass die Mannschaft enger zusammengerückt sei.