Viele Einrichtungen in Dresden haben sich früh von der fremdenfeindlichen Pegida-Bewegung distanziert. Die Technische Universität hat schon Anfang Dezember klar Position bezogen, ebenso die Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU). Die Chefs der Semperoper machten Ende vergangenen Jahres sogar das Licht aus, um Pegida keine Kulisse zu bieten.

Eine andere Dresdner Institution bleibt dagegen ganz bewusst neutral: der Fußballverein Dynamo Dresden. "Wir positionieren uns nicht zu Pegida", sagte Geschäftsführer Robert Schäfer ZEIT ONLINE. "Als Dynamo Dresden steht es uns gar nicht zu, diese Veranstaltungen zu bewerten."

Er sei bei keinem Pegida-Protest dabei gewesen, sagt Schäfer. So konnten ihm am vergangenen Montag auch die rund 300 Dynamo-Anhänger nicht auffallen, die sich dem Protestzug angeschlossen hatten, der in Dunkelheit und Nieselregen ausgerechnet am Stadion vorbeizog.

Bedrohliche Kulisse

Viele dieser Dynamo-Anhänger sind Hooligans und rechtsmotivierte Fans. Sie gerieren sich als Demonstrationsschutz, der Journalisten auf Distanz zu den Demonstranten hält, und bilden dabei eine bedrohliche Kulisse. Sie gehörten schon mehrmals zu den ersten, die den völkischen Ruf gegen die sogenannte Lügenpresse intonierten oder im rechtsextremen Duktus gegen Volksverräter hetzten. Niemand von ihnen gibt Interviews, O-Töne in Hörfunk und Fernsehen kommen von gemäßigteren Zauderern und Wutbürgern. Hooligans und Rechtsextremisten schweigen hier.

200 dieser rechtsmotivierten Fußballanhänger wollten am vergangenen Montag zur friedlichen Gegendemonstration gegen Pegida in die Innenstadt durchbrechen. Sie trugen die Kampfmontur der Hooligans, einige hatten Quarzsandhandschuhe wie bei verabredeten Kämpfen. Es blieb bei der Drohkulisse.

Auch gegenüber der Polizei, die sich bei den Pegida-Demonstrationen betont zurückhält. Das führt dazu, dass die rechtsmotivierten Hooligans auf den dunklen Wiesen und Wegen der Pirnaischen Vorstadt während der Demonstrationen eine gefühlte Macht haben, die sie in dem Maße selbst an den Heimspieltagen von Dynamo Dresden nicht erreichen.

Sie sind es, die Gegenprotest in Sichtweite von Pegida unmöglich machen; sie sind es, die Pressefreiheit lokal einschränken und dafür sorgen, dass sich Tausende von Pegida-Demonstranten für rund drei Stunden als eine Art Volksgemeinschaft fühlen und sich dem Irrglauben "Wir sind das Volk" hingeben können. Diesen vermeintlichen Erfolg der Pegida haben die Hooligans von Dynamo Dresden erst ermöglicht.

Jagd auf junge Migranten

Nach der Pegida-Demonstration vor Weihnachten, die auf dem Theaterplatz vor der Semperoper stattfand, sollen rund 50 Männer, zum Teil mit Dynamo-Schals vermummt, eine Gruppe jugendlicher Einwanderer in einer Einkaufspassage gejagt haben. Die Angreifer sollen mit Teleskop-Schlagstöcken, Elektroschockern und Reizgas bewaffnet gewesen sein, teilte das Kulturbüro Sachsen mit. Einige Menschen wurden leicht verletzt. Die Polizei ermittelt noch.  

Zu diesen Vorfällen will Dynamo Dresden keine Stellung beziehen. "Ich kann nur Sachverhalte kommentieren, die ausermittelt sind", sagt Geschäftsführer Schäfer. Schäfer ist Jurist und war zuvor bei 1860 München tätig, ein Verein, der über Jahre mit rechtsextremen Anhängern zu tun hatte. "Die rechtsextreme Szene bei Dynamo Dresden habe ich bisher überhaupt nicht wahrgenommen", sagte er. Die Zahl der von der Polizei geschätzten sogenannten Gewalttäter Sport bei Dynamo Dresden beurteilt er als deutlich zu hoch gegriffen: "Die Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze spricht ja von 600 gewaltgeneigten Fans bei Dynamo Dresden, aber realistischer ist da wohl schon eher die Zahl 300."