Frage: Kollegen, Ihr schaut so streng. Liegt es daran, dass wir behaupten, Jürgen Klopp ist gar nicht so gut, wie alle dachten? Oder dass wir Interviews veröffentlichen, in denen der BVB mit einer Sekte verglichen wird?

Lenz Jacobsen: Das Interview war schon verdammt unverschämt. Zum ersten Mal war ich selbst von der Brutalität journalistischer Praktiken betroffen. Das Interview war klug. Es gibt deutlich dümmere Arten, auf Dortmund draufzuhauen. Aber es war auch brutal. Ich fühle mich nicht als Sektenjünger. Aber vielleicht ist gerade das ein Zeichen, dass ich doch einer bin.

Eike Kühl: Ich fand das Interview ziemlich gut. Selbst die Reaktionen in einem BVB-Forum waren erstaunlich moderat. Einige haben Eilenberger gedisst, andere meinten, da sei schon was dran.

Till Schwarze: Gut war ja, dass ihr in euren Thesen am Ende auch ratlos wart und man eine gewisse Unerklärbarkeit herauslesen konnte. Und dass am Ende viel Kopfsache ist.

Alina Schadwinkel: Ich habe mich überwinden müssen, die Thesen zu lesen, weil ich mit euch des Öfteren schon debattiert habe, woran es liegen könnte. Am Ende stand nur das drin, was ihr mir schon immer erzählt habt. Da hättet Ihr euch ruhig mal etwas Neues überlegen können.

Frage: Aber wenn's stimmt?

Alina: Dass ein Sebastian Kehl zu alt ist, da widerspreche ich vehement. Und dass man sich lossagen müsste von manchen Spielern, an denen Klopp aus Dankbarkeit festhält. Mich hat das getroffen. Denn das zeichnet den BVB doch aus, das ist das Großartige. Das macht ihn nicht naiv oder schwach, sondern stark.

Frage: Wie geht es euch in diesen Tagen? Inwiefern setzt euch die Situation zu?

Till: Ich war Ende vergangenen Jahres auch schon deprimiert. Champions-League-Siege und dann Niederlagen gegen Hamburg oder Hannover. Aber das verlorene Spiel gegen Augsburg war ein Hammer.

Eike: Nach Augsburg habe ich zum ersten Mal gedacht: Jetzt ist es soweit, jetzt steigen sie ab! Die Mannschaft ist am Boden, da kommt nichts mehr. In der Hinrunde habe ich immer noch gerechnet, wie weit weg Platz vier ist. Erst 9 Punkte, später 12, dann 15. Aber nach Augsburg habe ich sofort den Fernseher ausgemacht und gedacht: Das kann doch nicht wahr sein.

Lenz: Bei mir war Augsburg auch die erste existenzielle Verunsicherung. Bis dahin haben ja die Statistiken, also Torchancen und Ballbesitz, immer dafür gesprochen, dass das es nur eine Phase ist. Aber das Augsburg-Spiel war echt hart.

Alina: Ich habe mich beim Freiburg-Sieg so riesig gefreut, dass ich erst nachträglich gemerkt habe, wie sehr mich Augsburg getroffen haben muss. Als das 2:0 fiel, war ich gerade zu Besuch bei meiner Oma im Krankenhaus und habe die Kantine zusammengeschrien. Die Leute dachten, ich hätte sie nicht alle. Das war aber in Dortmund, deswegen war es okay.

Frage: Ihr wart in den vergangenen Jahren erfolgsverwöhnt. Zum Fansein gehört aber auch das Leiden ...

Till: ...aber das musst du uns Dortmund-Fans nicht erzählen. Zumindest denen nicht, die länger dabei sind als 2012. Der Club stand vor 10 Jahren kurz vor der Insolvenz, viel mehr Leiden ging nicht.

Frage: Aber spürt ihr eine gewisse Häme, dass es euch jetzt auch mal wieder erwischt?

Lenz: Nein. So wie ich mich von dieser Erfolgsfan-Nummer nicht angesprochen oder beleidigt gefühlt habe, fühle ich mich nicht von der Haha-Häme-Nummer angesprochen.

Frage: Es hat dich also nicht gestört, dass in den guten Jahren plötzlich Hinz und Kunz für Dortmund waren, dass die Fankneipen voll waren?

Alina: Warum sollte es einen stören, wenn jemand sich für den eigenen Verein begeistert?

Frage: Wenn ich eine gute Band entdecke, finde ich es doof, wenn sie später auf einmal alle mögen.

Eike: Wenn die neuen Fans sich erst seit Kurzem für Fußball begeistern und dann eben Dortmund-Fan werden, weil sie Dortmund so toll finden, ist das doch gut. Wenn sie vorher HSV-Fans waren, haben sie das mit dem Fansein nicht verstanden.

Lenz: Dieser Rockband-Vergleich funktioniert nicht. In der Musik geht es um Distinktion, man versucht sich abzugrenzen. Das ist beim Fußball nicht so. Da entscheidet man sich für einen Verein, oft ohne, dass man etwas dafür kann.

Till: Eine Sache hat mich dann doch gestört. Ich habe selbst von einem guten Freund Mitleid bekommen, der Bremen-Fan ist. Das tat schon weh.