Ist die Entscheidung der Fifa endgültig?

Bisher ist es nur eine Empfehlung einer Arbeitsgruppe der Fifa, sie will die WM 2022 in den November und Dezember verlegen. Das Exekutivkomitee soll am 19. und 20. März darüber entscheiden. Wahrscheinlich wird es den Termin befürworten, obwohl sich europäische Vereine und Ligen laut beschweren und Geld fordern. Sepp Blatter ist aber ein Meister darin, Mehrheiten zu beschaffen. Man muss zudem bedenken, dass im Mai der Fifa-Präsident gewählt wird. In Wahlkampfzeiten will Blatter Ruhe.

Können unterlegene Konkurrenten Katars die Wahl anfechten?

Es war Blatter selbst, der auf diese Option aufmerksam gemacht hat. Falls die WM in den Winter verlegt werde und ein Mitbewerber Katars klage, sagte der Fifa-Boss im Mai 2013: "Dann könnte die Fifa ein Problem haben." Rein juristisch wäre es tatsächlich denkbar, dass England, Australien oder die USA die Wahl anfechten. Die WM war für Juni/Juli ausgeschrieben. "Ändert man den Zeitraum, fällt die Geschäftsgrundlage weg", sagt der Sportrechtler Stephan Dittl. Mit diesem Argument könnten die unterlegenen Nationen einen Prozess vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS anstreben. "Am besten verknüpft mit den vielen Indizien von Korruption", sagt Dittl. "Womöglich könnte das CAS-Schiedsgericht die Fifa-Wahl gar für ungültig erklären." Allerdings gilt der CAS als sportverbandsfreundlich.

Oder die Verlierer gehen vor ein staatliches Gericht, die entscheiden zurzeit gerne gegen die Sportverbände. Für die USA stünden die Chancen besonders gut. Amerikanische Gerichte erklären sich gerne für zuständig und sprechen den Geschädigten oft hohe Summen zu. Wahrscheinlicher ist aber, sagt auch Dittl, dass zum Beispiel die USA sportpolitisches Kapital aus ihrer Position schlagen. Etwa in Form einer finanziellen Entschädigung.

Übrigens: Auch einer der 14 Katar-Wähler der Fifa-Exekutive könnte mit gleichem Recht gegen den Entscheid klagen. Es müsste sich aber erst einer dazu bekennen, Katar gewählt zu haben. Man weiß es nur von Michel Platini. Und der wird kaum vor Gericht ziehen. Der Fußball ist eine Familie, man hält zusammen. Und 2026 findet wieder eine WM statt.

Wird man Katar die WM noch wegnehmen?

Sehr unwahrscheinlich, vier Jahre nach der Wahl. Und trotz vier Jahren Empörung der Weltöffentlichkeit über Menschenrechtsverletzungen, Schwulenhass und mutmaßlicher Bestechung. Katar hat längst mit dem Bau von Stadien und der Infrastruktur begonnen. Es könnte hohe Schadensersatzansprüche stellen.

Und Blatter will es sich sicher nicht mit Katar verscherzen – und damit mit großen Teilen der asiatischen Konföderation. Die sollen ihn nämlich wählen. Der Nahe Osten ist eine neue Macht in der Sportpolitik. Freiwillig wird der Emir übrigens kaum auf das große Fußballfest verzichten.

Könnte man es überhaupt?

Korruption wäre wohl der einzige Grund, Katar die WM noch zu entziehen. Doch die Ethikkommission und ein juristisches Gutachten konnten Katar und der Fifa keine Korruption nachweisen. Die vielen Indizien, die vor allem englische Medien herausfanden, reichten offenbar nicht aus. Die Verlegung in den Winter kann in dieser Frage keine Rolle spielen. Denn es ist gar nicht der Wunsch der Katarer, sondern ein Entgegenkommen ihrerseits.

Und nun?

Katar hat sich die Fifa eingehandelt, Katar wird sie nicht mehr los. Obwohl die Winter-WM viele in Mitleidenschaft ziehen wird. Wobei die Beschwerden der Vereinschefs um Karl-Heinz Rummenigges und Reinhard Rauball taktisches Ballyhoo sein können, um Verhandlungspositionen zu stärken. Vielleicht sind ja die prominentesten Beteiligten der Debatte zu einer finanziellen Lösung in der Lage. Vermutlich wird die Fifa die Abstellungsgebühren an die Vereine deutlich erhöhen. Am nötigen Kleingeld sollte es weder ihr noch Katar fehlen. Bei der WM 2022 geht es nur noch um Schadensbegrenzung.

Möglich, dass man über den genauen Termin noch mal nachdenkt. Es sind ja noch sieben Jahre Zeit. Vielleicht geht es ja doch im Mai. Jedenfalls wird sich der Fußballfan an den Gedanken gewöhnen müssen: Das Finale der Weltmeisterschaft 2022 wird in Doha ausgetragen. Ob die Fans das wollen oder nicht.