Im Dopingskandal am Freiburger Universitätsklinikum hat ein weiterer Sportler Vorwürfe gegen das Institut für Sportmedizin erhoben. Alwin Wagner, ehemaliger Deutscher Meister im Diskuswerfen, erklärte in einem Interview mit dem Südwestrundfunk (SWR), der Freiburger Arzt Armin Klümper habe ihm acht Jahre lang verbotene Substanzen verschrieben oder Blanko-Rezepte ausgestellt. 

Nach Anleitung habe er "drei, vier Monate am Stück" eine Kur machen müssen, sagte Wagner. Um nicht erwischt zu werden, seien die Medikamente dann etwa vierzehn Tage vor großen Wettkämpfen wieder abgesetzt worden. In einem Jahr habe Wagner über zehn Kilogramm zugenommen, die Steigerung seiner Bestweite sei ihm selbst "unheimlich" gewesen. Über mögliche körperliche Schäden sei er weder von Klümper noch von dem früheren Olympiaarzt Joseph Keul aufgeklärt worden.

Der SWR-Recherche zufolge genoss Klümper zudem finanzielle Unterstützung durch viele Spitzensportler. Dies habe der Arzt in einem bislang unveröffentlichten Buchmanuskript, das dem SWR vorliegt, bestätigt. Darin rühme er seine "hervorragenden Kontakte". Zu den prominenten Geldgebern gehörten demnach unter anderen Uli Hoeneß, Paul Breitner und Karl-Heinz Rummennige sowie der Turner Eberhard Gienger. Auf Nachfrage hätten mehrere Sportler Geldspenden an den Arzt bestätigt, darunter der Fußballer Hansi Müller. Andere bestreiten ihre Unterstützung, von Hoeneß und Rummenigge erhielt der SWR hingegen keine Antwort.      

Jahrelanges systematisches Doping

Auch der Spiegel hatte bereits 1987 von "Darlehen" für Klümper berichtet. Im Zusammenhang mit einer Selbstanzeige wegen nicht angegebener Nebeneinkünfte hatten mehrere Spitzensportler jeweils fünfstellige Summen beigesteuert – unter den Spendern befanden sich demzufolge Hoeneß, Rummenigge und Breitner. Laut Hoeneß habe es sich um Geld gehandelt, "von dem ich weiß, dass ich davon nie wieder einen Pfennig sehe".

Der Freiburger Dopingskandal gilt als größter Sportbetrug der westdeutschen Geschichte. Es ist erwiesen, dass sich viele Spitzensportler am Klinikum der Freiburger Universität jahrelang systematisch dopen ließen. Eine Kommission unter Vorsitz der Kriminologie-Professorin Letizia Paoli von der Universität Leuven (Belgien) sollte die Dopingvergangenheit der Sportmedizin im Breisgau aufklären. Allerdings wurde deren Arbeit immer wieder sabotiert, zuletzt erhob Paoli schwere Vorwürfe gegen die Spitze der Freiburger Universität. Die Rede ist auch von politischem Widerstand, Klümper gilt unter anderem als Freund Gerhard Mayer-Vorfelders, des ehemaligen DFB-Präsidenten. Der ehemalige Reckweltmeister Eberhard Gienger, Bundestagsabgeordneter der CDU im Sportausschuss des Bundestags, sammelte sogar das Geld für Klümper.

Die neuen Anschuldigungen kommen zu einem brisanten Zeitpunkt: In Stuttgart ist für den kommenden Dienstag ein lange geplantes Treffen mit der Uni Freiburg, der "Paoli-Kommission" und Vertretern des baden-württembergischen Wissenschaftsministeriums vorgesehen.