Das Desaster begann damit, Katar zur Wahl überhaupt zuzulassen. Die Fifa hätte vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) lernen können, es unterband Doha zwei Mal die Olympia-Bewerbung. Das hatte nichts mit Diskriminierung, Rassismus oder Eurozentrismus zu tun. Die Wüste eignet sich einfach nicht für Sportfeste. Dass die WM 2022 nun wahrscheinlich im November und Dezember ausgetragen wird, ist die verdiente Krönung.

Eine WM zu vergeben, ist das einzige, was das Fifa-Exekutivkomitee alle paar Jahre zu tun hat. Und nicht mal das kriegt es hin.   

Wie falsch die Katar-Wahl ist, hätten die 22 wahlberechtigen Mitglieder dem Bericht ihrer Technischen Kommission entnehmen können. Die hatte alle Bewerber für 2018 und 2022 für gut befunden, bis auf Russland und Katar. Es siegten Russland und Katar. Die Führer des Sports haben offenbar Lesen gelernt, als es noch nicht modern war.

Die Prüfer warnten vor der Hitze in Katar. Ist halt schlecht Fußball spielen bei 50 Grad, Fußball schauen übrigens auch. Es gibt auch andere Dinge, die gegen Katar sprechen: Das Land behandelt viele Arbeiter wie Sklaven, am Bau der Stadien, Hotels und Straßen werden bis 2022 Tausende gestorben sein. Der "Islamische Staat" empfängt Unterstützung aus dem Land. In Katar wird Homosexualität bestraft. Und: Katar hat keine Fußballkultur. 

Wird das Turnier nun wirklich im November und Dezember gespielt, wird die Farce offensichtlich. Europas Ligen müssten im Oktober ihre Saison unterbrechen, die sie erst kurz vorher beginnen. Betroffen sind auch die Champions League und untere Ligen. TV- und Sponsorenverträge dürften weniger Geld einbringen. Manchem kleineren Verein aus Deutschland, Spanien, England oder Italien könnte das Geld ausgehen, wenn der Spielbetrieb im Herbst pausiert.

Der Schaden könnte in die Milliarden gehen

Die Wut in den Vereinen ist groß. Die Fifa opfert den Kalender, der seit hundert Jahren auf ganzen Kontinenten etabliert ist, dem Neureichtum. Und die Fan-Kultur gleich mit. In Europa, der größten Fußballzone, ist eine WM immer auch eine Sommerparty. Dieser Spaß wird uns genommen.

2022 gibt es dann Public Viewing am Heizstrahler. Ob viele Fans nach Katar reisen, darf bezweifelt werden. Vielleicht bekommen sie vom Gastgeber ja die Reise und die Klatschpappen bezahlt, wie bei der Handball-WM. Der Schaden, den die Fifa mit Katar anrichtet, könnte in die Milliardenhöhe gehen. Karl-Heinz Rummenigge, der Sprecher der europäischen Top-Clubs, fordert bereits eine hohe Entschädigung.

Es geht nur noch um Schadensbegrenzung

Woran bitte hat der Uefa-Präsident Michel Platini gedacht, als er für Katar stimmte? Nur an seinen Sohn, der von Katar einen Job bekam? Und Sepp Blatter, der sich längst von der Wahl distanziert hat, hat Katars Konkurrenten sogar darauf aufmerksam gemacht, dass sie anfechtbar sein könnte. Die WM-Ausschreibung galt nämlich nur für Juni und Juli.

Aber die Fifa kann Katar mehr als vier Jahre nach der Wahl die WM kaum noch entziehen, die Schadensersatzansprüche wären wohl nicht zu zahlen. Und so geht es 2022 nur noch um Schadensbegrenzung. Glückwunsch, Fifa!

Noch etwas spricht gegen ein Turnier im Winter. In Katar kann es dann ungemütlich werden. Im Dezember regnet es oft stark, es ist neblig und stürmisch. In der Wüste ist so etwas eine ganz traurige Angelegenheit, zumal das Wasser auf dem trockenen Boden schlecht abläuft. Sauwetter in Katar – das wäre die absurdeste Pointe dieser WM.